Hiob 36,5
Andachten
Gott verschmähet Keinen.
Bist du vielleicht arm und gering? Ist dein Äußeres unangenehm? Hast du wenig gaben? Mit einem Wort, bist du von den Vorzügen ganz entblößt, auf welche die Menschen sehen? Hast du durch deine Aufführung verdient, als der Auswurf der Gesellschaft angesehen zu werden? Bist du eines von den Geschöpfen, welche die Welt kaum eines Blickes würdigt? Nun wohlan, lass dich doch nicht mutlos machen durch die Gleichgültigkeit oder Verachtung der Menschen; für dich gibt es noch einen Gott im Himmel, der das in Seiner Liebe ansehen und mit Erbarmen aufnehmen kann, was die Welt von sich stößt. Wenn du auch wie verloren scheinst in der Menge, wenn man dich kaum mitzählt in der Welt, die nur auf den Schein sieht, so hast du doch keine Ursache, zu glauben, dass dich der Herr verachte und verwerfe. In deiner Armut und Niedrigkeit hast du dem Herrn noch ein Herz zu geben, ein Herz, das in Seinen Augen mehr Wert hat, als die ganze Welt; ein Herz, das Ihm vielleicht schon angehört und in dem Er nicht verschmähen wird, Wohnung zu machen.
Fasse also Mut, armes, gebrechliches und von der Welt verachtetes Geschöpf! Denke an Lazarus! Er lag elend, mit Geschwüren bedeckt, vor des Reichen Tür und mochte wohl Denen lästig werden, deren Blick auf ihn fiel. Hunde, die seine Geschwüre leckten, waren seine einzigen Freunde und Gesellschafter. Welch elende Kreatur, dem Scheine nach! Welch trauriges Loos, dem Scheine nach! Aber in der Wirklichkeit, wie ganz anders! Wie reich an wahren Reichtümern war dieser Arme! Gott, der aufs Herz sieht, hatte ihn in Seiner Barmherzigkeit angesehen und hatte ihn angenommen zu seinem Kinde. Bald starb der Arme und „ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß.“ Wie war da Alles anders für ihn! Er hatte in seinem Leben Böses empfangen und wurde nun getröstet. Fasset also Mut, wir wiederholen es euch, ihr Geringsten und Verachtetsten vor der Welt; gehet ohne Furcht zu Jesu, dem „Allerverachtetsten und Unwertesten der Menschen.“ (Jes. 53.) (Auguste Rochat)