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Psalm 84,2

Psalm 84,2

Andachten

Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.
Auf das Heiligtum Gottes ist das Herz des frommen Sängers gerichtet. Er sucht die Gemeinschaft mit Gott mit solcher Sehnsucht, dass er lieber die unterste Stelle in Gottes Haus einnehmen will, als die höchste in der Welt Ehre und Lust. Suchen denn nun auch wir mit demselben Ernst Gottes Haus und Gottes Reich? Wie der Vogel sein Haus und wie die Schwalbe ihr Nest? In dem Bewusstsein, dass wir in der Welt gefährdet sind und keine bleibende Stätte haben, und dass wir darum einen Schatz und eine Heimat im Himmel gewinnen müssen? O dass wir doch die Sorge und Mühe, das Laufen und Rennen, das wir an die Dinge dieser Welt setzen, an Gottes Reich setzten, an unser ewiges Kleinod! Die Dinge dieser Welt zerrinnen uns immer aufs Neue unter der Hand, und betrügen uns alle Tage wieder. Und wenn du sie auch glücklich gefunden, wann könntest du je in ihrem Besitze rufen: Der Vogel hat sein Haus gefunden? O darum trachte nicht länger nach dem, was irdisch ist; sondern nach dem, was droben ist, nach dem Reiche Gottes. Suche danach mit ganzem Ernst, und du wirst es finden. Und dann kannst auch du selig rühmen: Gott, der Herr ist Sonne und Schild. Der Herr gibt Gnade und Ehre; er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt. (Adolf Clemen)


Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Denn der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ihr Nest, da sie Junge hecken, nämlich deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Sela.
Majestätisch war das äußere Ansehen des Tempels, herrlicher aber waren die Gottesdienste. Wenn der Fromme aus Israel davon getrennt ward, so zog es sein Herz mit mächtigem Sehnen zu den lieblichen Wohnungen Gottes hin; und auch wenn er im Geist und in der Wahrheit Gott anbetete, dass er sagen konnte: „Mein Leib und Seele freuen sich in dem Lebendigen Gott!“ so fehlte ihm doch die gemeinschaftliche Feier.

So sollen wir es auch haben. Es wäre eine falsche und gefährliche Geistlichkeit, wenn wir der Wohnungen Gottes nicht mehr zu bedürfen meinten. Der Besuch der Gottesdienste und die Wertschätzung ihrer Ordnungen geben dem Glaubensleben Anregung und Schutz und werden auch dann von Segen sein, wenn manches den eigenen Wünschen nicht völlig entspricht. Gewiss kann ihr Besuch und das bloße Festhalten an ihren Formen das persönliche Leben in Gott nicht ersetzen; gewiss ist vieles vielerorts mangelhaft, aber es heißt zum Mindesten: Verdirb es nicht, es ist ein Segen darin. Und wer im Glauben lebt, soll sein Geistesbrünnlein der ganzen Gemeinde zu gut quillen lassen, dass sie davon Segen hat. Haben in Gott gegründete Christen nicht die Verpflichtung gegenüber den schwächeren Gliedern, sie zu wecken, zu beleben und ihnen eine Stütze zu sein? Absonderung, um von weniger Geförderten ja nicht Schaden zu leiden, ist nicht vom Guten. In hübsch verzäunten Gärtlein wachsen mancherlei Kräuter, aber wer weiß, ob sie trotz des etwas scharfen Geruches alle heilkräftig sind. Engere Gemeinschaft Gleichgesinnter tut not und soll gepflegt werden; solche Kreise sind die Glutherde des göttlichen Feuers, aber nicht nur, um sich selber, sondern auch Kältere damit zu erwärmen. Ists nicht trotz allem Unzureichenden erhebend, wenn der Lobgesang durch die große Kirche dahinbraust, wenn das gemeinsame Sündenbekenntnis gesprochen wird und der einzelne, von der betenden Gemeinde getragen, sein Herz zu Gott erhebt!

