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Psalm 143,6

Psalm 143,6

Andachten

Herr, ich breite meine Hände aus zu dir; meine Seele dürstet nach dir, wie ein dürres Land.

So steht es in den Herzen der Frommen geschrieben. So ruft jede Seele, die den Herrn liebt, tausendmal, so schreit ihr ganzes Wesen unablässig, ohne Worte, ohne Laut von Außen, zu dem unsichtbaren nahen, aber verborgenen Gott. Wer geschmeckt hat, wie freundlich er ist, kann ohne ihn nicht mehr leben. Es ist ein ewiges Verlangen, Sehnen, Hungern und Dursten nach ihm im Innersten der Seele, das zu Zeiten laut wird und ausbricht in solche Psalmen, wie David, Assaph und andere Freunde des lebendigen Gottes sangen. Es hat nichts Reiz für sie, was sie immer finden in der Welt, was man ihnen immer vorlegt; es schmeckt ihnen nichts so, als Er. Sie haben, wie einer sagte, eine Passion, und die ist er, nur er. Bald gibt sich nun der Herr ihnen zu genießen, und da trinken sie aus den Strömen des ewigen Lebens, die vom Paradiese Gottes herüber fließen; dann verbirgt er sich ihnen, o dann sind sie wie vom Himmel in die Hölle geworfen, und fühlen diese Prüfung als das strengste und beißendste Läuterungsfeuer, welches noch heißeren Durst nach ihm erweckt, dass die Seele viel brünstiger nach ihm verlangt und mit glühendem Sehnen sein Antlitz wieder sucht. Sie halten ihn im Glauben und lassen ihn nicht, wie er es immer mit ihnen macht. Nichts kann sie von ihm scheiden. Seele, wie hast du es mit ihm? Bist du so mit ihm verbunden? Hängst du also an ihm? Verdient er es etwa nicht? Weißt du andere Dinge, die du ihm mit Recht vorziehen könntest? Kann eine Liebe zu groß für ihn sein? zu viel für ihn tun? Ist bei dir Gefahr zu besorgen, dass du zu sehr an ihm hängst, zu brünstig nach ihm verlangst? - Ich zweifle. Verzeihe mit meinen Unglauben. (Johannes Evangelista Gossner)


In allen Seelen ist eine tiefe Leere. Denn es sind ja Menschenseelen, unsterbliche Seelen, Gott verwandt, zur Ewigkeit geschaffen. Auch die, welche im Irdischen allein ihre Befriedigung suchen, haben Stunden und Zeiten, wo sie es spüren: Das Alles macht mein Herz doch nicht satt und still. Es bleibt die innere Leere, der Durst nach Gott. Aber sie suchen ihn zu vergessen und zu übertäuben; sie verstehen ihn nicht, und wollen ihn nicht verstehen. Sie suchen die Stillung des Durstes auf falschen Wegen. Sie legen die dürstende Seele an die Brunnen weltlicher Weisheit, irdischer Zerstreuungen; an die Brunnen, die so schnell versiegen, die keine Labung geben. Und doch quilt so dicht vor ihren Augen, so leicht zu finden, die lebendige Quelle, die nimmer versiegt; die Quelle lebendigen Wassers, die die Menschenseele allein stillen und befriedigen kann. Aber sie gehen daran vorüber und verschmachten auf dem Wege. Da wird noch immer laut die Klage der ewigen Liebe: „Mein Volk tut eine zwiefache Sünde. Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie, und machen sich hier und da ausgehauene Brunnen, die doch löcherig sind, und kein Wasser geben“.

Ist nun diese Klage bisher auch über uns laut geworden, haben wir sie bisher auch verlassen, die lebendige Quelle? Noch quillt sie für uns. Noch ist sie aufgetan im Evangelium, in Jesu Christo. Da steht er und ruft uns Alle zu sich: „Wen da dürste, der komme zu mir und trinke. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen lebendigen Wassers umsonst. Wer das Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürften. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.“ Unsre Seele dürstet nach Gott; nach dem lebendigen Gott. O Gott, du hast unser Herz zu dir geschaffen, und es findet keine Ruh, bis es ruht in dir. Mach unser Herz los von den irdischen Dingen, die doch nicht sättigen können, und führe uns den Weg zu Dem, der allein unsere Seele erquicken und ihr Ruhe geben kann. Amen. (Adolf Clemen)

Predigten

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at/19/psalm_143_6.txt · Zuletzt geändert: von aj
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