Hiob 42,4
Andachten
„Ich will Dich fragen, lehre mich.“
Hiob ist es, der mit dem HErrn da redet. Nach allen Rätseln, in die er durch ungewöhnliche Leiden gekommen war, auch nach den Kundgebungen der Majestät Gottes, durch welche dem Hiob der Eindruck gegeben wurde, dass er sich gedulden müsse, komme über ihn, was wolle, und sei es auch das Unerklärlichste, sagt endlich Hiob zum HErrn: „So erhöre nun, lass mich reden; ich will Dich fragen, lehre mich.“ Er bekenne, setzt er hinzu, dass er unweislich geredet habe, sofern er nämlich so viel Klagen wusste in seinem großen Leid und keinen rechten Halt gefunden hatte, sich zu trösten. Bemerken wir aber, wie es nur Klagen waren, keine Anklagen Gottes, als ob Gott ungerecht gegen ihn gewesen wäre, und er nun von der Gottesfurcht zu lassen das Recht hätte. Immerhin war er Gott treu geblieben.
Jetzt aber will er den HErrn fragen, von Ihm belehrt sein. Den Verkehr mit dem HErrn sieht er offen vor sich. Da will er sich gern schuldigen und Buße tun im Sack und in der Asche, wenn er nur jetzt den HErrn vernehmen kann, der sich ihm bezeigen will. Gewissen Glaubenshelden mag es in der alten Zeit oft begegnet sein, dass ihnen, wenn sie in große Tiefen geführt worden waren, der HErr persönlich, was wir uns durch den Engel des HErrn vermittelt denken müssen, sich näherte, freundlich mit ihnen redend und sie belehrend. Ein Wichtiges ist es, dass so mehr und mehr vom HErrn Eröffnungen gemacht worden sind über Manches, das man im Anfang nicht verstehen konnte. Wenn Hiob jetzt gefragt hat und Lehren bekam, so ist's wohl das, dass ihm der ganze Anlass zu seiner Prüfung eröffnet wurde, wie namentlich in Folge einer Beschuldigung von Seiten des Widersachers, des Verklägers, die Probe habe müssen gemacht werden, ob Hiobs Frömmigkeit, die der HErr anerkennen wollte, wirklich fest sei. Der HErr hatte Recht behalten, sofern Hiob sich bewährte; und darum tut Er dem Hiob ein Übriges, wie wenn Er es ihm Dank wissen wollte, gerade wie JEsu die Engel dienten nach der Versuchung. So mag Er dem Hiob jetzt die ganze Geschichte eröffnet haben, die wir ja sonst gar nicht wüssten; und mit ihr ist uns ein Wichtiges eröffnet, das uns tausend rätselhafte Dinge erklärt. Es ist ein Schlüssel von unberechenbarem Werte besonders für die, die als Vorkämpfer immer wieder ins Prüfungsfeuer kommen. Wie dienlich kann derselbe uns noch werden in den letzten Kämpfen! Wir dürfen uns auch nicht mehr darüber wundern, dass nicht zu allen Zeiten gleiches Verständnis über die satanische Welt vorhanden war. Alles tiefere Verständnis, welches die Schrift gibt, beruht auf Eröffnungen, welche Gott starken Glaubensmännern in Folge großer Bewährungen gegeben hat, ob es nun besonders angezeigt ist, oder nicht; und so kam Alles nur nach und nach.
Eine große Gnade ist es, dass sich Gott von Zeit zu Zeit von einzelnen Bewährten fragen ließ. Wie viel empfing so ein Abraham, ein Mose, ein Samuel, ein Daniel, wie viel die Propheten überhaupt! Im Neuen Bunde ist es der HErr, den man fragen konnte als einen Bruder. Auch die Apostel durften fernerhin noch fragen, wie die Briefe Pauli bezeugen, der manches Licht, sicher erst auf gemachte Fragen, erhielt, wie über das heilige Abendmahl, über die Auferstehung, über die Verwandlung der Lebenden bei der Zukunft Christi und Anderes. Beachten wir denn die Antworten, Bezeigungen und Eröffnungen, wie sie in immer reicherer Fülle die Heilige Schrift uns gibt, und halten wir uns daran. Ihre Beachtung hilft mit, um sicher bis zum Ziele durchzukommen. (Christoph Blumhardt)