Matthäus 26,21
Andachten
Und da sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Und sie wurden sehr betrübt und huben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: Herr, bin ich's?
Selbst den Johannes schützte seine bevorzugte Stellung an der Brust Jesu nicht vor der Notwendigkeit, zu fragen: „Herr, bin ich's?“ Niemand dachte Schlimmes von ihm, es war auch kein Grund dazu, und doch fragte er wie die andern Jünger: „Herr, bin ich's?“ Gerade die Menschen, die niemals fragen: „Herr, bin ich's?“ hätten es am nötigsten. Wenn du dich einmal mehr als gewöhnlich der Liebe Gottes erfreust, so glaube ja nicht, du seist über die Pflicht der Selbstprüfung erhaben. Wenn du in dir die Frage hörst: „Bin ich wirklich eins von seinen Kindern?“ so unterdrücke sie nicht als etwas Unziemliches. Lege sie dir vor und ruhe nicht, bis du dir selbst eine befriedigende Antwort geben kannst. Manche Christen spotten über solch heilige Unruhe. Aber jeder, der den Herrn liebt, muss sich diese Frage vorlegen, und manchmal treibt ihn gerade die Echtheit und Innigkeit seiner Liebe dazu. Er fühlt so lebhaft, wie groß seine Liebe sein sollte und wie klein sie wirklich ist, dass er sich fragen muss: „Liebe ich den Herrn?“
Nicht der hat die größte Liebe, der viel davon redet. gibt eine gefährliche Sicherheit. Wenn du sprichst: „Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts,“ bist aber in Wirklichkeit arm und bloß und jämmerlich, so ist das ein trauriger Wahn, und das Erwachen wird noch trauriger sein. Aber wenn du sagst: „O, dass ich meinen Erlöser mehr liebte und ihm besser diente! Aber ich liebe ihn. Mein Herz gehört ihm und er liebt mich,“ dann hast du die Frage: „Herr, bin ich's?“ beantwortet und kannst ruhig weiter pilgern. (Charles Haddon Spurgeon)
Da sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch, einer unter euch wird mich verraten. Und sie wurden sehr betrübt und huben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: Herr, bin ichs? Er antwortete und sprach: Der mit der Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. Des Menschen Sohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch wehe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird! Es wäre ihm besser, dass derselbige Mensch noch nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verriet und sprach: Bin ichs, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.
Ach Herr, du wusstest im Voraus von deinen Leiden und kanntest auch deinen Verräter. Ein Seufzer um ihn, den du ansehen musst als das verlorene Kind, fällt von deinem Munde in der Jünger Kreis. Es kann ja nicht anders sein. Dein Leiden, deinen Schmerz müssen die Jünger mitfühlen, mittragen und vielleicht ist die Mahnung an den schwarzen Verrat, der an dir begangen werden soll, ein Weckruf zur Buße, ach der letzte an das Herz des Jüngers, von dem der Verrat geschehen wird. Darum ist das: „Mich hat herzlich verlangt“ kaum über deine Lippen gegangen, da seufzet schon dein Herz: Einer unter euch wird mich verraten! Ach, einer von den Deinen, einer mitten unter deinen Jüngern, denen du nur Liebe erzeigest, ein Verräter und sogar dein Verräter! Die Liebe mit Hass, die Erwählung aus Gnaden mit Verrat vergelten! Wie verderbt ist doch das Menschenherz durch die Sünde in seinem tiefsten Grunde! Das Herz aber, das ich in meinem Busen trage, ist auch kein anderes, kein besseres, ist auch ein solches Menschenherz. Ich kann darum meine Sünde nicht leugnen und meine Missetat. Ach, ich habe dich wohl tausendmal schon verraten. Da ist ja keines deiner heiligen Gebote, das ich nicht übertreten hätte, da ist keine Sündenfreude, nach der ich nicht lüstern gewesen wäre. Dennoch verstößt du mich nicht, sondern sagst mir und allen Menschen Gnade und Vergebung zu. So wir dir unsere Sünden bekennen, willst du treu sein und uns die Sünden vergeben. Darum vergib mir doch meinen Hass und meinen Neid, meine Habsucht und meinen Geiz, meine Hoffart und meine Herrschsucht, meine Wollust und meine Tücke, meinen Stolz und meinen Ungehorsam und was du sonst Unheiliges und Ungöttliches an und in mir findest. Erbarme dich, du mein göttlicher Erbarmer. Erbarme dich über mich und heile mich, du mein himmlischer Arzt. Heile mich von allen meinen Sünden und Gebrechen. Amen. (Carl Gottlieb Just)