Zuletzt angesehen: Hebräer 13,14

Hebräer 13,14

Hebräer 13,14

Andachten

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zukünftige.
Von Abraham lesen wir: Er wartete auf die Stadt, welche die Grundfesten hat, deren Erbauer und Schöpfer Gott ist. Hebräer 11, 10. Diesen Sinn will der Heilige Geist auch in uns wirken. Paulus ruft den Galatern zu: Das Jerusalem, das droben, ist die Freie, die unser aller Mutter ist. Gal. 4, 26. Die himmlische Stadt, das neue Jerusalem, ist die Heimat der aus Gott Geborenen. Dort wartet ihrer der Herr, Ihn dürfen sie dort schauen, wie Er ist. Und die neue Natur bringt es mit sich, dass in allen, die nicht mehr im Fleische leben, sondern im Geiste, ein starkes Verlangen durchbricht, bald in der heiligen Gottesstadt anlangen und beim Herrn sein zu dürfen. „Wir suchen die zukünftige Stadt.“ Ist das so bei uns? Zielbewusst reisen wir. Wir wollen ja endlich heimkommen. Je älter ich werde, desto ernster denke ich an das schöne Ziel. Werde ich aus den Toten heraus auferstehen, einen Leib der Herrlichkeit anziehen, der dem Leibe Christi ähnlich ist? Es herrscht auch in christlichen Kreisen viel Leichtsinn; oft sieht's aus, als ob die Gläubigen nur so sterben und sofort in den Himmel eingehen könnten. Die Auferstehung und das Kommen des Herrn treten zurück. Kinder aber und nur sie spüren den Trieb von oben nach oben! Sei bekümmert um das ewige Wohl des inneren Menschen, bald legst du den äußeren ab, du musst davoneilen. Kennst du die Sorge um den Eingang ins obere Jerusalem? Ziehe Jesus an, werde Ihm ähnlich! Ohne Ihn gibt es keinen Eingang ins ewige Leben. Zieht es dich hin zu Ihm? O, Er verlangt nach dir, bis Er dich zu sich ziehe. (Markus Hauser)


Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Die Juden des Alten Testaments gingen alljährlich zum Osterfest hinauf nach Jerusalem. Auch unser ganzes Leben ist ein oft mühsames Hinaufgehen nach Jerusalem, der hoch gebauten Stadt. Wohl wird diese unsere Wallfahrt durch manche Station unterbrochen, aber ein langes Verweilen gibts auf Erden nicht, denn wir haben hier keine bleibende Stadt! Aber eben darum tut es not, dass wir die „zukünftige“ suchen, damit der Heiland uns vor der bösen Zeit bergen könne in Seiner Hütte! Ach! und vielfach versäumen wir es aus unverzeihlichem Leichtsinn und sträflicher Trägheit dennoch, diese Herberge der Gerechtigkeit zu suchen, und wenn wir uns dann endlich auf den Weg machen, ist die Gnadenzeit vielleicht schon vorbei und die Tür zum Vaterhause für immer geschlossen. Denn wer nicht sucht, findet auch nicht. Der barmherzige HErr hat uns eine Tür aufgetan, und wenn wir sie suchen, wird niemand sie zuschließen, bis wir sie gefunden haben und eingelaufen sind in den seligen Friedenshafen. Darum wollen wir „eilen, wie Verlobte pflegen, ihrem Bräutigam entgegen, damit wir unsere ewige Heimat finden, ehe eine große Kluft zwischen Ihm und uns befestigt wird. Dazu helfe Er uns selbst, um Seines unschuldigen Leidens und Sterbens willen! „Wie wird's sein, Wie wird's sein, wenn ich zieh in Salem ein, in die Stadt der goldnen Gassen, HErr, mein Gott, ich kann's nicht fassen, was das wird für Wonne sein!“ Amen. (unbekannt)


Alle Bedürfnisse des Herzens geben auf etwas Kommendes und Zukünftiges. Der Mensch lebt nicht von dem, was er hat, sondern von dem, was vor ihm liegt.

