1. Petrus 1,22
Andachten
Macht keusch eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit durch den Geist.
Man kann das ganze Werk der Bekehrung eine Hineinführung des Menschen in die Wahrheit nennen. Wir sind von Natur so aufgebläht, dass wir unsere armseligen Heller für Dukaten halten. Durch unzählige Erfahrungen und Demütigungen lernt der Mensch zuletzt, dass die vermeintlichen Dukaten nichts seien denn rote Heller. Und wenn er dieses einsieht, steht er in der Wahrheit und in der Demut. Es ist aber dies bei Manchen eine Weisheit, zu der sie nur nach vielen Jahren gebracht werden. Wir stecken eben voll Eigenliebe, und in dieser Eigenliebe sind wir eher geneigt, die Offenbarungen des Geistes der Wahrheit für Spiegelfechtereien zu halten, bevor wir unsere hohen und guten Gedanken von uns selber aufgeben. Darum möchte sich ein Mancher bereden, der Geist Gottes stelle ihm seine Schlechtigkeit und Verwerflichkeit nur deswegen so groß vor die Augen seines Gemüts, um ihn zu demütigen; er sei aber in der Wahrheit nicht so schlecht. Er sagt deswegen: ich fühle mich gegenwärtig so undankbar gegen Gott, so verwerflich, so träge zum Gebet, so lau und kalt in der Liebe gegen den Heiland usw.; aber lieber Mensch! du darfst redlich sagen: ich bins; nicht: ich fühle mich. Du bist es; denn der Geist Gottes, der dich züchtigt, ist ein Geist der Wahrheit.
O lasst uns nur aufmerken auf die Stimme des Worts und des Geistes Gottes, so werden wir gewiss zuletzt klein in uns selber und wahr werden, und was Satan in uns selber ausgerichtet hat, wird weichen müssen. Denn mit einem wahren Christen geht es immer, wie man sagt, hinter sich; er wächst und wurzelt unterwärts; er erkennt täglich deutlicher seine Schwachheit und Sünde, wird täglich ärmer am Geist. Dies ist nun freilich ein Weg, der dem hochmütigen Herzen nicht gefällt, eine bittere Arznei für das Fleisch, aber süß für den Geist; denn nur in der Wahrheit ist Seligkeit. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer. Nur die Armen taugen in das Reich der Wahrheit und Demut; die Anderen gehören mehr oder weniger unter die losen Verächter! (Ludwig Hofacker)