Die Kinder Gottes haben es mancherorts nur zu gut. Sie leben in Reichtum, sind verwöhnt und darum wählerisch. Frage aber die auf dem Krankenlager Liegenden und sonst an der Pflege der Gemeinschaft der Gläubigen Verhinderten; frage die in fremde Länder Ausgewanderten oder unter Katholiken lebenden Glaubensgenossen, ob sie nicht, einem Vöglein gleich, nach den Altären Gottes eilen würden und dort Erquickung suchen, wenn sie nur könnten. Darum schätzen wir, was uns geboten wird; wir haben auch dafür Rechenschaft zu geben. Wer nicht mit kritischem, sondern mit einem verlangenden und betenden Sinne kommt, der wird eine Förderung erhalten, so lange wenigstens Gottes Wort gepredigt wird.

Herr, es ist viel übergeistiges Wesen und viel tote Form. Durchdringe in mir persönlich und in unserer Kirche alle bewährten Ordnungen mit deinem Heiligen Geiste und gib allem Glaubenstrieb die rechte Bahn. Gedenke der Kranken und Einsamen, sende ihnen durch deinen Geist und dein Wort und durch christliche Besucher Trost und Förderung; sie bedürfen dessen ja so sehr! Amen. (Rudolf Wenger)


Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr der Heerscharen. Meine Seele sehnt sich und schmachtet nach den Vorhöfen des Herrn rc.
Wieder hat uns deine Güte, o Gott, eine neue Woche erleben lassen und einen Ruhetag geschenkt, der uns für ihre Arbeiten und Sorgen im Voraus stärken und weihen soll. Wie wohl tut uns die feierliche Stille, die uns diesen Morgen umfängt, nachdem der Lärm des Werktagsgetriebes verstummt ist! Wie labend ist für uns die erhöhte Ordnung und Sauberkeit, der wir überall begegnen! Wie erhebend schallt in unser Ohr der helle Glockenklang, der schon in früher Stunde uns zuruft: Empor die Herzen! Ja, trage sie empor, o Herr, empor über die Erde mit ihrer Lust und ihrem Schmerz, über das Alltagsleben mit seinen Sorgen und Zerstreuungen, seinem Rennen und Jagen, seinen Kleinigkeiten und Erbärmlichkeiten, zu dir, Vater des Lichts, und deinen heiligen Höhen, zu dem ewigen Reiche des Geistes und seinen unvergänglichen Gütern! Lass uns abstreifen allen verunreinigenden Erdenstaub, der sich an uns gehängt hat, und in dem wahren Sonntagsschmuck einer empfänglichen Seele uns aufmachen, dir zu dienen! Dir wollen wir dienen mit unsern Gesängen und Betrachtungen an geweihter Festesstätte, inmitten deiner Gemeinde; ja, gern wollen wir wallen zu deinem Hause, so oft es uns vergönnt ist, und nie aus Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit oder falscher Scham demselben fern bleiben. Dir wollen wir aber auch dienen in unserem Hause, indem wir hier von Neuem aller unserer Pflichten gedenken, unseren Lieben die trautesten Stunden dieses Tages weihen, Eintracht und Herzlichkeit aufs Neue durch Wort und Beispiel befestigen. Dir wollen wir dienen auch mit unserem sonstigen Reden und Tun, indem wir leere, lieblose Gespräche auf Kosten fremder Ehre vermeiden und nur reden, was lieblich ist, was wohl lautet, indem wir an Stelle des aufreibenden Tagewerks, von dem uns der Sonntag entbindet, nur jene Werke der Liebe üben, die auch diesem Tage wohl anstehen: Armen helfen, Kranke besuchen, Verlassener uns annehmen, Bekümmerte trösten, Entzweite versöhnen. So gib uns denn zum Wollen durch deine Kraft das Vollbringen, mache uns tüchtig zu all' diesem Gottesdienste! Heilige durch deine Nähe unsere Ruhe, dass sie kein geisttötender Müßiggang werde, sondern eine wahre Erquickung für den Leib und eine heilsame Erhebung für die Seele! Heilige unsere Freude, unsere Geselligkeit, dass sie nicht ausarten in unwürdige Entweihung dieses Tages, sondern unser Herz rein und treu bleibe, unser Gemüt sich labe an allem Schönen und Guten! So möge dieser Tag ein wahrer Sonntag werden für uns und Alle, die ihn feiern, ein Tag voll Licht und Glanz, voll Wärme und Wonne, voll Leben und Liebe für das der Erquickung bedürftige Menschenherz, von dem man mit Recht singt: Dies ist der Tag, den der Herr gemacht, lasst uns uns freuen und fröhlich sein! Amen. (Robert Grubenmann)


Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Herr Zebaoth!
Güter und Segnungen, die du, Kirche des Herrn, mir spendest, wie seid ihr so köstlich und herrlich! Was kann es für mich Edleres und Größeres geben, als Wahrheit, Weisheit, Herzensreinheit, Liebe, Glaube, Hoffnung und Seelenfriede? Welche Güter können an Wert diese übersteigen? Was ist aller irdische Reichtum, der so vergänglich und ungewiss ist, gegen die ewigen Güter des Geistes, die ich im Hause meines Gottes gewinne! Was seid ihr, Schätze der Erde, welche die Motten und der Rost fressen, und wo die Diebe nachgraben und stehlen, gegen die Schätze für den Himmel, welche die Kirche durch ihre heiligen Anstalten, durch ihre Feste und heiligen Tage mich sammeln lässt! Wo aber werdet ihr mir klarer und tretet lebendiger vor meine Seele, ihr himmlischen Güter und Segnungen durch Christum, als jetzt am Schlusse des kirchlichen Jahres, da sich für mich von neuem der Kreislauf der Feste und heiligen Tage vollendet, an denen das ganze Heil meines Erlösers mir dargeboten ward?

O mein Geist, so freue dich deiner himmlischen Berufung und vergiss nicht, was dir der Herr Gutes tut durch die Segnungen der Kirche! Das Haus des Herrn ist es: hier schwingst du dich empor, mein Herz, durch frommen Gesang und Anbetung deines Gottes und Heilandes über die Sorgen des Lebens, über den Kampf der Erde, über die Fesseln der Sinnlichkeit und die Armut des Vergänglichen, Hinfälligen und Niedrigen; hier heiligest du dich, meine Seele, in der Versammlung der Gläubigen an den Flammen der Andacht, ermutigst dich zum Kampfe wider Welt und Sünde und gewinnst neue Kraft zum Unvergänglichen; hier tönst du, Wort des Lebens, mir zur Lehre, zur Ermahnung, zur Warnung und zum Troste. Zu dir, heilige Stätte, kam ich voll Irrtum und Zweifel, und sah mich belehrt und im Glauben bestärkt; der Wahn eigener Weisheit betörte meine Seele, und ich lernte vor den ewigen Schätzen himmlischer Weisheit mich beugen; die Finsternis des Unglaubens verdunkelte meinen Geist, und es ging der helle Morgenstern des höheren Lebens in mir auf. Zu dir kam ich, Haus meines Gottes, und es wich durch die Macht des Geistes der Leichtsinn und das stolze Selbstvertrauen aus meinem Herzen, ich lernte meine Ohnmacht, mein Elend und Verderben empfinden und im Wehegefühl der Reue und Buße Heil und Rettung suchen; zu dir kam ich mühselig und beladen und mit schuldgebeugtem Herzen, und ich lernte im gläubigen Genusse des heiligen Mahles als begnadigtes Gotteskind mich fühlen; ausgerichtet ward meine Seele durch den seligen Trost der Vergebung, inniger ward meine Gemeinschaft mit meinem göttlichen Mittler und Versöhner, ich gewann den seligen Frieden und die Freude im Heiligen Geiste, die höher sind als alles menschliche Glück; neue, freudige Kraft und Begeisterung zum Kampfe wider Welt und Sünde sah ich in mir angeregt. Und wo war ein Leiden, eine Prüfung und ein Ungemach dieser Zeit so schwer und schmerzvoll, für welches du, Wort des Herrn im stillen Heiligtume, mir nicht reichen Trost, Erquickung und Stärkung geboten hättest! Selbst das Drohen des Todes, die Nacht des Grabes und den Schmerz der Trennung überwandest du in meiner Seele durch die Verheißungen des ewigen, seligen Lebens, die mir entgegentönten.

