Matthäus 26,52
Andachten
Stecke dein Schwert an seinen Ort; denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.
In gottmenschlicher Majestät steht der Herr am Ausgange des Gartens Gethsemane zwischen seinen Freunden und seinen Feinden; und von beiden bedrängt, wird Er beiden gerecht. Petrus, voller Feuereifer für seinen Herrn, hatte sein Schwert gezogen und wollte demjenigen der Knechte, welcher sich am nächsten zum Herrn machte, einen tödlichen Streich versehen, hieb ihm jedoch nur ein Ohr ab. Da strafte ihn der Herr und sprach die denkwürdigen Worte: „Stecke dein Schwert an seinen Ort; denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.“ Die im Eifer für Ihn geschlagene Wunde aber heilte Er. Wohl magst du, wenn du den Herrn lieb hast, wie Petrus, Ähnliches fühlen wie Er, wenn Frevlerhände es wagen, vor dir deinen göttlichen Meister anzutasten. Wie könnte es auch anders sein, als dass du bitteres Wehe im Herzen empfindest, wenn Ihm wehe getan werden soll, ist Er anders deinem Herzen teuer. Aber bedenke, der Herr bedarf deines Schutzes nie. Er gestattet's dir zwar, ja Er gebietet's dir auch, dass du ein Zeugnis für Ihn ablegst, doch nicht um seinet- sondern um deinetwillen. Du sollst dem Zuge deines Herzens folgen dürfen und offenbar machen, dass Christi Liebe darinnen wohnt, welche die Furcht vor den Menschen überwindet. Und einst wird Christus auch Zeugnis ablegen für dich. Mengst du aber fleischlichen Eifer deinem Zeugnisse bei, ist's nicht mehr bloß der Schmerz, dass man den Edelsten verkennt, den Schönsten verunziert, den Besten verlästert, sondern sündlicher Zorn, der in dir aufwallt, weil die Sache angegriffen wird, die du zu deiner Sache gemacht hast, schlägst du, wie Petrus, mit dem Schwerte drein und verletzt den Widersacher Christi, so ist dem Herrn dein Eifern für Ihn ein Gräuel. Du förderst nicht bloß nicht seine Sache, sondern du hinderst sie, und der Herr muss erst die Wunden wieder heilen, die du geschlagen, soll nicht bleibender Schaden angerichtet werden. Meinst du, du müsstest den sanften Christus mit dem Schilde deines Zornes decken? Bewirkst du dadurch nicht vielmehr, dass seine Feinde, die ohnehin seine Schönheit nicht sehen, dieselbe noch mehr verkennen lernen! Wahrlich, der fleischliche Eifer seiner Freunde hat der Sache des Herrn wohl ebenso viel geschadet, als die Feindschaft seiner Feinde. Und wer kann sich da von Schuld freisprechen? Ach, wenn wir, die wir Freunde Jesu Christi sind, an die Art und Weise denken, wie wir Ihn oft verteidigt haben, so bleibt uns kein andrer Trost, als dass wir bitten dürfen, Er möge die Wunden wieder heilen, die wir geschlagen, und den Schaden wieder gut machen, den wir angerichtet, und der Glaube, dass seine Barmherzigkeit es tun werde. Wollen wir aber Freunde Christi sein und seine Sache fördern und nicht vielmehr schädigen, so müssen wir das Dreinschlagen mit dem Schwerte gänzlich aufgeben, und wenn wir für Ihn in die Schranken treten, so muss durch uns seiner Sanftmut Schönheit ins Licht gestellt werden, welche allein im Stande ist, seine Feinde zu entwaffnen, und, wenn dies überhaupt möglich, sie zu gewinnen. Als Jesus ihnen mit seinem majestätisch sanften: „Ich bins'' entgegentrat, da fielen sie wie betäubt zu seinen Füßen. Als aber Petrus mit dem Schwerte dreingeschlagen, da legten sie Hand an Jesum und banden Ihn. Ach Herr! Binde du doch unsern Zorn, welcher nie tut, was dir wohlgefällig ist, auch dann nicht, wenn wir meinen, dass es heiliger Zorn sei. Du weißt, wir sind zu schwach dazu! (Anton Camillo Bertoldy)