Psalm 92,13
Andachten
Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf Libanon.
Diese Bäume werden nicht von Menschen gezogen und beschnitten; Palmen und Zedern sind „Bäume des Herrn,“ und seine Sorgfalt ist´s, durch die sie grünen; ebenso ist es mit den Heiligen des Herrn, Er selbst trägt Sorge für sie. Diese Bäume sind immer grün und schön in allen Jahreszeiten. Gläubige sind nicht zuweilen heilig und zuweilen ungöttlich: sie stehen in allen Wettern in der Schönheit des Herrn da. Überall sind diese Bäume bemerkenswert; niemand kann eine Landschaft betrachten, in der Palmen oder Zedern sind, ohne dass seine Aufmerksamkeit sich auf diese königlichen Gewächse richtet. Die Nachfolger Christi werden von allen Beobachtern beobachtet: gleich einer Stadt, die auf einem Berge liegt, können sie nicht verborgen bleiben.
Das Kind Gottes grünt wie ein Palmbaum, der mit all seiner Kraft nach oben strebt in einer aufrechten Säule ohne einen einzigen Zweig. Er ist ein Pfeiler mit einem herrlichen Knauf. Er hat keinen Auswuchs zur Rechten oder zur Linken, sondern sendet seine ganze Kraft himmelwärts und trägt seine Frucht so nahe dem Himmel wie möglich. Herr, erfülle dieses Vorbild in mir!
Die Zeder trotzt allen Stürmen und wächst nahe beim ewigen Schnee, der Herr selbst füllt sie mit einem Saft, der ihr Herz warm und ihre Zweige stark erhält. Herr, lass es so mit mir sein, ich bitte Dich. Amen. (Charles Haddon Spurgeon)
Der Gerechte wird blühen wie ein Palmbaum; er wird wachsen wie eine Zeder auf Libanon.
Während der Gottlose im gleichen Psalme mit dem Grase verglichen wird, das grünt, blüht, aber nirgends Frucht bringt, so ist des Palmbaums schlanker Wuchs und der Zeder mächtige Krone des Gerechten treffendes Bild. Des Palmbaums Standort ist in Sand und Trockenheit der Wüste; aber während er von Hitze umgeben wird, greifen seine Wurzeln tief hinab bis auf verborgene Wasseradern. Aus ihnen zieht er seinen Saft auch bei anhaltendem Sonnenbrand. So gedeiht ein Christ weniger bei äußerer Fülle und bei Wohlergehen. Er bedarf des Gefühls der Fremdlingschaft, damit er Gott schätzen lerne und die Wurzeln seines Glaubens ausstrecke nach den von der Welt verachteten Quellen des Lebenswassers in Wort und Sakrament. Der Gebetsumgang mit Gott bringt ihm den Segen, dass er auch in der Wüste gedeiht. Er hat darum die Schuld vorkommender Mattigkeit und Dürre nicht etwa in seiner Umgebung, sondern in seiner Untreue zu suchen. Wie die Palme sich nicht in die Breite erstreckt, sondern geraden Wuchses in die Höhe strebt, und wie sie dem Wüstensturm sich geschmeidig zu beugen weiß, ohne ihre Richtung nach oben zu verlieren, so ist des Christen Wachstum dem Himmel zu, ohne die Kräfte in Nebendingen zu vergeuden. Willig den berechtigten Ansprüchen seiner Zeit nachgebend, lässt er doch nie das Ziel aus dem Auge, das droben bei Christus ist. Während seine Blätter Zeichen des friedlichen und gesegneten Wachstums sind, trägt er süße und reichliche Frucht der Gerechtigkeit.
Nicht schlank wie die Palme, aber markig wie ein Petrus nach seiner Wiedereinsetzung, wie ein Paulus, der große Apostel, wie ein Luther und ein Calvin ist die Zeder als König unter den Bäumen. Selbständig und charaktervoll durch und durch, ist sie das Bild ewiger Jugend bei Reife des Mannesalters. Ob die Last des Schnees ihre weithin gebreiteten Äste drückt, oder die Sonne sie bescheint, immerdar ist sie grünend und von Wohlgeruch duftend. dass wir der Zeder glichen und alle Verzagtheit und Unsicherheit überwinden könnten! dass wir in Gott gegründet blieben und einen Duft lieblichen Friedens verbreiteten auch in Zeiten winterlicher Stürme! Wie unterschiedlich ist die Eigenart der Palme und der Zeder, und doch sind beide als Bild des Gerechten gezeichnet. Freund, welcher von beiden Bäumen ist schöner? Jeder ist vollendet schön in seiner Art. So modle dich nicht nach einem Menschen, sondern werde das ganz, was Gott aus dir machen will. Lasse aber den körnigen Charakter der Zeder durch die Lieblichkeit der Palme ergänzt und die gefällige Art der Palme durch das Markige der Zeder vor Weichlichkeit bewahret werden.
Mein Gott, lass mich nicht dem Grase gleichen, sondern bilde mich zu dem mir bestimmten Ziele. Gib mir Festigkeit und Liebe zugleich und reiche Freude und lass mein Losungswort allzeit heißen: Himmelan! Amen. (Rudolf Wenger)