Matthäus 7,20
Andachten
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht Alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen; sondern die tun den Willen meines Vaters im Himmel.
Ein Tag, welch' eine kurze Spanne Zeit, wie bald ist er verstrichen und hat sich wieder niedergelegt zu seinen Brüdern, und doch ein Tag, welch' eine wichtige und köstliche Gabe ist er, wie viele Gelegenheit bietet er uns, Gutes zu tun, Segen zu stiften, deinen Willen, himmlischer Vater, auf Erden zu erfüllen, und wie viel Gelegenheit auch, das Rechte zu versäumen, Unrecht zu begehen, Unfrieden und Unsegen zu stiften auf Erden. Und da du nun, Vater, uns von Neuem einen Tag anbrechen lässt, so danken wir dir für diese deine Gnadengabe, mit der du uns so reiche Gelegenheit schaffst, dein Reich zu fördern auf Erden. Gib uns denn auch Gnade, dass wir die neue Frist, die du uns schenkst, gewissenhaft und treu benutzen. Bewahre uns davor, dass wir nicht mit eitlen, nichtigen Dingen, noch auch mit leeren Worten umgehen, sondern dass wir mit ganzem Ernst eine gute Frucht des Lebens zu schaffen suchen. Wir gedenken des Worts, das unser Meister seinem Volke zugerufen hat: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen; nicht alle werden ins Himmelreich kommen, die zu mir: Herr! Herr! sagen, sondern die den Willen tun meines himmlischen Vaters. O welche eindringliche Mahnung liegt in diesen Worten, dass wir die Zeit benutzen und eine gesegnete Frucht zur Reife bringen möchten! Verleihe du, Vater, uns dazu selber deine Gnade, schenke uns Kraft und unverdrossene Freudigkeit zur Arbeit und lass uns eine heilsame Frucht derselben schauen. Gib du das rechte Gedeihen zu dem, was wir in deinem Namen und in deiner Liebe pflanzen und säen. Lass auch jene edlen Früchte des Geistes wachsen unter uns, durch welche das Leben erst schön und gesegnet wird, jene Früchte, die da heißen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. O lass unser Leben im Hause, unsere Gemeinschaft mit den Brüdern allen ein solcher Gottesgarten werden, wo des Unkrauts immer weniger vorhanden ist, die gute Saat deiner Wahrheit immer ungehemmter wachsen und reifen kann. Bewahre uns, wenn es sein kann, vor Unglück, vor Erkrankung, vor bitteren und schmerzlichen Erfahrungen; aber wenn etwas der Art über uns kommen soll, so lass uns auch dann nicht erschrecken, sondern uns der Verheißung getrösten, dass, die da mit Tränen säen, mit Freuden ernten und ihre Garben bringen werden mit Danken. Ja, unter Sonnenschein und Regen lass reifen in uns die friedsame Frucht der Gerechtigkeit, den Menschen der nach dir erschaffen ist in rechtschaffener Heiligkeit; damit wir, wenn einst der letzte Tag unseres Lebens kommen wird, Freudigkeit zu dir haben und als gereifte Frucht eingehen dürfen zu deiner Freude. Amen. (Robert Grubenmann)