Sie befinden sich hier: Andachtsbibel » Neues Testament » Lukasevangelium » Lukas 10,30
Zuletzt angesehen: Lukas 10,30

Lukas 10,30

Lukas 10,30

Andachten

Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder, die zogen ihn aus und schlugen ihn, und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. Es begab sich aber ungefähr, dass ein Priester dieselbige Straße hinab zog; und da er ihn sah, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein rc.
Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Diese Frage, welche jener Pharisäer an den Herrn Jesus richtete, ist eine sehr wichtige Frage, und es wäre nur zu wünschen, dass Jedermann sie aufwürfe. Doch so, wie sie der Pharisäer aussprach, liegt ein Widerspruch darin. Denn was man ererbt, das fällt Einem von selbst zu, und dafür braucht man nichts zu tun. Ein Erbe kann man nicht erwerben. Dies meinte aber der Pharisäer und meinen noch Unzählige mit ihm. Er wusste auch die Summa des Gesetzes, nämlich: „Liebe Gott über Alles und deinen Nächsten als dich selbst“, und meinte, das könne man halten und dadurch in den Besitz des ewigen Lebens gelangen. Nur wünschte er noch vom Herrn zu erfahren, wen er denn für seinen Nächsten anzusehen habe. Und als Antwort hierauf sagt ihm der Herr das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, dessen kurzer Sinn ist, dass unser Nächster immer der sei, welcher unserer Hilfe am meisten bedürfe, ohne Unterschied der Nation, der Religion und der Confession. Solchen selbstverleugnenden Samaritersinn, solches Üben der Liebe verlange das Gebot der Nächstenliebe, dessen Erfüllung nötig ist, um das ewige Leben zu erlangen. Das bloße Wissen darum tue es aber nicht, auch nicht die bloße äußerliche Erfüllung des Gebotes. Denn auch der Priester und der Levit kannten das Gebot, übten es aber nicht, übten es wenigstens nicht an diesem Orte, wo sie Niemand sah und wo ihnen kein Menschenbeifall zu Teil werden konnte. Hier also, in dieser Einsamkeit und in dieser gefährlichen Lage musste es sich zeigen, was wirklich in ihrem Herzen war, ob die Selbstliebe, oder ob die Nächstenliebe bei ihnen überwog. Sie dachten aber an sich, an ihre Sicherheit, an ihre Bequemlichkeit, an die Unkosten, kurz, an das Ihre, und fanden sich nicht getrieben, zu helfen. Hatten sie kein Mitleid, empfanden sie keinen Schmerz beim Anblick der Schmerzen des unter die Mörder Gefallenen?

Regte sich in ihnen gar kein Trieb, ihn womöglich noch vom nahen Tode zu retten? Ohne Zweifel, dies war auch bei ihnen der Fall, denn solches zu fühlen ist auch einem unbekehrten Herzen natürlich. Aber der Trieb zu helfen, war bei ihnen schwächlich, hingegen der Trieb der Selbsterhaltung stark, und so zogen sie davon, ohne die Barmherzigkeit geübt zu haben. Dem Samariter aber lag es jedenfalls ebenso nahe, an die Gefährdung seines eigenen Lebens und an Weib und Kind daheim, an die Verzögerung seiner Reise und an die Mühe und die Unkosten zu denken, wie jenen, indes sein Schmerz beim Anblick des Verwundeten war heftig und sein Mitleid so innig, dass jene Gedanken, kaum aufgetaucht, auch sofort von dem Gedanken, hier helfen zu müssen, verdrängt wurden; und so half er, opferte das Seine, ging zu Fuß und ließ den Zerschlagenen reiten, umgab ihn auch in der Herberge mit liebender Sorgfalt und verließ ihn erst, nachdem er auch für seine weitere Pflege gesorgt hatte. Solche Nächstenliebe also verlangt das Gesetz, eine Liebe, welche in jedem Hilfsbedürftigen den Nächsten erblickt, welche liebt, ohne auf Lohn oder Menschenbeifall zu rechnen, welche Liebe übt, weil sie dem inneren Drange nach nicht anders kann. Wer aber solche Liebe hat, der braucht nichts zu tun, um erst das ewige Leben zu erwerben, der hat es schon. Denn solche Liebe ist eben das ewige Leben, und nur, wer bereits im Besitz des ewigen Lebens ist, der kann so lieben. Darum ist es grundverkehrt, durch die Erfüllung des Gesetzes das ewige Leben verdienen zu wollen, denn dies ist eben nach unsrer jetzigen Natur unmöglich, sondern das ewige Leben fällt uns zu als ein freies Erbe, welches uns Gott durch seinen Sohn vermacht hat und in dessen Besitz wir sofort eintreten sollen, so wir es nur glauben und annehmen wollen. Der rechte barmherzige Samariter ist Jesus und der zum Tod Verwundete bist du. Lass dich von Ihm retten und zum Leben zurückführen, dann wirst du Ihn wieder lieben und bei Ihm solche Liebe lernen, welche das Gesetz erfüllt aus freiem Triebe. (Anton Camillo Bertoldy)

Predigten

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
nt/42/lukas_10_30.txt · Zuletzt geändert:
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain