Hebräer 3,1
Andachten
Nehmet wahr des Apostels und Hohepriesters, den wir bekennen, Christi Jesu, der da treu ist dem, der ihn gemacht hat, wie auch Moses in seinem ganzen Hause. Dieser aber ist größerer Ehre wert, denn Moses, nachdem der eine größere Ehre am Hause hat, der es bereitet, denn das Haus.
Wir haben einen viel herrlicheren Mittler als die Väter des alten Bundes! Lasst uns desselbigen wahrs nehmen! Seht einmal an seine Macht, Größe und Majestät: was ist mit ihm zu vergleichen? So wenig ein Mensch mit Gott, - so wenig kann Moses mit ihm verglichen werden. Er ist der Glanz der Herrlichkeit des unsichtbaren Gottes, das Ebenbild seines Wesens, der alle Dinge trägt mit seinem mächtigen Wort; der zwar eine Zeitlang erniedrigt war unter die Engel und seine Herrlichkeit verhüllte, nun aber sich gesetzt hat zur rechten Hand der Majestät in der Höhe, über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und Alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen; dem alle Dinge unter seine Füße getan sind. Nichts ist mit ihm zu vergleichen, mit ihm, der da ist, der da war und der da kommt, mit ihm, der von Anfang an die Erde gegründet hat und dessen Hände Werk die Himmel sind, der da war im Schoße des Vaters, ehe die Berge worden und die Welt geschaffen worden, von Ewigkeit zu Ewigkeit; der das Wort ist, durch welches Alles gemacht ist, was da gemacht ist; der der Glanz der Herrlichkeit seines Vaters und das Ebenbild feines Wesens war, ehe er im Fleisch erschien, und nun er erschienen ist im Fleisch, alle Gewalt hat in dem Himmel und auf der Erde! Wer kann vor ihm, vor dem Strahl seiner Gottesmajestät bleiben und feine Augen erheben, um mit ihm sich zu messen? Siehe, das ist der Mittler des neuen Bundes!
Als der HErr in seinem Inwendigen den Ratschluss gefasst hatte, für die gefallenen Sünder zu leiden und zu sterben, da kam er auf die Erde; ja wohl, klein, in Knechtsgestalt wie ein anderer armer Mensch, und hatte nicht, da er sein Haupt hinlegte. Aber auch da leuchtete immer seine Herrlichkeit hervor aus seinen göttlichen Wundern und Reden, aus seiner gewaltigen Predigt, aus seinem Leidens-, Sterbens- und Auferstehungsgang, den Niemand mit ihm gehen konnte unter den Völkern, und endlich aus seiner Auffahrt über alle Himmel, wo er nun herrscht und thront über alle Kreatur! - Das ist Christus, der HErr des Himmels und der Erde, der große Jehovah! Wer ist ihm zu vergleichen? Moses oder einer der Propheten, oder ein Engel? Nimmermehr! Sie sind Strahlen seines Lichts; aber er ist der Erste und der lebte, der Anfang und das Ende, der Allmächtige! (Ludwig Hofacker)
Derhalben, ihr heiligen Brüder, die ihr mitberufen seid durch den himmlischen Beruf, nehmt wahr des Apostels und Hohenpriesters, den wir bekennen, Christi Jesu.
Unser lieber Heiland erhält hier zwei große Amtsnamen: Apostel und Hoherpriester, d. h. die durch Ihn gepredigte Seligkeit ist auch durch Ihn verschafft worden. Als Apostel hat Er Gottes Zeugnis an uns gebracht, als Hoherpriester handelt Er in unserer Sache mit Gott. Und der Glaube bekennt Ihn oder nimmt Ihn für das an, wozu er uns von Gott gemacht ist. Doch hat noch immer Zuspruch statt, dessen weiter wahrzunehmen, auf Ihn aufzusehen, das Vertrauen zu Ihm nicht wegzuwerfen, vielmehr die Kraft seines himmlischen Berufes immer besser kennen zu lernen. Die häufigen Versuchungen, das starke Bleigewicht, das uns immer wieder vom Unsichtbaren in das Sichtbare zieht und uns vom himmlischen Beruf leicht vollends abbrächte, erfordert dergleichen wiederholte Zusprüche. Wer in etwas Unrichtiges hineinkommt, bei dem hat es allemal damit angefangen, dass er etwas von seinem ins Herz gefassten Glauben an Jesum aufgegeben oder dessen nicht gehörig wahrgenommen hat. Der Glaube aber sieht Jesum Christum an und wird damit in seine Fußstapfen, in die Ähnlichkeit mit seinem Bilde gezogen. (Karl Heinrich Rieger)