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1. Korinther 14,33

1. Korinther 14,33

Andachten

Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.
Betrachten wir die Natur, welche uns umgibt, und die Art, wie der Mensch zur Kenntnis derselben gelangt ist, so können wir nicht leugnen, dass der Anblick der Ordnung und des Friedens, welche in der steten Bewegung der Weltkörper, in den verschiedenen Erscheinungen des Himmels und in den großen damit zusammenhängenden Veränderungen auf der Erde herrschen, dem inneren Verlangen der Menschen zuerst die Befriedigung gegeben, dass sie die Welt als eine Offenbarung Gottes ansehen konnten, wohl wissend, im Leben und in der Ordnung vorzüglich müsse sich das höchste Wesen den Menschen zu erkennen geben. Dann haben auch immer die verschiedenen wunderbaren für sich bestehenden Gestaltungen des Lebens in der tierischen Welt sowohl als in der der Pflanzen den Geist stiller Forscher angezogen wegen des bewundernswürdigen Vereines, in welchem dort das Entgegengesetzte miteinander zu Einem zusammenstimmt; und es ist eine oft erneuerte, immer erweiterte Aufgabe geworden, die verborgenen Ordnungen in dem ganzen Hergange des Lebens aufzufinden. Ja auch dahin, wo am wenigsten Ordnung und Friede zu bemerken ist, auf das, was in den oberen Regionen der Erde vorgeht und den niederen des Himmels, auf den den Einflüssen der Gestirne zugeschriebenen Wechsel der Witterung, wo offenbar Kräfte mit einander streiten und in anscheinend unregelmäßigen Erscheinungen ihren Streit verkündigen, auch dahin hat sich zeitig die Forschbegierde des Menschen gelenkt, offenbar doch wissend, dass nur das Gesetzmäßige der Mensch zu erkennen vermag, und also auch hier Gesetzmäßigkeit voraussetzend. Ja daran am meisten erkennen wir, wie mächtig diese Voraussetzung ist, dass, unerachtet so geringer Fortschritte und so vielfältiger Täuschungen die Menschen dennoch nie müde geworden sind, ihr Bestreben diesen Gegenständen zu widmen, um auch da, wo beides am wenigsten in die Augen fällt, Ordnung und Frieden zu entdecken, und dadurch das Wahre und Göttliche in dem Wesen und den Verhältnissen der Dinge zu finden. So ist der Mensch offenbar nur durch den Glauben, dass überall in den Geschöpfen und in den Veranstaltungen Gottes Friede müsse zu finden sein, allmählig mit der Natur befreundet worden und, durch den Schein je länger je mehr zum Wesen hindurchdringend, zur Erkenntnis gelangt, noch immer überzeugt, dass er diese nur da habe, wo ihm wirklich Ordnung und Friede schon gefunden ist.

Also sei auch dies unser leitendes Gesetz, wie bei allen Forschungen zum Behuf der Wissenschaft, so auch bei allen unseren Ansichten der Natur zum Behuf des Lebens, dass wir überall das Wahre und Göttliche nur da gefunden haben, wo wir Ordnung und Frieden erblicken, wo aber nicht, da noch gewiss von trügerischem Schein uns täuschen lassen. Und in der Tat alle Klagen, die wir so oft hören, über das Feindselige innerhalb der Natur, wie Jedes des Andern Feind sei, Alles sich gegenseitig zerstöre, die ganze Welt nur als der Schauplag eines ewigen Krieges könne angesehen werden, hören wir sie nicht am meisten von denen, welche eben in ihrem verkehrten Sinn den Zusammenhang der Welt mit einem höchsten Wesen leugnen und sie, noch unbegreiflicher gewiss, nur als ein Spiel des Zufalls ansehen wollen? Und demnächst auch wohl von denen, die noch zu sehr am Sinnlichen hangend und eben deshalb mit dem Besseren in sich selbst im Streit begriffen, eben nichts Wichtigeres und Größeres kennen, als die flüchtige Erscheinung des einzelnen Lebens. Dieses freilich zerstört die Natur auf alle Weise, aber am meisten doch auf die friedlichste, rührendste, beruhigendste, und seine Zerstörung trägt in Zeit und Maß ebenso das Gepräge der höchsten Ordnung, wie sein Entstehen. Aber wahrlich der versteht noch nicht das Verhältnis des Zeitlichen, Sinnlichen zu dem ewigen Leben und ist also noch gar nicht in göttliche Gesinnung eingeweiht, der in dieser Hinsicht etwas Besseres begehrt oder träumt, als was vor Augen liegt, und der die Einrichtungen nicht als Frieden und Ordnung erkennen will, durch welche die Natur das Vergängliche zur Ruhe bringt und auflöset. Oder wenn die Klage erhoben wird, dass gegen den Menschen vorzüglich die Natur im Streit ist, dass ihre Unordnungen seine Fortschritte aufhalten, dass ihre feindseligen Kräfte seine Werke zerstören, dass sie mit tausend verderblichen Zufällen seinem Leben und seinen Unternehmungen droht, rührt sie nicht von denen her, welche nur um ihres Nutzens, um ihrer Bequemlichkeit und Trägheit willen eine größere Sicherheit in allen ihren Handlungen wünschen, welche weniger auf den Erfolg im Allgemeinen, als auf den Erfolg für sie selbst sehen, und das Bedeutendste in den Verhältnissen des Menschen zur Natur, sein allmähliges Herrwerden über dieselbe, wozu Gott ihn eingesetzt hat, übersehen? Wer aber dieses befördern und nicht in Allem, was den Menschen verherrlicht, nur durch ein blindes Glück begünstigt werden will; wer immer weniger sein Eigenes sucht, als die Sache der Gesellschaft und der Menschen überhaupt: der findet nur freundliche Annäherungen in Allem, wodurch die Natur ihn auffordert, seine Herrschaft von einer neuen Seite zu erweitern, und in Allem, wodurch sie auch ihn in ihren allgemeinen Zusammenhang hineinzieht; der sieht in allem anscheinenden Streit nur Ordnung und Frieden. (Friedrich Schleiermacher)

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