2. Mose 20,9
Andachten
Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken, aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HErrn deines Gottes, da sollst du kein Werk tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist.
Gott hat sich den Sonntag schon so oft erleben lassen. Wie ist es dir nun zu Mut und wie muss es dir zu Mut werden, wenn du in der Stille der Sache nachdenkst und dich vor Gottes heiligem Angesicht fragst: ob du auch den Tag des HErrn lauter zu seiner Ehre und zu deinem Seelenheil angewendet hast? ob du in der Kirche, wenn du darein gekommen, mit gehöriger Andacht gebetet und gesungen, mit heiliger Begierde dem Wort Gottes zugehört, das Liebesmahl Jesu Christi öfters und wie sichs gebührt mit ernstlicher Zubereitung durch Buße und Glauben empfangen oder ob du dies alles sträflich unterlassen, mit eitlen Absichten zur Kirche gegangen, mit fremden Gedanken das Gebet und den Gesang entheiligt, die Kraft des gepredigten Worts an deinem Herzen durch Unachtsamkeit und Zerstreuung, durch Schwätzen und Schlafen gehindert, das heilige Abendmahl entweder gar versäumt oder dasselbe nur um des Brauchs willen ohne Buße und Andacht und ohne erfolgende Besserung genossen hast? ob du dem gehörten Wort auch zu Haus nachgedacht, es mit den Deinigen wiederholt, die Bibel oder ein anderes gutes Buch zur Hand genommen und dich darinnen erbaut oder vornehmlich für deinen Leib gesorgt, allerhand Mutwillen getrieben und anderen gestattet und deine geistliche Ruhe und Besorgung darüber unverantwortlich versäumt hast?
Soviel über das dritte Gebot und über die erste Tafel überhaupt. Wie groß ist aber unser Sündenregister angewachsen, wenn wir uns nur nach den ersten drei Geboten prüfen! Wie viel verdammliche Abweichungen sind uns schon vor Augen gekommen, derer nicht zu gedenken, die wir nicht einmal erkennen, die aber Gottes helle Augen an uns wahrnehmen! Ja Ursache genug, unter dieser unseligen Last zu seufzen und zu klagen:
Wo soll ich fliehen hin, Weil ich beschweret bin Mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme, Mein' Angst sie nicht wegnähme. (Ludwig Hofacker)