1. Petrus 5,12
Andachten
Das ist die rechte Gnade Gottes, darinnen ihr steht.
Also die rechte Gnade Gottes erkennt man daran, dass sie uns fest macht. Wer nicht fest steht, der hat noch nicht die rechte Gnade. Wie fest standen die Apostel vor dem jüdischen Sanhedrium, als sie bezeugten: Wir können es nicht lassen, dass wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehört haben. Da war Gnade. Wie fest stand Luther vor den Großen dieser Welt und vor dem päpstlichen Bannstrahl, als er ausrief: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen. Da war wiederum Gnade, die rechte Gnade. Stehen wir auch in derselben? Wie sieht es aus mit unserer Herzensfestigkeit? Man gibt sich gar oft ein heroisches Aussehen und im Herzen wackelt doch Alles. Wenn man Viele fragt: Hast du denn wirklich etwas Festes? so können sie weder Ja noch Nein sagen. Und das ist das sicherste Zeichen, dass sie noch nichts Festes haben. Sie bauen in die Höhe und haben noch keinen Grund gelegt. Was Wunder, wenn dann Stöße kommen und das ganze Gerüste zusammenfällt! Und doch ist die Gnade Gottes etwas, das Jeder frei und umsonst haben kann. Wir brauchen sie nicht aus uns selbst zu produzieren, Gott schenkt sie jedem armen Sünder, aber auch nur Dem. Warum so Viele nicht fest stehen, kommt allein daher, weil sie ohne Gott fest stehen wollen. Man muss zuerst innerlich zusammenbrechen, dann erst wird man von oben stark und kräftig. Die Naturkraft muss der Gnadenkraft Platz machen, und die falschen Stelzen dem Grund, außer dem kein anderer gelegt werden kann. Christus muss den Stärksten zum Schwächsten und den Reichsten zum Ärmsten gemacht haben, dann wird Eisen und Erz an unsern Schuhen sein, und unser Alter wird sein, wie unsere Jugend. Man frage die festesten Gottesmänner, wie sie stark geworden sind, und sie werden gewiss sagen: In den Abgründen und in den Tränen. Darum behalten sie auch bei allen Eindrücken der Gnade Gottes, die sie trägt, hebt und errettet, ein stilles Zittern, was nichts Anderes ist, als das fortwährende Gefühl ihrer Schwäche. (Friedrich Lobstein)