Hiob 15,14
Andachten
„Was ist der Mensch, dass er sollte rein sein, und dass der sollte gerecht sein, der vom Weibe geboren ist? Siehe, unter Seinen Heiligen ist keiner ohne Tadel, und die Himmel sind nicht rein vor Ihm.“
Das ist keine göttliche Sprache, sondern einer von den scheinenden Sprüchen der Freunde Hiobs, die überfromm sind. Es ist keine edle Sprache, wenn man sich und alle, auch die Frömmsten und Heiligsten, so wegwirft. Es bringt das zwei Fehler mit sich: Einmal wird man gleichgültig gegen seine eignen Fehler, dass man denkt: „Es ist ja keiner ohne Tadel, dann macht's auch bei mir nicht so viel aus.“ So gibt's Leute, denen ist's ein außerordentlicher Trost, dass ein David gesündigt hat. Der andere Fehler, den's bringt, ist der, dass man auch bei anderen voraussetzt, sie werden ihre Sächlein haben, um deren willen man sie hin könnte. Hiob z. B. ist sich keiner Sünde bewusst, ob der man ihn tadeln könnte. Jetzt sagen die Freunde: „Weißt du nicht, dass kein Frommer ohne Tadel ist? und du willst ohne Tadel sein!“ Da lassen sie ihn merken, es werde wohl allerlei bei ihm im Verborgenen stecken und er werde nicht so fromm sein, als er tut. Wir sollen eben nicht frommer sein wollen, als Gott will. Wenn einmal Gott von Einem sagt: „Er ist rein“, wie von Hiob (s. Hiob 1, 8), so sollen wir nicht sagen: „Es ist Keiner rein.“ Es liegt auch wieder ein Tadel gegen Gott darin, als ob der's nicht zu Stande brächte, dass Einer rein sei, namentlich wenn ich's gar von den Engeln und den Himmeln sage, sie seien nicht rein. Mit Letzterem ist eigentlich gesagt, dass Gott auch nicht rein ist. Dies für heute zur Vorsicht, dass wir solche scheinbar fromme Reden uns weder zu falscher Beruhigung dienen lassen, noch zu Geringschätzung gegen solche, die Gott selbst wert schätzt. (Christoph Blumhardt)
„Was ist der Mensch, dass er sollte rein sein, und dass der sollte gerecht sein, der vom Weibe geboren ist? Siehe, unter Seinen Heiligen ist keiner ohne Tadel, und die Himmel sind nicht rein vor Ihm.“
Im Gegensatz zu diesem Spruch des unlauteren Eliphas ist vielmehr gerade das das Schöne, dass ein Mensch jetzt auch ohne Tadel sein kann vor Gott, selbst wenn er Schwachheiten hat, und dran denken muss, dies und das abzulegen. Denn Tadel von Seiten Gottes ist was Schweres. So lang das noch da ist, müssen wir den Kopf hängen. Wie schwer wiegt doch jeder Tadel von Seiten des HErrn in den Sendschreiben an die Gemeinen in der Offenbarung Johannis! Auch in unsrer armen Zeit ist eine Möglichkeit vorhanden, untadelhaft zu sein. Man muss nur nicht so in übergroßer Demut an sich herumstupfen, dass man kaum schnaufen kann. Das ist nicht nach dem Sinn unseres Gottes. Gott hat eben doch einen Henoch, einen Abraham, einen Mose, einen Elia, einen Hiob gelobt, und hat nicht zu verstehen gegeben, dass sie Ihm nur halb recht seien; sie haben Ihm gegolten, und zwar ganz. Wenn nur unser innerer Mensch nicht wider Gott steht und wir alles, auch das Kleinste, das vom alten Menschen da ist, abzutun bemüht sind, so kann's bis zur Untadelhaftigkeit hinreichen. Die ungeschickten Sachen gelten alle vor Gott nichts mehr, sobald der innere Mensch sauber und lauter bleibt; und der kann's, wenn man nur JEsum lieb hat, am Ende auch mit einer gewissen Leichtigkeit. Wir sollten nur nicht so auf die Äußerlichkeiten sehen, sondern eben darauf, dass der innere Mensch tadellos bleibt. Das können wir zuwege bringen durch Gottes Wort, das uns reinigt, und den heil. Geist, und künftig noch mehr, wenn einmal die Kräfte von Oben wieder völliger da sind. (Christoph Blumhardt)