Galater 3,1
Andachten
Jesus war euch vor die Augen gemalt, als bei euch gekreuzigt.
Paulus sagt 1 Tim. 6,16. von Gott, dass Ihn kein Mensch (nach Seinem eigenen göttlichen Wesen) gesehen habe, noch sehen könne. Weil Gott aber doch von den Menschen erkannt sein wollte, so redete Er nicht nur teils unmittelbar, teils mittelbar mit ihnen, sondern ließ Sich auch von ihnen zuweilen in einer angenommenen Gestalt, die sehr lehrreich war, und einen tiefen Eindruck machen konnte, sehen. Niemals aber hat sich das göttliche Wesen zum Sehen so deutlich und völlig geoffenbart, als da das wesentliche Wort Fleisch geworden war, und unter den Menschen wohnte. Damals konnte man zu den Menschen sagen: siehe, da ist euer Gott; siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Man konnte Seine Herrlichkeit als die Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes Gottes sehen. Er war das sichtbare Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Man sah Gnade, welche sich der Sünder erbarmt, und Wahrheit, welche allen Mangel erstattet, aus Ihm herausleuchten, weil Er voller Gnade, das ist voll von Zuneigung zu den Menschen, und voll Wahrheit, das ist voll von der wahrhaftigen Gottheit, die allein gut ist, war. Deswegen konnte Er zu seinen Jünger sagen: selig sind die Augen, die da sehen, das ihr seht, und weil Er sich auch durch Worte offenbarte: selig sind die Ohren, die da hören, was ihr hört.
Von dieser Zeit an konnten die Apostel den Leuten Jesum vor die Augen malen, und alle Prediger des Evangeliums sollen’s nach ihrem Vorgang zu allen Zeiten tun. Man soll Ihn vor die Augen malen in Seiner menschlichen Gestalt, in Seiner Knechtsgestalt, und in Seiner Leidensgestalt, wie dieselbe von den Evangelisten unter der Leitung des heiligen Geistes nach der Wahrheit beschrieben worden ist. Man soll Ihn als einen göttlichen Lehrer und Wundertäter, als den höchsten und ewigen König, und als den Hohenpriester, der die Menschen durch Sein Opfer versöhnt hat, beschreiben. Wer nur von dem höchsten Wesen, oder von der unsichtbaren Gottheit predigt, wer nur die Sittenlehre vorträgt, oder wer auch mit einer scheinbaren Weisheit von himmlischen, irdischen, unterirdischen, und vorweltlichen Dingen redet, und das Bild Jesu, wie es vor die Augen gemalt werden kann, weglässt, erreicht seinen Zweck nicht, und kann keine geistlichen Kinder zeugen. Paulus malte den Galatern, als Er bei ihnen war, Christum so vor, dass es so viel war, als ob Er bei ihnen gekreuzigt worden wäre, und sie ihn also am Kreuz hängen sähen, und sagte ihnen zugleich mit klaren und kräftigen Worten, was Jesus, und was die Ursache und die Absicht Seiner Kreuzigung sei. So soll es ein jeder Prediger des Evangeliums machen. Wenn aber dieses geschieht, so soll dadurch Jesus in uns eine Gestalt gewinnen, wie Paulus Gal. 4,19. sagt, das ist, Seine Gestalt soll uns so eingedrückt werden, dass wir im Geist des Glaubens mit ihm gekreuzigt, gestorben, begraben, und auferweckt seien, folglich auch gesinnt seien, wie Er war, in Sein Bild von einer Klarheit zu der andern verklärt werden, und wandeln, wie Er gewandelt hat. Es geschehe solches auch in mir und den Meinigen immer völliger, und der gekreuzigte Heiland sei uns, so lange wir leben, göttliche Kraft und göttliche Weisheit! (Magnus Friedrich Roos)
Christus Jesus ward euch vor die Augen gemalt.
Wie soll man ihn beschreiben? Gott man in den Himmel hinauffahren und Christum herabholen? Soli man seine unaussprechliche Macht und Majestät, soll man den unermesslichen Umfang seines Königreichs und seiner Herrschaft, soll man seine Schöpfermacht und Herrlichkeit, und wie er sitzt über Cherubim zur Rechten Gottes, beschreiben? Oder sollen wir hinab in die Tiefe fahren und ihn von den Toten holen, und den Seelen zeigen, wie er nun Alles in Allem erfüllt; soll man sein Richteramt, und wie er Alles an das Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, wie er den Rat der Herzen offenbaren wird, und wie vor ihm alle Welt wird erscheinen müssen, und ihn sehen werden alle Augen und die ihn gestochen haben, soll man ihn mit großer Kraft und Herrlichkeit wiederkommend in den Wolken des Himmels beschreiben? Allerdings muss man das auch von ihm sagen; auch Johannes zeugte von seiner Gottesmajestät; auch die Apostel haben mit großer Freudigkeit davon gezeugt. Aber dieses sind doch nicht seine Haupteigenschaften, welche die Apostel herauszuheben pflegen, wenn sie die Seelen zu seiner Gemeinschaft reizen und locken wollen. Johannes, der Täufer, sagt es uns deutlich, wie man ihn beschreiben müsse, nämlich als das Ramm Gottes, als das Versöhnungslamm, das große Passahlamm, das unbefleckte Lamm Gottes, das für die Sünden der Welt geopfert ist. Der Heiland hat nach seiner Auferstehung seinen Jüngern selbst die Art und Weise in den Mund gelegt, wie sie von ihm zeugen und predigen sollten, nämlich: „also musste Christus leiden“ - sagte er sagte er - und auferstehen von den Toten „am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Namen, Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern“ (Luk. 24, 46. 47.). Diese Art haben auch die Apostel überall beobachtet; sie predigten von Christo, dem Ges kreuzigten und Auferstandenen; sie versündigten, dass es eine Liebe gebe, die uns zuerst und bis zum Tod am Kreuze geliebt habe; und Paulus spricht: es sei ferne von mir, rühmen, denn allein von dem Kreuz unsers HErrn Jesu Christi, durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“ ! (Ludwig Hofacker)