Alle Güter, die wir in Händen haben, lassen nach einiger Zeit uns leer, und das Herz steckt sich neue Ziele, und belebt sich durch neue Hoffnungen. Und doch nicht in einem Vielerlei liegt unsere Ruhe und unsere Befriedigung; alle Güter liegen in einem Gut, wie alle Strahlen der Sonne in einem Glutball zusammenfließen. Auch in der schönsten Gegend, in dem lieblichsten Familienkreise ist das unruhige Herz heimatlos, und wenn das tiefe Sehnen in uns zur Sprache kommt, so sagt es uns: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Alles irdische Bleibenwollen und Festhalten, auch wenn es uns gestattet würde, wäre doch nicht Leben und volle Genüge. Der Herr ist mein Gut und mein Teil, sagt David, und er erhält mir mein Erbteil. Vertrauen wir auf kein anderes Gut, denn die einem andern nach eilen, werden viel Herzeleid haben. In Christo Jesu gibt sich uns die Fülle der Gottheit persönlich, und wer ihn haben will, kann ihn haben frei und umsonst; je ärmer man kommt, je besser. Und wer Ihn hat, der hat auch die Heimat, und fühlt sich zu Hause in jedem Winkel der Erde. In der Gewissheit: Er ist mein, und ich bin sein, liegt auch die Zusicherung: Du bist nicht mehr ein Gast und ein Fremdling, sondern eingebürgert in der Stadt, die einen ewigen Grund hat, und Gottes Hausgenosse. Lass dann zerrinnen deine irdischen Hoffnungen, eine bleibt dir, die lebendige, und in der hast du jetzt schon das Angeld deines unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbteils. (Johann Friedrich Lobstein)


Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Zu derjenigen Zeit, da Paulus den Brief an die Hebräer, oder an die Christen von jüdischer Abstammung schrieb, waren die Juden eine sehr zahlreiche und mächtige Nation, die bei den römischen Kaisern und ihren Landpflegern oft Vieles vermochte. Ihre Religion war allenthalben privilegiert, und durfte frei geübt werden. Sie hatten sich in sehr vielen Ländern unter den Heiden angebaut, wo sie sicher wohnten, hatten aber auch ihr eigenes fruchtbares Land inne, und in demselben viele Städte und Dörfer, insonderheit aber das sehr feste, große und schöne Jerusalem, und in demselben einen prächtigen Tempel, der seines Gleichen in der Welt nicht hatte. In der Vergleichung mit ihnen waren die Christen ein armes und geringes Volk, von Juden und Heiden verachtet, nirgends privilegiert, und überall gehasst. Sie konnten mit nichts, das scheinbar und ansehnlich wäre, prangen, mussten den Raub ihrer Güter erdulden (Hebr. 10,34.), und sich zuweilen auch das Leben nehmen lassen. Bei diesem Zustand standen hebräische Christen, oder Christen von der jüdischen Nation, in der Versuchung, wieder nach dem Judentum, das sie verlassen hatten, zurückzusehen und zurückzukehren, weil sie da ihren Namen, ihre Güter und ihr Leben wieder sicher stellen konnten, und Paulus stand wegen der Hebräer, an die er schrieb, in der Sorge, sie möchten solches tun, weil sie ohnehin schwach und lässig waren, und warnte sie deswegen zweimal vor einem solchen Rückfall, welcher mit der schrecklichsten Lästerung Jesu und Schmähung Seines Geistes verbunden gewesen wäre, Hebr. 6,4. und ff. und 10,26. ff. Er erinnert sie auch in dieser Absicht Hebr. 13,12., dass Jesus außer dem Lager Israels gelitten habe, das ist, dass Er von dem Judenvolk ausgestoßen, den Heiden übergeben, und als ob Er ein Verbannter gewesen wäre, außer der Stadt Jerusalem an einem unreinen Ort nach den heidnischen Rechten gekreuzigt worden sei. So lasst uns nun, setzt er hinzu, zu Ihm hinausgehen außer dem Lager, das ist, von dem ungläubigen Judentum uns absondern und abgesondert bleiben, und Seine Schmach tragen; denn wenn wir auch unser Glück bei dem Judentum machen wollten, so wäre es doch nichts Beständiges, und wenn wir sichere Wohnungen unter den Juden mit Verleugnung des christlichen Glaubens suchen wollten, so wären sie doch keine bleibende Stadt. Wir suchen aber eine zukünftige Stadt, die bleibend ist, nämlich das neue Jerusalem. Da wird das Israel Gottes wohnen; da werden wir wegen unserer Güter, wegen unsers Namens, ja wegen unsers Lebens, wenn es uns gewaltsam entrissen worden, schadlos gehalten, ja überschwänglich getröstet werden. Uns wird jetzt das Judentum zu keiner Versuchung; hingegen versucht uns die Welt, die allenthalben auch unter den Christen im Argen liegt. Das finstere Herz kann denken, und der Teufel kann einraunen: siehe, da und dort könntest du dein Glück machen, Ehre und Güter sammeln, und dir eine bequeme Stätte bereiten, wenn du dich der Welt gleich stelltest, und die Mittel brauchtest, welche sie braucht. Gegen diese Versuchung waffne und tröste sich ein Jeder mit diesen Worten Pauli. (Magnus Friedrich Roos)


Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir.
Man redet so viel von den Freuden dieser Erde. Nun Gott hat auf eines jeden Menschen Lebensgang auch Zeiten der Erquickung verordnet, aber wie kurz sind sie! wie unbeständig! Kaum will man sich niedersetzen und ausruhen, so wird man aufgejagt und aufgestört, es ist ein Kampfleben. In der Sprache der Himmlischen heißt diese Erde der Ort der großen Trübsal, und das ist sie auch. Armes Volk, was hast du, wenn du nur diese Erde hast? - Es haben auch schon manche Wollüstlinge der alten und der neuen Zeit diese Welt für ein Paradies ausgegeben. Das mag angehen, wenn man sich satt gegessen und getrunken hat, es mag angehen, wenn man sich um die Mitbrüder nichts bekümmert, die neben Einem leiden, es mag angehen, wenn man den Bauch zum Gott hat und dahinlebt wie ein Vieh, ein gelehrtes oder aufgeklärtes Vieh, das keine Hoffnung hat, es mag angehen, wenn man irdisch gesinnt ist, wiewohl man auch dann zuweilen vielleicht den Fluch der Erde und der Menschheit fühlen muss. Aber wes ist alsdann das Bild und die Überschrift? des Teufels. Und was ist das Ende? „welcher Ende ist die Verdammnis;“ man muss hinfahren als ein finsterer Geist; das ist der elende Traum, die elende Phantasie des Erdenparadieses. Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel. Es ist der Christen Vorrecht, dass sie ihr Vaterland im Himmel haben, dass sie dem Vergänglichen nicht dienen müssen, dass sie, wo Andere verzagen, ihr Haupt emporheben dürfen, weil ihre Erlösung naht. In diesem Glauben sind denn auch alle Gläubigen durch das Jammertal gegangen; in einem himmlischen königlichen Sinn und Geist haben sie die notwendigen Lebenslasten übernommen und sind darunter gegangen, und haben ihr Vertrauen auf den Vater und das Vaterland gestellt. In diesem königlichen Geist haben die Hebräer den Raub ihrer Güter mit Freuden erduldet, haben die ersten Christen ihr Leben nicht lieb gehabt bis in den Tod, sondern auf das Erbe gesehen, das bereitet ist von Anbeginn der Welt, hat Dr. Luther gesungen: „nehmen sie uns den Leib, Ehr', Kind, Gut und Weib, lass fahren dahin, sie haben‘s kein Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben.“

Aber was sind wir für Weichlinge. Wir wollen Christen sein und sind so voll irdischer Rücksichten, voll Geizes, Ehrsucht, Weltliebe! Reimt sich das auch zusammen? Sind wir nicht eher Leute, die der Apostel nennen würde Feinde des Kreuzes Christi? (Ludwig Hofacker)


Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Möchte auch jemand gerne bleiben wollen, so muss er doch einmal von dem reißenden Strom der Zeit ergriffen - mit fort, und ist kein Aufhalten. Zwar wird dies wenig beherzigt, es ist aber so. Du machst Plane auf lange hinaus, deine Wünsche, deine Begierden, deine Bestrebungen klammern sich an das, was da ist. Aber es ist nur Durchgang, und der verdient deine ganze Aufmerksamkeit nicht. Besinne sich aber Jeder gründlich darüber und benehme sich als ein solcher, der hinwegeilet, damit er sich mit demjenigen versehe, was Not tut: und dasjenige, was Not tut, besteht darin, dass man durch die enge Pforte eingehe. Dies ist die Pforte der Buße, das ist, einer wahrhaft gründlichen und gänzlichen Sinnesänderung, welche mit jedem vorgehen muss, dem dies Erdenleben ein glücklicher Durchgang sein soll. Dein natürlicher Zustand mag dir vollkommen recht erscheinen; er taugt aber zum Seligwerden nicht; dann musst du in einen Stand versetzt werden, der dir noch unbekannt ist, den Christus den schmalen Weg nennt, der zum Leben führt, und welchen, nach seiner eignen Aussage, wenige finden. Es ist wahr, niemand kann sich selbst in diesen Stand versetzen, sogar ist es wahr, dass Viele danach trachten, wie sie mögen hinein kommen, und werden es doch nicht tun können. Halte dich aber für desto unseliger, und sehne dich desto inbrünstiger danach, dass der Herr so barmherzig sei, das Wollen und Vollbringen selbst in dir zu schaffen. (Gottfried Daniel Krummacher)


Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir.
Noch einmal schwinge Dich freudig auf, mein Geist, zu der heiligen stillen Höhe des Ölbergs, zu jener heiligen stillen Höhe, wo die Pforten des himmlischen Vaterhauses sich vor Dir öffnen, von wo aus Du ahnend hinabblickst in die seligen Täler des wahren Heimatlandes. Siehe, dort liegt, von den freundlichen Strahlen der Abendsonne beleuchtet, das liebliche Bethanien, in dem der Herr so manchen freundlichen Feierabend hielt, und dort liegt, von dem letzten Strahle der untergehenden Sonne vergoldet, seine Grabesstätte, aus der er an jenem ersten heiligen Ostermorgen siegreich hervorging. Wie nahe liegt mir eine Vergleichung jenes heiligen Ortes mit dieser Stätte seiner Himmelfahrt. Dort begann sein Triumph, hier ward er vollendet. Dort nahm er dem Tode seine Macht, hier legte er mir den Himmel und seine Seligkeit in das Herz. Dort erweckte er uns vom Sünden- und Todesschlafe, hier besiegelte er in uns die Gewissheit, dass unser „Wandel ein Wandel im Himmel sei.“

Ja unser Wandel ist im Himmel.

Wie nahe legt mir des heutigen Festes-Feier diesen Gedanken. Dass wir hier keine bleibende Stätte haben, davon überzeugt mich schon ein flüchtiger Blick in die Natur und ins Menschenleben. Das frische Grün des Frühlings, mit dem sich jetzt Wald und Flur so herrlich wieder schmücken, - nach wenigen Monden ist es verschwunden. Die Blumen des Feldes, die mit ihrer Farbenpracht aufs Neue uns erfreuen, - nach wenigen Wochen welken sie dahin. Und auch der Mensch ist in seinem Leben wie Gras und wie des Grases Blume und wenn der Wind darüber gehet so welket sie dahin und ihre Stätte kennet man nicht mehr.

Darum sei mir freundlich willkommen, Du erhebendes Trostwort des heutigen Festes, dass ich die zukünftige Heimat zu suchen berufen bin, dass auch mein Wandel ein Wandel zum Himmel ist.

In einem feinen guten Herzen will ich es bewahren als mein teuerstes Kleinod. In mir, um mich, über mir finde ich die herrlichste Bestätigung Deiner Wahrheit. In gläubiger Begeisterung blicke ich auf zu dem unermesslichen Sternenheere, das so lieblich und bedeutungsvoll auf mich herniederschimmert. Wie lebendig lässt es mich die Unermesslichkeit der Welten ahnen, auf denen die Plane des Allvaters in ewiger Stufenfolge ihre Erfüllung finden sollen. Voll heiligen Ernstes beobachte ich in mir das rege Streben und Verlangen nach hellerer Wahrheit, nach vollkommenerer Tugend. Wie deutlich weist es mich hin auf einen Schauplatz, auf dem es Befriedigung suchen und finden soll. Voll stiller Rührung merke ich auf meines Herzens stilles Sehnen, wenn ich meiner Entschlafenen gedenke, oder des Lebens Bürde mich stärker drückt. Wird es mir nicht zum lauten Zeugnis für die Himmelshoffnung, die des heutigen Festes-Feier mir so nahe legt! Ja mein Wandel führt zum Himmel: dort finde ich meine wahre Heimat. Von diesem Glauben begeistert, will ich mutig weiter schreiten auf meiner Pilgerbahn und den heiligen Entschluss fassen, mich immer mehr und mehr frei zu machen von den Banden des Irdischen. Je näher mich die Jahre dem Ziele führen, desto entschiedener will ich von mir werfen, was der Fremde gehört. Was soll ich mit dem Tande dort, wo nur das Vollkommene gilt: Ich habe hier keine bleibende Stätte, jede Minute bringt mich der zukünftigen näher. (Gerhard Friederich)


“Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir.
Die Erde gleicht oft einem Paradiese. Wenn im Frühling die Natur erwacht und Alles im Blütenschmucke prangt; wenn in einem gesegneten Herbst Berg und Tal ihre Früchte spenden und alle Geschöpfe Gottes sich des Segens freuen: schwellt da nicht mitunter paradiesische Lust unser Herz? Oder auch im Menschenleben, in einer Familie, wo sie glücklich und friedlich zusammen leben, in einem gesegneten Wirkungskreis, in welchem man durch die Neigung des Herzens und durch frohes Gelingen täglich fester eingewurzelt wird, an einem großen, schönen Volksfest, wo Alles einig und fröhlich beisammen ist, gehoben durch das Gefühl der Gemeinschaft und der reichen Gottesgnade: o, da ist es eine Lust zu leben, und so heiter und sonnig blickt die Erde uns an.

Aber diese Erde ist doch kein Paradies, es fehlt nicht an Erinnerungen, dass wir noch im Staube wandeln. Bilder des Elends entrollen sich vor unsern Augen, unter den Blumen und Früchten kriecht lauernd die Schlange, betört des Menschen Herz, nach dem Verbotenen zu greifen, und wenn er es getan, erkennt er in später Reue den Irrtum; innere und äußere Zerrüttung des Lebens, Gewissensbisse und Angst, Elend und Schmach, Krankheit und Tod sind immer wieder sein Loos. Ja, der Tod! Ein Schleier der Wehmut liegt über die Erde gebreitet auch dann, wenn sie dem Paradiesesgarten gleicht: es ist der Eindruck der Vergänglichkeit. Sie ist doch nur ein weites, großes Grab, das alles Leben immer wieder in die Nacht hinunterzieht. Sie lässt stets von Neuem ein junges Leben in tausend fröhlichen Gestalten erblühen, doch nur, um es nach Kurzem wieder mit den kalten Armen des Todes zu umschlingen.

