2. Korinther 3,6

Andachten

Der Buchstabe tötet; aber der Geist macht lebendig.
In Schrift verfasst liegt das göttliche Wort vor mir, so dass es durch Buchstaben zu mir spricht. Dadurch ist es zu unserem ernsten Anliegen gemacht, dass wir das göttliche Wort der Wahrheit gemäß schätzen. Paulus hilft uns zur rechten Verehrung und gläubigen Aneignung der Schrift dadurch, dass er uns zeigt, warum die Schrift nicht Gottes einzige und letzte Gabe für uns ist, noch nicht die, die uns hilft. Die Gabe Gottes, mit der uns geholfen ist, ist der Geist; denn dieser schafft das Leben, während die Schrift, wenn ich nichts als sie habe, tötend wirkt. Das tut sie deshalb, weil sie Gesetz ist und Gottes Gesetz keinen Widerspruch erträgt, sondern dem, der ihm widerspricht, das Leben nimmt. Die Schrift verkündet mir, dass Gott gut ist und das Gute will und das Böse nicht will und von mir verlangt, dass auch ich das wolle, was gut ist vor Gott. Allein damit, dass ich das lese und mir vorhalte und einübe, ist es noch nicht zu meinem eigenen Willen geworden. Damit ist die inwendige Entzweiung noch in mir vorhanden, durch die das, was ich soll, von dem, was ich bin, geschieden bleibt und aus der Frömmigkeit die Hülle wird, die meinen wirklichen Zustand versteckt. Darum spricht Gott nicht nur durch Worte zu uns, die durch die Schrift vor unsere Augen und in unser Gedächtnis kommen, sondern wirkt im Bereich unseres inwendigen Lebens durch seinen Geist. Nun fordert sein Wort nicht nur den Glauben, sondern schafft ihn in mir und verlangt von mir nicht nur die Liebe, sondern verleiht sie mir. Jetzt ist die uns drohende Gefahr überwunden und das Leben erschienen. Indem Gott durch seinen Geist zu uns spricht, wird die Schrift für uns zu seinem heilsamen Wort.
Ich höre Deines süßen Wortes Schall, Deines heiligen Willens Bezeugung. Nun sprich zu mir durch Deine gebende Gnade, die das Wollen und das Vollbringen verleiht, damit Dein Wort mich nicht verklage, sondern die seligmachende Gotteskraft sei. Amen. (Adolf Schlatter)


Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tötet und in Steine gebildet ist, Klarheit hatte, also dass die Kinder Israel nicht ansehen konnten das Angesicht Mose um der Klarheit willen seines Angesichts, die doch aufhört: wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist gibt, Klarheit haben?
Der Apostel deutet hier auf die Art, wie das Gesetz gegeben wurde. Gott der HErr schrieb das Gesetz, nämlich die zehn Gebote, auf zwei steinerne Tafeln, - ein wahres Bild von der Art und Weise, wie das Gesetz auf die Menschenherzen wirkt. Es ist etwas Göttliches, eine göttliche Beurkundung im Gesetz, wie dies die Schrift ausdrückt, dass es mit dem Finger Gottes geschrieben sei. Der Mensch, der es hört, muss ihm Beifal geben; denn das da gesagt ist: du sollst Vater und Mutter ehren, du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen usw., das ist so, dass kein Mensch widersprechen kann, dass auch der roheste Weltmensch Ja und Amen dazu sagen muss; - Gott hat es ihm in sein Herz und Gewissen geschrieben. - Wie geht es aber mit der Kraft des Gesetzes? was wirkt es im Menschen? kann es ihn umändern, kann es, wenn es in sein Herz gedrückt wird, eine Erneuerung und Verwandlung darin hervorbringen? Nimmermehr, dazu ist das Gesetz durchaus unvermögend, und das Herz bleibt nach wie vor steinern, auch wenn die Gebote hineingeschrieben sind. Ach es habens schon Manche versucht, durch beständiges Vorhalten des Gesetzes, durch stetes Predigen, wie der Mensch sein müsse, sich selbst und Andere zu ändern: aber sie sind mit Schanden abgezogen; die Meisten blieben wie sie waren, blind und tot, Andere gerieten in Verzweiflung. So sagt Luther von sich und seinem Zustand, da ihm die Kraftlosigkeit des Gesetzes und die Gotteskraft des Evangeliums noch nicht offenbar war:

Die Angst mich zum Verzweifeln trieb,
Dass nichts denn Sterben bei mir blieb,
Zur Hölle musst' ich sinken.

Könnte das Gesetz Kraft und Leben mitteilen, so wäre das Evangelium von der Liebe Gottes in Christo Jesu nicht nötig gewesen: aber es kann den Menschen nicht ändern und bekehren; nur aufschrecken kann es ihn durch Vorhaltung der unverbrüchlichen Heiligkeit Gottes, in Not und Jammer bringen und in die äußerste Verzweiflung treiben; es hat keine belebende, sondern tötende, Leben nehmende Kraft.

Der Buchstabe, das ist: das Gesetz, gibt keine Kraft; der Geist aber, nämlich das Evangelium Christi, macht lebendig, kräftig und willig. Wenn man einem Heiden, der noch nie etwas von dem Heiland vernommen hat, predigt: siehe, lieber Mensch! dein Schöpfer, der Alles, was du siehst, Himmel und Erde, Berge und Täler, Flüsse und Seen und sich selbst gemacht hat, - siehe, dieser ist um deinetwillen auf die Erde gefomnien, hat in großer Armut gelebt, hat für dich und nur aus Liebe zu dir so viele Schmerzen erlitten bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz, damit er dich selig mache von deinen Sünden und von den Strafen des gerechten Gerichts Gottes: sollte das ihn nicht durchdringen, ihm nicht den innersten Grund seiner Seele enthüllen? Muss es sich da nicht bald zeigen, wes Geistes Kind er ist, ob er ein Kind des Teufels sein und bleiben, und also die große Liebe seines Gottes verachten und mit Füßen von sich stoßen, oder aber, ob er ein Mind Gottes werden und sich durch die Liebe, die ihn zuerst geliebt hat, will beseligen lassen? (Ludwig Hofacker)

Predigten

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