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1. Samuel 30,6

1. Samuel 30,6

Andachten

Und David war sehr geängstigt, denn das Volk wollte ihn steinigen, denn des ganzen Volkes Seele war unwillig, ein jeglicher über seine Söhne und Töchter. David aber stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott.
„So tut der Fromme rechter Art, der aus dem Geist gezeugt ward, und seines Gottes harrt.“ David macht's gerade entgegengesetzter Weise wie Saul, der zur Wahrsagerin lief in seiner Not. Dagegen David, als er sehr geängstigt ist, und das Volk ihn steinigen will, über dem furchtbaren Schicksal, das die Stadt Ziklag getroffen, da er auch selbst ist beraubt worden Derer, welche ihm lieb waren, also, dass er mit dem Volk geweint hat, bis sie nicht mehr weinen konnten; stärkt er sich in dem Herrn, seinem Gott. Und die Folge solcher Stärkung ist, dass er im vollsten Vertrauen Rat und Willen des Herrn erbittet und auch empfängt, und nun, als ein Held und Streiter Gottes, die Feinde besiegt und ihnen den Raub wieder abnimmt. - Wenn doch alle geängsteten und beraubten Seelen es ebenso machen wollten wie David, dass sie sich stärkten in dem Herrn, ihrem Gott. Aber leider laufen so Viele zu den stummen Götzen, oder halten Fleisch für ihren Arm, oder werfen sich der Welt und ihren Lüsten in die Arme! - das ist die abschüssige Bahn, die in der Hölle endet. Der Himmelsweg aller Geängsteten und Beraubten ist der, dass sie sich stärken in Gott; stark im Glauben und Vertrauen wird man dann Seinen Rat und Willen erwarten und erfahren, und stark im Streiten wird man dann auch die Feinde, selbst den letzten Feind, den Tod, überwinden. Die Kraft-Quelle steht Jedermann offen und sie strömt reichlich und köstlich, da der Herr Jesus selbst ruft, lockt und ladet im herzbewegenden Tone: Kommt doch her zu mir, ich will euch erquicken! und: „wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ ach, dass doch unser Keiner dahinten bleibe! (Nikolaus Fries)


David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott.
Wie stärkt man sich in dem Herrn? Die Sache ist so notwendig und die Kunst oft so schwer! David lernte sie und auch wir können sie lernen. Man sucht eben die Stärkungen nicht immer an dem rechten Ort und auch nicht immer in dem rechten Zustand. David drang ein in den Lebensumgang des Herrn, immer tiefer, immer mehr sich los machend von der sichtbaren Welt. Er fasste Grund auf den Verheißungen Gottes, ließ sich davon nicht abbringen, schöpfte seine Stärkungen aus dem Herrn selber, nicht aus menschlichen Zusprüchen, nicht aus günstigen Wendungen der Umstände, nicht aus den Stimmungen des Herzens. Er warf sich vor dem Herrn nieder, getrieben von einem schreienden Bedürfnis, in einer geistigen Zerfallenheit, unter dem Druck seiner Sorgen und seiner Sünden, und wollte keinen andern Fels noch Helfer, als seinen Gott. Machen wir es auch so; wenn es uns Ernst ist, so können wir es. Aber wir lassen oft die Seele nicht bei dem Herrn ankommen; unsere Gedanken verlieren sich unterwegs, und nur in dem Herrn selber ist die Stärke. Oder kaum bei ihm angekommen, laufen wir wieder von ihm weg; die Gnadenzuflüsse haben dann nicht Zeit, unser Inneres zu erfüllen. Oder während wir mit dem Herrn reden, ist schon die Welt eingedrungen in unsere Seufzer und in unsere Gebete, und unser innerer Zustand wird dann eine große Verworrenheit. Oder wir lassen zu viel zusammenkommen und unterhalten nicht oft genug den Umgang mit dem Herrn. Da ist dann das Herz so ausgeleert, die geistige Triebkraft so erschlafft, dass man zu matt ist, um den Herrn recht zu erreichen und recht mit ihm zusammen zu treffen. Oder man hat immer noch irdische Hoffnungen, kleine weltliche Stützen, den oder jenen Tröster; und so lang' man dem Herrn nicht ganz die Ehre gibt, so kommt es auch zu keinen rechten Stärkungen. Der Heilige Geist kann Jedem aufdecken, warum er nicht genug erhält, um kräftig zu werden; aber der Weg ist offen, die Kraftfülle Gottes ist unausschöpflich, und je ärmer sich ein ernstes, hungriges Herz in sich selber fühlt, je mehr erfährt es, was es heißt: den Herrn zu suchen und stark zu werden in ihm und in der Macht seiner Stärke. (Friedrich Lobstein)


David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott.
Abzuscheiden und bei Christo zu sein - das wäre Allen, welche Dich, o Jesu, erkannt haben und durch Dich mit Gott versöhnt sind, viel besser. Phil. 1, 23. Die Stadt, in der Du Selbst bist (Ebr. 11, 16) und in der kein Tod und kein Leid mehr ist (Off. 21, 4), war die Sehnsucht unserer Väter und ist das Verlangen aller Deiner Kinder.

