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Lukas 15,17

Lukas 15,17

Andachten

Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt in dem Himmel und vor dir, und bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich als einen deiner Tagelöhner.
Es hält oft schwer und dauert oft lange, bis ein Mensch zur Besinnung kommt. Bittere Erfahrungen, harte Schläge müssen erst kommen, und wenn man unter ihnen seufzt, so ist man dann erst noch geneigt, alle Anderen zu verklagen, nur nicht sich selbst. Man schlägt auf andere Menschen, man schlägt auf die Verhältnisse, nur nicht in sich; ihnen gibt man die Schuld, nur nicht sich selbst. Und wie Mancher kommt nie dahin, es sich einzugestehen, dass er Schuld ist, dass er die Folgen seiner eigenen Torheit trägt! In solcher Blindheit kann uns nur das Licht des göttlichen Wortes erleuchten, das Evangelium, welches uns von der Barmherzigkeit Gottes predigt. Wer wollte sich denn auch das eigene Todesurteil unterschreiben, ohne Hoffnung auf Gnade! Die Hand an das eigene leibliche Leben legt man wohl, aber nur in der Hoffnung, entweder, dass es nun ganz aus sei, oder doch, dass es mit diesem Leben aus sei, aber sich selbst das Verdammungsurteil für die Ewigkeit zu sprechen, so wie wir es verdient, das vermag Niemand, der nicht im Hintergrunde die Barmherzigkeit Gottes leuchten sähe! Der verlorene Sohn glaubt an die vergebende Liebe des Vaters, und darum kann er in sich schlagen, kommt er zur Besinnung, dass er doch allein an seinem jetzigen Elend Schuld sei. Er spricht jetzt nicht: warum hat mir der Vater mein Erbe gegeben, so wäre ich nicht weggezogen, noch, warum hat er mich wegziehen lassen, so wäre ich nicht unglücklich geworden, er sagt nicht: warum haben mir meine Freunde nicht Einhalt getan, sondern haben das Meine verprassen helfen; warum lässt mich mein Brotherr darben und gibt mir nicht einmal satt zu essen; warum kommt keiner von denen, die mit mir gezecht haben und hilft mir; alle diese Klagen, die dem menschlichen Herzen am nächsten liegen, sind überwunden, in ihrer Bodenlosigkeit erkannt und nur die eigene Torheit und Sünde steht mit flammender Schrift vor seinem Auge: Du bist schuld, dass dir es so geht. Hättest du dein Erbe nicht gefordert, wärest du zu Hause beim Vater geblieben, hättest du nicht in Wollust gelebt, so wärest du jetzt nicht bei den Säuen. Das ist der Anfang der rechten Buße, nach dem Worte bei Jeremia: Wie murren denn die Leute im Leben also? Ein jeglicher murre über seine Sünde. Die Einkehr in sich ist der Anfang der Umkehr. Wer äußerlich umkehren will, muss zuvor innerlich umgekehrt sein. So geschah es beim verlorenen Sohn. Er bekennt sich selbst seine Sünde, um sie dann auch seinem Vater zu bekennen; er fühlt es, dass er ferner nicht wert sei, noch der Sohn seines Vaters zu heißen, und er will's ihm auch sagen. Er will zu ihm gehen und ihn bitten, dass er ihn als einen seiner Tagelöhner mache. Der verlorene Sohn ist durch das Elend mürbe geworden, er ist gedemütigt, zerknirscht. Er hat sein Erbe dahin, hat's verbraucht, verprasst, er hat hinfort keinen Anspruch mehr auf das Gut seines Vaters. Nur als Tagelöhner soll er ihn aufnehmen. Aber zurück will er, zum Vater will er. Der Vatername, das Vaterhaus, das Vaterherz, das sind die Rettungsanker, an die er sich klammert, und es sind die rechten. Seele, schlage in dich, und lass dein Elend dir gesegnet sein! Kehre wieder, du abtrünnige Israel, spricht der Herr, so will ich mein Antlitz nicht gegen euch verstellen, denn ich bin barmherzig, spricht der Herr, und will nicht ewig zürnen. Allein erkenne deine Missetat, dass du wider den Herrn, deinen Gott gesündigt hast. (Anton Camillo Bertoldy)

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