Nein die Erde ist doch kein Paradies, und es lebt ein mächtiges Sehnen in der Menschenbrust nach einem Land der Seligen, nach einem Reich, in welchem der Tod nicht mehr ist, in welchem Leid und Geschrei und Schmerzen nicht mehr sind, in welchem alle Tränen abgewischt werden von unsern Augen. Es lebt ein tiefes, starkes Sehnen in der Menschenbrust, das nicht gestillt wird durch den Trost, dass schon auf Erden Manches geheilt und gebessert wird, und dass die Menschheit langsam vorwärts schreitet, dem Lichte, der Freiheit, dem Reich der Vollendung entgegen. O nein, es ist ein solches Sehnen, das noch selber und persönlich schauen möchte die Vollendung dessen, was wir hier unvollkommen geschaut, die Verwirklichung dessen, was wir hier hoffend und strebend in unserm Herzen gehegt. Dieses mächtige Sehnen, es hat seinen Ausdruck gefunden im Glauben aller Zeiten und Völker. Die Edelsten und Besten, die Lehrer und Führer der Menschheit, sie haben diesen Glauben in ihrem Herzen getragen und ihn in begeisterter Rede der Menge verkündigt. Unser Herr und Meister selber hat ihn im Herzen getragen und ihn vor seinem Hingang zum Vater seinen Jüngern verkündigt: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, und wenn ich hingegangen bin, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid. Man hat es wohl schon versucht, den Menschen diesen Trost, diesen Glauben aus dem Herzen zu reißen; man hat es versucht, ihn weg zu spotten durch den Hinweis auf den Augenschein der Vernichtung; man hat es versucht, ihn weg zu disputieren mit den Gründen der Weltweisheit, der Forschung und des strengen Gedankens; es hat schon edle Menschen und Christen gegeben, die dieses Trostes entraten konnten, die sich reich fühlten durch die Gnade Gottes schon in diesem Leben, und ihre Befriedigung schon darin fanden, ihre Pflichten treu zu erfüllen für diese Zeit. Doch mächtiger als der Wiz der Spötter, ja mächtiger, als die strenge Gedankenfolge und als die Fähigkeit edler Naturen, ihr Dasein zu begraben in dem Willen Gottes, mächtiger als Alles das ist das Bedürfnis der Menschennatur, ist jene tiefe, starke Sehnsucht in der Menschenbrust. Es ist wahr, wir können von der ewigen Heimat nur in Bildern reden, wir wissen ja nichts, und was wir sagen, das ist erborgt von irdischen Lebensformen; aber soll uns darum bange sein? Sollten wir nicht alles Vertrauen haben zu der Allmacht und dem Reichtum göttlicher Gnade, dass wir getrost hoffen und es ihr zugleich völlig überlassen, wie sie unsere Hoffnungen erfüllen wird? Die Heimat wird uns geben, was wir mit diesem Worte sagen: Erquickung nach der Trübsal, Trost nach dem Leiden, Vergebung nach dem Irren, Licht nach der langen, dunklen Erdenwanderung. Sie wird versöhnen und vereinen, was im Leben getrennt war, und uns die Gemeinschaft bringen, von der Keines mehr ausgeschlossen sein wird, da Alle geeinigt sein werden um das teure Haupt der Gemeinde, und über Allen leuchten wird das Vaterantlitz Gottes. Nicht als ob wir irgendetwas zu fordern hätten; Gnade ist ja Alles, schon was wir hier auf Erden sind und haben, und Alles, was der Schoß der Ewigkeiten birgt; doch in der frohen Gewissheit, dass wir Kinder Gottes sind, haben wir auch den Mut, zu glauben, dass wir seine Erben sind, und dass dem müden Erdenpilger sich auftun die Türen der ewigen Heimat. So breitet diese verklärend ihr Hoffnungslicht schon über das Erdenleben aus. Sie sind heimgegangen, sagen wir dankbar und getrost von denen, die der Tod von unserer Seite gerissen hat. Sie werden in der Heimat getröstet werden, so allein können wir jenen Schmerz der Teilnahme stillen, wenn wir Unzählige bis zum Tode ringen sehen mit allem Drucke, allem Elend des Lebens. Wir werden in der Heimat Ruhe finden, so richten wir uns selber auf, wenn wir uns müde gekämpft in der Sorge, in den Leiden dieser Zeit. Ja, wir fühlen Alle die Wahrheit des Dichterwortes:

Daheim ist's gut! Da soll der Pilger rasten,
Der sich mit Not und Sorge müde rang,
Da legt er nach des Lebens schwerem Gang
Beim Vater ab die lang getrag'nen Lasten.

Daheim ist's gut! Am treuen Vaterherzen
Vergisst das Kind die ausgestand'ne Not,
Freut sich des Heils im lichten Morgenrot
Der Ewigkeit nach überstand'nen Schmerzen.

Daheim ist's gut! Da wehen Friedenspalmen
Uns süße Kühlung zu nach heißem Streit;
Besieget ist nun alles Pilgerleid,
Nach Angstgeschrei ertönen Siegespsalmen.

Daheim ist's gut! Drum lasst uns freudig ziehen
Durch Not und Tod ins ew'ge Heimatland!
Getrost hinan! Nach kurzem Pilgerstand
Wird es für uns erblüh'n und nie verblühen.

Über den Wolken das himmlische Blau!
Über den Gräbern die grünende Au!
Über der brechenden Herzen Schmerz
Ein erbarmendes ewiges Herz.

Drum aus der Tiefe empor, empor!
Horch' auf die Lieder im höhern Chor!
Wolken und Gräber und Schmerzen vergeh'n,
Über dem Staube bleibt Einer steh'n.

Ewiges Leben in seiner Hand,
Die mit dem Himmel die Erde verband,
Tauch' in das ewige Leben dich ein!
Du bist des Herrn ja und Alles ist dein! 1) (Robert Grubenmann)

Predigten

1)
Meta Heußer.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
nt/58/hebraeer_13_14.txt · Zuletzt geändert:
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain