1. Korinther 13,8
Andachten
Die Liebe hört nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden und die Sprachen aufhören werden und das Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
So groß auch die Gaben sein mögen, die einer empfangen hat, und so große Dinge er damit ausgerichtet haben mag, so hören sie doch einmal auf. Entweder sie sind gegeben zu besonderen Zeiten für besondere Zwecke und Umstände und hören auf, wenn die Zeiten und Umstände sich ändern und die Zwecke erreicht sind, oder wenn sie noch bis an den Tod dauern, so hören sie doch sicher in jenem Leben auf. Die Weissagungen erfüllen sich, die Sprachen verstummen, und das Stückwerk unserer Erkenntnis weicht dem Vollkommenen. Die Liebe aber ist das Ewige unter dem Wandelbaren und Vergänglichen. Sie räumt ihren Platz nichts anderem ein, sie verwandelt sich in nichts anderes, sie ist hier und in der Ewigkeit gleich, himmlisches Leben schon auf der Erde, und sie kann durch die Versetzung in die Ewigkeit zwar noch schöner werden, indem jede Befleckung der Sünde aufhört und jedes Hindernis ihrer vollkommenen Entfaltung hinweggenommen ist; aber aufhören tut sie nicht, und wer darum einen Reichtum mit hinwegtragen will, wenn er alles andere lassen muss, der werde reich in der Liebe.
O HErr, was hätten wir, wenn wir die Liebe nicht haben! Alles hört auf, nur die Liebe nicht, und so reich und groß die Gaben sind, die wir empfangen haben, so helfen sie uns doch in der Ewigkeit nicht. Darum bitten wir Dich, Du ewige Liebe, Du wollest auch unsere Herzen reich machen in der Liebe, damit wir einen Schatz haben, der ewig bleibt. Amen. (Hermann Haccius)