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Matthäus 21,19

Matthäus 21,19

Andachten

Und er sah einen Feigenbaum an dem Wege und ging hinzu und fand nichts daran, denn allein Blätter, und sprach zu ihm: Nun wachse auf dir hinfort nimmermehr keine Frucht. Und der Feigenbaum verdorrte alsbald.
Dies ist eine der Stellen, welche man gegen die Sündlosigkeit Jesu anzuführen pflegt. Man sagt, Jesus habe hier durch die Verwünschung des Feigenbaumes in fremdes Eigentum eingegriffen. Allein handelte Jesus als Gesandter Gottes, so ist gegen die Verdorrung des Baumes eben so wenig einzuwenden, als wenn Gott den Baum vom Blitze hätte treffen und verbrennen lassen. Aber auch die Vorstellung, Jesus handle hier wie ein persönlich Gereizter gegen einen leblosen Gegenstand verschwindet, bei der Betrachtung, dass er voll hohen Ernstes eine prophetische Handlung vollzieht, die in bildlicher Darstellung den Untergang des geistig unfruchtbaren jüdischen Volkes verkündigen soll. Man könnte hier höchstens noch einwenden, das Gleichnis treffe nicht ganz, da noch nicht Zeit für Feigen war, wie der Evangelist Marcus hinzufügt. Indes kein einziges Gleichnis trifft in allen seinen einzelnen Zügen mit dem zusammen, was es abbilden soll; es ist genug, wenn es in der Hauptsache zutrifft. Und diese ist hier einerseits, dass auf dem Baume sich zwar eine Fülle von Blättern fand, welche auf Früchte schließen ließ, aber keine Früchte selbst, von denen man hätte satt werden können, und andrerseits, dass gleicherweise das damalige Judentum zwar eine Fülle von scheinbarem Leben besaß, an welchem jedoch Niemand seine Seele wahrhaft sättigen konnte. Hier wie dort war Leben, aber krankhaftes, falsch gerichtetes Leben, und um seinen Jüngern eine eindringliche Warnung vor diesem kraftlosen Scheinleben des damaligen Judentums zu geben, sprach Jesus an dem Feigenbaum das bald sich vollziehende Urteil über dasselbe aus. Noch lebt das Judentum, aber da sein Leben jetzt wie damals ein falsch gerichtetes ist, und der edlen Früchte des Glaubens, der Liebe und der Demut entbehrt, so ist sein Volk zerstreut und sein Gottesdienst vernichtet; und darum ist auch sein Land unter dem Fluche: Kanaans Palmen sind geschwunden, seine Feigenbäume verdorrt, seine Quellen versiegt und das Land ist zur Wüste geworden. Und ein ähnliches Schicksal steht auch dem falschen Christentum bevor, welches nur den Schein der Gottseligkeit hat, dessen Kraft aber verleugnet. Die Taufe ist zwar das Fundament des Heils für diejenigen, welche die Gnadenschätze, in deren Genuss sie durch dieselbe gesetzt werden, ergreifen, und welche durch sie lebendige Glieder des Neuen Bundes werden, aber sie ist kein Zaubermittel, welches uns vor dem Verdorren und Verkommen bewahren könnte, wenn wir den Zügen des Taufgeistes nicht folgen und das gute Gewissen durch den lebendigen tat- und liebekräftigen Glauben an Jesum, den Sohn des lebendigen Gottes, uns nicht zu eigen machen. Wir sind auch Bäume, denen vom himmlischen Gärtner viel Gutes geschehen ist: durch die Taufe sind wir in gutes Land gepflanzt, durch die christliche Zucht in Haus und Leben hat Er uns manches Wassergeschoss abschneiden lassen, um uns zu fruchtbaren Bäumen der Gerechtigkeit zu machen. Was würde Er sagen, wenn Er nun kommt und Frucht auf uns sucht, und findet nichts als Blätter? (Anton Camillo Bertoldy)

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