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Galater 4,6

Galater 4,6

Andachten

Dieweil ihr denn Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der rufet: Abba, lieber Vater!
Da sehen wir, dass der Heilige Geist nicht durch Werke, sondern durch den Glauben gegeben wird; denn Er sagt hier, der Geist sei ihnen darum gegeben, dass sie Kinder sind und nicht Knechte; Kinder glauben, Knechte wirken; Kinder sind Gesetzes frei, Knechte sind unter dem Gesetze. Gezwungene Werke sind der Knechte, freie Werke der Kinder. Warum sagt Er aber, der Heilige Geist sei ihnen gegeben, weil sie Kinder sind, so doch der Heilige Geist aus Knechten Kinder macht, und zuvor da sein muss, ehe sie Kinder werden? Antwort: Er redet das nach der Weise, wie Er droben sagt: Wir waren unter den Elementen, ehe die Zeit erfüllt ward. Denn sie sind zukünftige Kinder gewesen vor Gott; darum ist ihnen der Heilige Geist gesandt, der sie zu Kindern macht, wie sie zuvor verordnet waren. Und Er nennet den Geist einen Geist Gottes Sohns. Warum nicht seinen Geist? Darum, dass Er auf der Bahn bleibe. Er heißt sie Kinder Gottes, darum sende ihnen Gott eben den Geist, den Christus hat, der auch Kind ist, dass sie zugleich mit Ihm rufen: Abba, lieber Vater! Als sollte er sagen: Gott sendet euch seinen Geist, der in seinem Sohne wohnt, dass ihr seine Brüder und Miterben sein sollt, gleichwie Er tut rufen: Lieber Vater! Damit abermals die unaussprechliche Güte und Gnade Gottes gepriesen wird, dass wir durch den Glauben mit Christo in ungeteilten Gütern sitzen und Alles haben, was Er hat und ist, auch seinen Geist. (Martin Luther)


Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreit: Abba, lieber Vater!
Darin besonders besteht die Seligkeit, die ein Kind Gottes jetzt schon hat, dass es mit Gott als seinem Vater umgehen, ohne Furcht vor ihn treten, ihm alles in sein treues Vaterherz hineinsagen und alle Hilfe von ihm erwarten darf. Ist es für ein Kind, das seine Eltern liebt, eine selige Freude, wenn es nach längerer Entfernung von Hause wieder zu seinen Eltern kommen und sich an ihrer Liebe erquicken darf, so ist es für ein Kind Gottes eine nicht geringere Freude, aus der Fremde dieser unteren Welt zu dem Vater im Himmel zu kommen und im Umgang mit ihm himmlische Freude zu genießen. Und diese Freude steht uns ja jeden Augenblick offen, da wir nach dem Gebot des Apostels ohne Unterlass beten sollen.

Das ist die ehrenvollste Erlaubnis, die einem Menschen erteilt werden kann. Zu einem irdischen Könige dürfen nicht einmal die vornehmsten Staatsbeamten unangemeldet kommen und auch so des Tags höchstens einmal. Aber zu dem Herrn des Weltalls darf eine gläubige Seele, die durch Christum Rechtfertigung und Kindschaft Gottes erlangt hat, jeden Augenblick treten, und ihre Anmeldung ist bloß der kindliche Ruf: „Abba, lieber Vater!“ So vertraulich mit Gott reden zu dürfen und von seiner Liebe so innig erquickende Antworten zu bekommen, das ist mehr als alles, das wir von Irdischem genießen können. Das können besonders die Seelen begreifen, die wissen, was es ist, wenn man nicht beten kann. Da fehlts einem überall, wie wenn es dem Leibe recht weh ist, oder wie wenn es ihm fehlt an Luft zum Atmen. Gott ist das Element unseres Lebens. Nur in Gott kann es uns wohl sein, außer Gott entbehrt unser aus und zu ihm geschaffene Geist der Lebensluft. Wer daher noch nie recht zu beten gelernt hat, dem ist der Himmel verschlossen; beim Gedanken an die Ewigkeit hat er Angst, für sein Sündenelend keinen Trost, in Leidensnächten kein Licht und keine Stärke; zu allen Zeiten fehlt ihm der göttliche Friede, der höher ist, als alle Vernunft. Gott ist ihm bloß ein hohes, majestätisches, unnahbares Wesen, in schweren Stunden aber ein schrecklicher Richter. Solche Seelen sehen nichts vor sich, als entweder Verzweiflung oder immer neuen Leichtsinn, um den innern Unmut zu vertreiben, welcher Leichtsinn aber auch sein Ende hat und dann in eine um so schauerlichere Verzweiflung übergeht. Solches Leben gleicht einer dürren Wüste. Dagegen wie ein schön bewässerter Garten mit edlen Pflanzen und Blumen, so ist das Herz eines Kindes Gottes, das freudigen Zutritt zum Gnadenthrone Gottes im Gebete hat. Freilich kommen auch die Zeiten der Dürre vor, da die Pflanzen welk stehen, Stunden, da auch Kinder Gottes keinen freudigen Zutritt zu Gott haben und Gott gleichsam suchen müssen. Die Ursache davon liegt oft in besonderen Verfehlungen, um deren willen Gott sich uns entzieht, oder er will überhaupt der Seele recht zu fühlen geben, wie arm und elend sie ist ohne ihn, will ein tieferes Geistesverlangen, stärkeren Hunger nach der Gerechtigkeit und Durst nach Wahrheit in ihr erwecken. Und je mehr wir da unser Nichts erkennen, unsere Sünde bekennen und aus allem Irdischen heraus in Gott eindringen, desto gewisser dürfen wir auch wieder erfahren, wie er das Heiligtum aufschließt und den Zepter seiner Gnade gegen uns ausstreckt, wie der König von Persien gegen Esther, die mit Furcht und Zittern vor ihn trat, und der er dann bewilligte, was sie wollte. Da gibt es für ein Kind Gottes oft gerade nach den tiefsten Demütigungen die erquickendsten Blicke in den Himmel hinein, dass wir mit Stephanus sagen möchten: „ich sehe den Himmel offen und Jesum zur Rechten Gottes stehen“, oder mit Johannes: wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit!“ (Sixtus Kapff)

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nt/48/galater_4_6.txt · Zuletzt geändert: von aj
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