O so seid mir gesegnet, ihr stillen, heiligen Stunden, die ich in diesem Kirchenjahre im Hause Gottes verlebte! Du, o kirchliches Gnadenjahr, Kirche des Herrn, du weihest und heiligest alle Verhältnisse meines menschlichen Daseins. Schon bei meinem Erwachen zum irdischen Leben weihtest du mich für das ewige und himmlische Leben, du stärktest mich am Scheidewege meiner Kindheit und Jugend durch deinen Segensgruß zur weiteren Lebensreise, du drücktest dem schönen Bunde der Liebe und Treue, zu dem ich vor deinem Altare die Hand reichte, das Siegel der Würde und Heiligkeit auf, du reichst mir, wenn ich lebensmüde meinem Ziele entgegengehe, den sichern Stab für die letzten sauren Schritte meines Pilgerlaufes, aus deiner Hand empfange ich einst im bitteren Todeskampfe die Waffe, den letzten Feind zu besiegen, so dass ich sanft und unter seligen Hoffnungen entschlummere.

O Herr, mein Gott, so empfange meinen tiefgerührten Dank für diese hohen, unaussprechlichen Segnungen, die mir der Blick auf das scheidende Kirchenjahr so lebendig vor die Seele stellt! Du hast durch Jesum Christum Deine Kirche auf Erden gegründet, dass sie Deinen Menschenkindern hienieden ein Vorhof des Himmels sei. Dir, dem Vater, der Du mich tüchtig gemacht hast zu dem Erbteil der Heiligen im Lichte, Dir danke ich mit innerster Seele, dass Du mir auch in diesem Jahre wieder in dem Reiche Deines Sohnes für meinen Glauben neue Kraft, für mein Tugendstreben neue Ermutigung und für mein Herz neuen Trost und neue Hoffnung gegeben hast, dass Du mir wieder aufs Neue in Christo, meinem Heilande, die Vergebung der Sünde und den seligen Frieden der Versöhnung und Begnadigung erbarmend gewährtest. Ach, wenn ich Eurer gedenke, unglückliche Brüder, die Ihr in der Finsternis des Heidentums noch fern steht von dem Heile in Christo; wenn ich Eurer gedenke, die Ihr zwar äußerlich dem Herrn angehört, aber in dem Leichtsinne des Herzens das ewige Wort vom Himmel verschmäht, die Gnade des Höchsten verachtet und die heilige Stätte der Anbetung flieht; wenn ich Eurer gedenke, Arme und Leidende, die Ihr, von Alter, Schwachheit und Siechtum gefesselt, Eure Schwelle nicht verlassen konntet und vergebens Euch sehntet nach den Vorhöfen des Herrn und nach den Gottesdiensten, welche die Seele erquicken: o, wie preise ich Dich, mein Gott, in tiefster Rührung meines Herzens, dass Du mich so reich bedacht und so herrlich begnadigt hast, dass 'Du den Hunger und Durst meines sehnenden Herzens gestillt hast! O, solltet ihr je für mich versiegen, ihr Ströme von geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, ihr Ströme voll göttlicher Geistesnahrung und Stärkung, die ihr euch aus der Kirche des Herrn über mich ergießt: wie würde ich verarmen und verschmachten bei allem irdischen Gute, das ich besäße!

Heil mir denn, dass Du, o Gott aller Gnade, die Quellen dieser himmlischen Güter und Segnungen in ewig unversiegbarer Fülle fließen lässt! Herr, ich habe lieb die Stätte Deines Hauses und den Ort, da Deine Ehre wohnt. Lass Deine Kirche sich mehren auf Erden, führe herzu, was fern steht. Lass mich je mehr und mehr Deine Vaterliebe und die herrlichen Segnungen Deines Reiches erkennen, dass ich immer reichlicher erfüllt werde mit allerlei Gottesfülle! Amen. (Gerhard Friederich)

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