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Psalm 77,8

Psalm 77,8

Andachten

Wird denn der Herr ewiglich verstoßen, und keine Gnade mehr erzeigen? Ist's denn ganz und gar aus mit seiner Güte? Und hat die Verheißung ein Ende? Hat denn Gott vergessen, gnädig zu sein, und seine Barmherzigkeit vor Zorn verschlossen? Sela.
Solche Worte zeigen uns, wie nahe an den Rand der Verzweiflung die eigenen Gedanken den Menschen führen können. Ja, so weit kanns kommen, nicht nur mit einem frommen Assaph, sondern auch mit uns. Beklagenswert ist der, der nicht an einen Gott glaubt, aber noch viel beklagenswerter, der Gottes Güte, Verheißung und Barmherzigkeit gekannt hatte und nun glaubt, für ihn sei alles zu Ende, weil Gott sein Herz verschlossen und ihn darum verstoßen und seiner vergessen habe. Was für schwarze Gedanken, was für Satansengel müssen auf die Seele eingedrungen sein! Oder wäre die Verirrung etwa eine Folge anhaltender Missachtung der göttlichen Warnung?

Die Fragen, welche die Seele in ihrer Not aufwirft, sind nur durch Gottes Wort zu beantworten; eigenes Gefühl und Denken gibt unzuverlässigen, oft sogar grundfalschen Bericht. Die Schrift allein bringt Licht. Wenn die Seele fragt: „Wird denn der Herr ewiglich verstoßen?“ was antwortet die Schrift?: „Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser.“ Jes. 54, 8. Wenn die Seele hoffnungslos fragt: „Wird er keine Gnade mehr erzeigen?“ so antwortet der Herr: „Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? und ob sie desselben vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen.“ Jes. 49, 15. Spricht die Seele: „Ist es denn ganz und gar aus mit seiner Güte?“ so steht geschrieben: „Die Gnade aber des Herrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so ihn fürchten.“ Psalm 103, 17. Glaubt sie, die Verheißungen hätten ein Ende, so antwortet der Prophet: „Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu seiner Zeit, ob sie aber verzieht, so harre ihrer, sie wird gewiss kommen und nicht verziehen.“ Habakuk 2, 3. Klagt die Seele, Gott habe vergessen, gnädig zu sein und seine Barmherzigkeit vor Zorn verschlossen, so bezeugt uns die Schrift, dass es nicht also sei, „Gottes Herz ist andern Sinnes, seine Barmherzigkeit ist zu brünstig, dass er nicht tun will nach seinem grimmigen Zorn“ Hosea 11, 8. Darum, angefochtene Seele, glaube dem Worte Gottes und lass es mächtig werden über dir und fasse erst ein klein wenig und bald recht viel Mut und Vertrauen!

Lieber Heiland, heile mein Auge von seiner Blindheit, dass ich die Schrift sehe in deinem Licht. Verzeih mir die Anklagen wider dich und bring mich, verirrtes Kind, wieder heim zu dir, erkenne ich ja, dass du es nur gut meinst und mein Misstrauen keinen Grund hat! Amen. (Rudolf Wenger)

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