O wär ich da! O ständ ich schon,
Ach, süßer Gott, vor Deinem Thron
Und trüge meine Palmen!

Wie Du aber Selbst auf dem Wege vom Bache getrunken und darnach das Haupt emporgehoben hast (Ps. 110, 7), so gib mir, o Jesu, dass ich mich, wie David, bis zum Eingange in das ewige Leben, in Dir stärke. David bedurfte der Stärkung; Saul war gegen ihn und David dachte nicht anders, als er werde der Tage einen Saul in die Hände fallen (1 Sam. 27, 1); in Ziklag im fremden Lande hatte er eine Zuflucht gefunden (1 Sam. 27, 6), aber als David das Vertrauen der Fürsten verloren hatte (1 Sam. 29), verbrannten sie Ziklag. David hob seine Stimme auf und weinte, er war sehr geängstigt, das Volk wollte ihn steinigen (1 Sam. 30,1-6). Und nun kommt der bitterste Zweifel in Davids Seele: wenn Alle gegen dich stehen und Alles wider dich ist, ist das nicht ein deutliches Zeichen, dass Gott Selbst gegen dich ist? Armer, armer David!

David aber stärkte sich in dem Herrn seinem Gott. mein Gott, das lass mir widerfahren, dass ich mich in Dir, Du starker Gott Israels (1 Mos. 33, 20) stärken kann. Habt Glauben an Gott - so sprichst Du, mein Heiland. Mk. 11, 22. Das kann mir nicht schaden, dass ich in meinem Leben inne werde, dass hier nichts ist als Angst und Not denn es ist die Wahrheit - und je weiter ich meinen Fuß setze, je tiefer setze ich ihn ins Jammertal (Ps. 84, 7); aber in Dir, Du starker Gott, ist kein Jammer und keine Not. Du bist der lebendige Gott alle meine Tage waren auf Dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und derselben keiner da war Ps. 139, 16. Der Du meine Haare auf meinem Haupte gezählt hast (Matth. 10, 30), wie solltest Du nicht die Not meines Herzens sehen? Der Du alle Dinge weißt, wie sollte Dir irgendetwas in meinem Leben und Gewissen verborgen sein? Du Auge ohne Schlummer, vergib es mir, wenn ich an Dir zweifelte.

Aber ob nicht ein bodenloser Abgrund mich von Dir trennt und bannt? David konnte Dir auf tausend nichts eins antworten ich auch nicht. Du Herr bist heilig und wie bin ich gewiss, dass mich nicht Dein Zorn verderben will? Diesen Abgrund alles Elends hast Du geschlossen, o Jesu, Du wunderbarer Heiland, der Du mit zweifelloser Gewissheit genannt bist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Joh. 1, 29.

All Sünd hast Du getragen,
Sonst müssten wir verzagen.

Aber nun verzagen wir nicht. Ich weiß es, dass Du mir von Gott gegeben bist und dass Deine Gnade ebenso sehr eine freie, als eine alle Sünde bedeckende und tilgende ist. Deine Ehre, mein Heiland, ist über alle meine Erkenntnis und all mein Lob erhaben.

Du sprachst zur rechten Stunde:
Sieh Ich komm mit Meinem Leib,
Dass im Volk von Deinem Bunde
Keiner mehr Dein Schuldner bleib.

Lass mich Deine Herrlichkeit, ich meine Deines Leidens Größe, Kraft und Gültigkeit sehen! O lass mir's nimmer aus dem Sinn kommen, dass Dein Blut im Himmel besser redet denn Abels Blut und auf Erden mein Gewissen reinigt. Ebr. 12, 24 u. 9, 14. Zu Deinem Gedächtnis und zu Deiner Anbetung lass mich in Brot und Wein inne werden, dass Du mich mit Gott versöhnet hast in Deinem Leibe durch das Kreuz. Ephes. 2, 16. Das wird mir das Herz erfreuen und den Mund fröhlich machen. Und wenn David nachgehends sein Haupt erhob und Amalek schlug (1 Sam. 30, 17), so werde ich durch Gottes Kraft im Glauben des Sohnes Gottes leben, und getrost sein allezeit (2 Kor. 5, 6). Und endlich werde ich Dich sehen, Jesu, mein Leben und mich mit unaussprechlicher Freude freuen. 1 Petri 1. 8. (Theodor Schmalenbach)

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