Lukas 2,45
Andachten
Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, dass er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort.
Im Tempel zu Jerusalem finden wir dich nach Bericht dieses Wortes, du liebes Jesuskind. Deine Eltern, die alle Jahre pflegten nach Jerusalem zu gehen auf das Osterfest, hatten dahin dich mit sich genommen, da du zwölf Jahre alt warst. Hier bliebst du zurück, als sie wieder heimkehrten nach Nazareth. Hier fanden sie dich nach langem, vergeblichen Suchen unter den Reisegefährten, hier im Tempel mitten unter den Lehrern, dass du ihnen zuhörtest und sie fragtest. Nicht ohne Vorwurf war zwar ihr erstes Wort, das der Schmerz und die Sorge um dich ihrem Herzen eingab: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Aber eine Antwort, groß und herrlich, lehrreich und lieblich, die zugleich deine Demut und die Sanftmut deines Herzens bekundet, war deine Entgegnung: Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, das meines Vaters ist? Wenns aber also war, wie konnte es da anders sein, als dass du, folgsam deinen Eltern, mit ihnen hinabgingst nach Nazareth und ihnen untertan warst? O dass alle Eltern täten, wie sie taten, die dich frühe schon mit sich nahmen zum Hause des Herrn! alle Kinder dem Beispiele folgten, das du ihnen gegeben hast mit deiner Demut vor den Menschen und deiner Liebe zu der heiligen Stätte, da Gottes Ehre wohnt! Deines Vaters Haus ist ja auch unser aller Haus und wie bei dir sollte es auch bei uns und unsern Kindern heißen: Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, das meines Vaters ist? Ach erwecke doch dieses heilige, nötige und nötigende Muss in uns und in den Herzen aller Kinder, dass wir nicht dürsten nach Weltdingen, sondern nach dir ein unabweisliches Verlangen tragen, der du in deinem Worte und Sakramente bist die lebendige Quelle des Heils. Du bist doch die rechte Weisheit in unserer Torheit, die eine Gerechtigkeit in unsern Sünden, der volle Trost in aller unserer Traurigkeit, das wahrhaftige Leben in unserm Tode. Darum soll kein Sonntag kommen, an dem es nicht bei uns hieße: Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt. Keinen Morgen soll uns die aufgehende Sonne bringen, an dem nicht unser Herz spräche: Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott! Wir können dich ja allezeit haben und aller Orten. Was geht uns das Andre an! Was geht uns die Welt mit allem, was sie uns bieten kann, an! Der ist selig und tat genug, wer dich, o Gott, du unsers Herzens Trost und einige Freude, allewege haben kann. Amen. (Carl Just)