1. Petrus 5,8
Andachten
Seid nüchtern und wacht.
Der Apostel Petrus spricht 1 Petr. 5,8.9: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe, und sucht, welchen er verschlinge; dem widersteht fest im Glauben, und wisst, dass eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.“ Diese Worte sind an Christen gerichtet, die durch Gottes Gnade aus dem Schlaf der Sünde und Sicherheit erwacht, aus dem Taumel der Sinnenlust und Weltliebe nüchtern geworden und von der Obrigkeit der Finsternis errettet, in das Reich des Sohnes Gottes versetzt waren. Während man den Andern zurufen muss: „Werdet doch einmal nüchtern und wacht auf, kommt doch einmal zur Besinnung und zum Nachdenken über euch, dass ihr nicht dahinfahrt, und in euren Sünden sterbt!“ - so werden dagegen die wahren Christen ermahnt: „Seid nüchtern und wacht.“ Erhaltet euch in christlicher Besonnenheit und Wachsamkeit, lasst euch nicht wieder einschläfern und sicher machen; denn der, dessen Diener ihr zuvor wart, der, welcher euch in eurem unbekehrten Zustande ungescholten und unangefochten ließ, der Fürst dieser Welt, der sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens, - der ist nun euer Widersacher geworden, geht umher wie ein brüllender Löwe, und sucht, welchen er verschlinge. Ihn zum Widersacher zu haben, seiner Werkzeuge Haß, Widerspruch und Anfeindung zu erdulden, also dem Herrn nicht ungestört dienen und nicht unangefochten ein geruhiges und stilles Leben führen zu können in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit - das ist freilich ein Leiden, und zwar ein empfindliches Leiden. Aber eins gegen das andere gehalten - welcher Christ möchte nicht lieber den Teufel zum Widersacher haben als seines Teils sein; nicht lieber in der Welt Angst haben, als mit ihr verdammt werden; nicht tiefer auf dem schmalen Wege sich leiden, als auf dem breiten Wege der Verdammnis fahren? Dazu ermuntert der Apostel, dass wir in unserem Mut nicht matt werden und ablassen, sondern den guten Kampf des Glaubens wider den Widersacher kämpfen, und ruft uns zu: „Dem widersteht fest im Glauben. Ihr habt den Stärkeren auf eurer Seite; der in euch ist, ist größer, denn der in der Welt ist; die Rechte des Herrn ist erhöht und behält den Sieg; das Feld muss uns doch bleiben, wenn wir nur Stand halten und herzhaft Widerstand leisten, nicht mit fleischlichen Waffen, sondern mit dem Helm des Heils, dem Harnisch der Gerechtigkeit, dem Gurt der Wahrheit, dem Schild des Glaubens und dem Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.“ Dabei tröstet der Apostel: „Wisst, dass eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Denkt nicht, dass euch allein, an eurem Ort und in euren Verhältnissen solches begegnet. Nein, euren Brüdern, wo und wie sie immer in der Welt sind, geht es eben so. Können sie es aushalten, können sie halten, was sie haben, aushalten bis ans Ende; so könnt ihr's auch.“ (Carl Philipp Johann Spitta)
Seid nüchtern und wacht, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge.
Es ist dem Teufel nicht genug, selbst elend zu sein; er hat daran eine höllische Freude, wenn er andere Geschöpfe abwenden kann von dem lebendigen Gott und sie seines eignen Elends teilhaftig machen. Darauf arbeitet er hin, dass er Alles verderbe und verführe, Finsternis so viel als möglich verbreite und dem allmächtigen Gott widerstrebe. Das war sein Plan bei seinem Abfalle und in diesem törichten Plane beharrt er noch jetzt, ja er verstockt sich immer mehr in demselben, weil er weiß, dass die Jahre seiner Freiheit sich zu Ende neigen und dass das Gericht, das über ihn ergehen soll, nahe vor der Tür ist. Denn das Lamm Gottes wird sich, wenn die Zeit erfüllt ist, als den Überwinder des Teufels, als den wahrhaftigen Schlangentreter zeigen. Darum geht jetzt der Teufel umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. Darum ist sein Zorn besonders jetzt so groß, seine Versuchungen besonders jetzt so gefährlich, darum ist es besonders jetzt nötig, aufmerksam zu machen auf seine List und Bosheit in dieser ungläubigen Zeit, in welcher er herrscht, die Seelen zu warnen, dass sie nicht in seine Netze fallen, die er einmal gestellt hat. Wir haben nicht allein mit Fleisch und Blut zu kämpfen, das wäre noch leichter zu überwinden, sondern mit den Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel und besonders mit dem bösesten aller Geister, dem Teufel. (Ludwig Hofacker)