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Psalm 80,6

Psalm 80,6

Andachten

Du speisest sie mit Tränenbrot, und tränkest sie mit großen Maß voll Tränen. Du setzest uns unsern Nachbarn zum Zank, und unsre Feinde spotten unsrer. Herr Zebaoth, tröste uns; lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.
Der Herr hat, wie wir aus diesen Klagen sehen, seine Auserwählten allezeit in schwere Leiden und Prüfungen kommen lassen, dass man ihrer spottete, und sie sich in Tränen badeten. Das muss keine Seele irre machen, sondern vielmehr bestärken und trösten. Klage dem Herrn deine Not, wie David, da er von den Philistern ergriffen ward, den Herrn bat, dass er seine Flucht zählen, das ist, auf alle seine Leiden sehen und genaue Aufsicht darüber haben möge; dass er seine Tränen aufbehalte, dass er sie nicht umsonst geweint sein, und vor seinem Angesicht nicht verloren gehen lasse; damit auf die Tränensaat eine Freudenernte folgen möchte durch die Barmherzigkeit des Herrn. So beteten diese alten Glaubenshelden, weil sie fest überzeugt waren, dass Gott alle Tränen zähle, und keine umsonst geweint sei; dass der Herr eine genaue Aufmerksamkeit auf unsre Leiden habe. Und dies ist ein großer Trost, wenn man im Leiden aufblickt zu dem Allsehenden, wenn man gläubig sagen kann: Herr, du siehst mich! Kein Mensch kann den Leidenden recht verstehen, das kann nur der Herr. Der versteht deine Blicke die du zu ihm erhebest. Darum vertraue nicht auf Menschen und suche nicht Menschentrost - suche das Antlitz des Herrn; das allein hilft, tröstet und stärket, versüßet und vergütet alle Leiden. (Johannes Evangelista Gossner)


Du speist sie mit Tränenbrot, und tränkst sie mit großem Maß voll Tränen.
O seliges Weinen! O süßer Wein! O seliges Tränenwasser, wie köstlich bist du! Tränen beten am kräftigsten. Sie fließen zwar die Wangen herab, aber schreien zu Gott im Himmel wider den, der sie herausdringt. Das betrübte Herz quillt die Tränen, wie ein Brunnen das Wasser, und was von Herzen geht, das kommt zu Gott, denn Gott sieht das Herz an. Es ist fürwahr ein großer Trost, wenn du noch in Anfechtungen und Nöten weinen kannst. Denn wie der Leib seine Erquickung an Speise und Trank, so labt sich das traurige Herz an seinen Tränen. - Wenn man recht von Herzen geweint und mit den Tränen die Not in Gottes Schoß geschüttet hat, gibt sich das Herz zufrieden, gleich als wenn es in Hunger und Durst gesättigt und getränkt ist. (H. Müller.)

Predigten

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