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Markus 4,26

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Andachten

Und er sprach: Das Reich Gottes hat sich also, als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft. Und schläft und steht auf Nacht und Tag und der Same geht auf und wächst, dass er's nicht weiß.
Hörst du's, verzagte Predigerseele, wie ein Meister die Wirksamkeit seines Wortes beschreibt? Der ausgestreute Same seines Wortes wächst ohne dein Zutun von ihm selbst durch die Kraft, welche Gott selbst in den Samen und in den Boden gelegt hat und durch das Herbeiführen gedeihlicher Umstände. Gott ist der Ackersmann, der Same gehört Ihm, der Boden ist sein Eigentum. Du bist sein Handlanger. Er legt dir seinen Samen in deine Hand, dass du ihn ausstreust. Das Bereiten des Bodens ist Gottes Sache. Er tut es und reißt die Furchen des Herzens durch seine Schickungen auf. Wo dies gelungen ist und wo nicht, bleibt dir meist verborgen. Du aber streust den Samen auf gut und auf schlecht Land, unbekümmert, ob viel oder wenig davon verloren geht, gleichwie Gott seinen befruchtenden Regen nicht bloß auf guten schwarzen Boden, sondern auch auf Felsen und sogar ins Meer fallen lässt. Auf dem guten Boden geht aber das Wort Gottes auf, das aus deinem Munde gegangen, nachdem es seine Zeit im Schoße des Herzens geruht und gekeimt hat. Niemand sieht das Keimen des Weizens in der Erde, Niemand auch das Keimen des Wortes im Herzen. Selbst der, in des Herzen solches vorgeht, weiß es nicht, merkt es oft nicht. Alle Anfänge sind Gottes Geheimnisse. Inzwischen schläfst du und stehst auf, und bist treu in deinem Tagewerk. Du begießt die Saat mit den Seufzern deines Herzens und mit den Taten der Liebe und den Worten deines Mundes und wartest in Geduld, dass der Same ausgehe und es grün werde auf der Flur. Denn die Erde bringt von ihr selbst zum ersten das Gras, danach die Ähren, danach den vollen Weizen in den Ähren. Mancher Wintersturm braust über die Saatfelder dahin und bedeckt sie mit Eis und Schnee, bis die warme Frühlingssonne der göttlichen Liebe das Eis der Selbstsucht schmelzen macht und die Decke der weltlichen Lüste wegzieht. Das göttliche Wort braucht Zeit und es ist oft dem, der Samen gestreut hat, nicht vergönnt, das grünende Frühjahr zu erleben. Aber getrost! War der Same gut, den du sätest, war es das Evangelium, welches nicht aus deinem Munde bloß, sondern aus deinem Herzen kam, so wird der gute Boden schon treiben und Gott wird es an Luft und Licht, an Wasser und Wärme nicht fehlen lassen. Manche dürfen es sehen, wie der von ihnen gestreute Same aufgeht, Ähren treibt und vollen Weizen bringt; Andere aber müssen warten bis ins Jenseits. Von ihnen heißt es: der Eine säet, der Andere erntet doch nur hienieden. Der, welcher das Recht hat zu ernten, ist Gott, und Er allein. Denn sein ist Boden und Same, und von Ihm kommt auch die Kraft zu treiben und zu keimen, und Er gibt Regen und Sonnenschein. Wir haben keinen Anspruch auf Erntefreuden. Doch nach seiner Gnade und nach seiner göttlichen Liebe lässt Er auch daran uns Teil nehmen, und findet seine Seligkeit darin, auch uns beglücken zu können. Doch zu seiner Zeit. Unsre Zeit ist allewege. Gottes Zeit ist aber nicht allewege. Was weißt du aber, ob Er dir die Erntefreude, die Freude, die Früchte des von dir gestreuten Samens zu erblicken, nicht auf jene Welt vorbehalten hat? Darum harre in Geduld und werde nicht müde zu säen und zu begießen, predige das Wort zur Zeit und zur Unzeit und begieße es mit deinen Tränen. Ach, du lieber Herr, stärke die müden Hände, richte auf die strauchelnden Knie und erquicke das matte Herz, und lass uns, wenn wir mit Tränen säen, doch einst auch mit Freuden ernten! (Anton Camillo Bertoldy)


Und er sprach: Das Reich Gottes hat sich also, als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft, und schläft, und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst, dass er's nicht weiß.
Wir können nicht machen, dass der Same aufgeht und wächst; aber wir können ihn ausstreuen. Jeder, der etwas von der Gnade Gottes weiß, kann andern zum Segen werden. Wir können nicht alle in gleicher Weise lehren, denn wir haben nicht alle dieselben Gaben. Wir haben auch nicht alle dieselben Gelegenheiten; denn der eine lebt in der Verborgenheit, der andre hat weitreichenden Einfluss. Aber in der Familie des Herrn kann auch die Hand des kleinsten Kindes ein Samenkörnlein ausstreuen. Kein Christ braucht müßig am Markte zu stehen, denn für jeden ist eine passende Arbeit vorhanden. Keine Christin ist ohne einen heiligen Beruf, und wenn sie ihn recht vollbringt, wird der Herr von ihr sagen: „Sie hat getan, was sie konnte.“ Jeder kann in seiner Art und an seinem Platz für den Herrn wirken: die Hausmutter an den Familiengliedern, das Kindermädchen an den ihr anvertrauten Kleinen, der Knabe in der Schule, der Arbeiter in der Werkstatt, die Wärterin am Krankenbett. Die, die nicht viele Gelegenheit haben, können doch ein klein wenig tun. Der köstliche Same von Gottes Wort ist klein wie ein Senfkorn; auch die schwächste Hand kann ihn an einen Ort säen, wo er hundertfältige Frucht trägt. (Charles Haddon Spurgeon)

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