Matthäus 24,43
Andachten
Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüsste, welche Stunde der Dieb kommen wollte; so würde er ja wachen, und nicht in sein Haus brechen lassen. Darum seid ihr auch bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr es nicht meint. Welcher ist aber nun ein treuer und kluger Knecht, den sein Herr gesetzt hat über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit Speise gebe? Selig ist der Knecht, wenn sein Herr kommt, und findet ihn also tun. Wahrlich, Ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. So aber Jener, der böse Knecht, wird in seinem Herzen sagen: „Mein Herr kommt noch lange nicht;“ und fängt an zu schlagen seine Mitknechte, isst und trinkt mit den Trunkenen: So wird der Herr desselbigen Knechts kommen an dem Tage, des er sich nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht meint; und wird ihn zerscheitern, und wird ihm seinen Lohn geben mit den Heuchlern. Da wird sein Heulen und Zähneklappern.
Selig der Knecht, wenn sein Herr ihn findet also tun! das ist das Wort, das dir aus der Verlesung in den Ohren hängen geblieben ist, denn wer will nicht gern selig werden? Wie soll denn ein Knecht handeln, um seines Herrn Wohlgefallen zu erreichen? Er soll so leben, als wenn sein Herr jeden Augenblick eintreten und ihn zur Rechenschaft ziehen könnte. Wenn er das tut, wird er sonderlich daran denken, dass er die ihm anvertrauten Seelen mit dem Worte GOttes speist, denn das muss sein Herr als das schwerste Unrecht empfinden, wenn er seine Pflicht nicht erfüllt, seinen Posten nicht ausfüllt und sich als Herr betrachtet, wo er doch der Diener ist, wenn er seine Macht missbraucht und die Knechte schlägt, statt dass er sie ernähren soll. O, wie viele solcher Haushalter haben wir nicht! Wie viele Eltern sehen ihre Aufgabe darin, die Kräfte der Kinder möglichst auszunutzen für das irdische Leben, aber sie sprechen mit ihnen kein Wort vom geistlichen Leben; sie nähren sie nicht mit dem Worte GOttes, welches ihnen doch anvertraut ist als Speise für die armen Seelen, ja, sie halten sie nicht einmal an, ihre kirchliche Pflicht zu erfüllen und GOttes Haus zu besuchen, zu singen und zu beten. Sie haben also das Brot im Hause, aber sie reichen es den Ihren nicht. O, welch ein unbarmherziges Gericht wird einmal über solche Eltern ergehen!
Ebenso geht es vielen Hausvätern und Hausmüttern, Herrschaften und Vorgesetzten; sie haben für ihre Dienstboten und Untergebenen nur Worte der Zucht, aber selten Worte des Lebens. Seht, alle diese vernachlässigen ihren Beruf, sind untreue Haushalter, die von den Knechten leben, statt dass die Knechte von ihnen leben sollen, und wenn dann der HErr JEsus kommt, um Gericht zu halten, dann wird Er diese untreuen Haushalter in die Hölle werfen. O ihr untreuen Haushalter, geht nicht ein Zittern und Beben durch eure Glieder? denn ihr wisst ja doch, dass der HErr euer GOtt ein wahrhaftiger und strenger GOtt ist, wenn man Seine Barmherzigkeit verschmäht. Darum besinne dich, so lange es noch Zeit ist, und tue deine Pflicht in deinem Stande und Berufe, sorge dafür, dass deine Hausgenossen zur rechten Zeit ihre geistliche Speise bekommen, halte sie an, dass sie täglich ihr Gotteswort genießen, dass sie jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen, ja, erfülle deine Pflicht, versorge die dir anvertrauten Seelen mit GOttes Wort, denn der HErr kommt, ehe du dich dessen versiehst, und Sein Lohn mit Ihm.
Sieh' aber auch, wie ausdrücklich der HErr JEsus sagt, das Leben auf der Erde sei eine Probezeit für den Himmel, denn wer hier im Kleinen treu ist, den will Er dort über viel setzen. Wir wissen ja freilich nicht, wie das gemeint ist, denn wir wissen ja nicht, wie es im Himmel Etwas zu verwalten geben kann, aber GOttes Wort ist wahr, das wissen wir, und so warten wir, bis wir es schauen. Darum sei treu in dem Berufe, in den GOtt dich gesetzt hat, und dann warte getrost, was der HErr ferner tun wird. Selig wirst du dich schon fühlen, wenn du hier deinen Beruf erfüllst und getrost deinem HErrn entgegen gehen kannst. Selig, der da wacht, wenn sein HErr kommt! Amen. (Johannes Paulsen)