Offenbarung 22,12
Andachten
Jesus spricht: siehe, Ich komme bald. Und der Geist und die Braut sprechen: komm! Und wer es hört, der spreche: komm!
Der HErr Jesus und die Braut begegnen einander in diesen Worten mit einer liebevollen Ansprache. Er spricht: siehe, Ich komme bald. Ist dieses nicht ein Wort der zärtlichsten Liebe, welches die Braut trösten und erfreuen soll? Und der Geist und die Braut sprechen: komm! Ist dieses nicht ein Ausdruck des liebreichen Verlangens, welches die Braut nach ihrem Bräutigam hat? Wenn der Bräutigam spricht: siehe, Ich komme bald, so wäre es unfein, wenn die Braut dadurch in eine Furcht gesetzt würde; denn Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein; wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe, 1 Joh. 4,18. Und eben diejenigen, die völlig in der Liebe sind, stehen in dem Stand der Braut, welches hier des Johannes Augenmerk ist. Weil es aber noch Seelen gibt, bei denen die völlige Liebe die Furcht noch nicht ausgetrieben hat, so werden diese von Johannes auch zu diesem seligen Brautstand eingeladen; denn er sagt, wenn sie den HErrn Jesum sagen hören: siehe, Ich komme bald, so sollen sie auch ohne Furcht sprechen lernen: komm! Die Liebe schließt das Verlangen in sich, den Geliebten zu sehen, und mit Ihm so genau, als es möglich ist, vereinigt zu werden. Dieses Verlangen wird durch die Zukunft Jesu völlig gestillt. Durch dieselbe offenbart Sich Jesus Seiner Braut noch mehr, als er Sich vorher den Seelen im Himmel offenbaren konnte; denn der Tag Seiner Zukunft ist ein Tag der Offenbarung. An diesem Tage werden Ihn auch diejenigen Braut-Seelen das erste Mal sehen, welche bis an das Ende der Welt lebendig geblieben sein werden. Alle Heiligen werden Ihm alsdann in einem fröhlichen Liebestrieb in den Wolken und der Lust entgegen gerückt werden, 1 Thess. 4,17. Wenn Er sie aber auch schon Seiner Rechten wird gestellt haben, so wird Er noch zu ihnen sagen: kommet her ihr Gesegneten Meines Vaters! und von da an werden sie bei dem HErrn sein allezeit, 1 Thess. 4,17. Denn wenn sie mit einander als die geschmückte Braut des Lammes in dem neuen Jerusalem wohnen werden, so wird er bei ihnen wohnen; das neue Jerusalem wird auch Sein und des Vaters Hütte sein; der Thron Gottes und des Lammes wird darinnen sein; Er wird ihre Leuchte und ihr Tempel sein, Offenb. 21. und 22. Welch‘ eine Liebe, Freude und Herrlichkeit wird da im Schwang gehen! Kein Menschenverstand reicht jetzt bis dahin; doch soll eine jede Seele begierig sein, die Liebe Jesu bei Leibesleben zu genießen, und etwas von demjenigen zu erfahren, was Ps. 45., im ganzen Hohenlied, Hos. 2. und Eph. 5. von denjenigen Seelen bezeugt wird, mit denen Sich der HErr Jesus verlobt hat. Man soll also in der Liebe, welche durch den Genuss der Liebe Jesu entzündet wird, immer weiter rücken, bis sie völlig wird, und man ohne Furcht den HErrn Jesum könne sagen hören: Ich komme bald, und bis der Zuruf, komm! als ein liebevolles Echo dagegen erschallen könne. (Magnus Friedrich Roos)
Und siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Lette. Selig sind, die seine Gebote halten, auf dass ihre Macht sei an dem Holz des Lebens, und zu den Toren eingehen in die Stadt.
Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär' in dir - aber noch ist meine Stunde nicht gekommen; noch bin ich nicht reif für den Himmel, noch muss ich geübt werden im Glauben und im Gehorsam, noch muss in der Hitze der Anfechtung meine Seele reiner und reicher werden an Früchten der Gerechtigkeit. Noch muss ich mich besser bereiten auf das Sterben und das Gericht. Ich will nicht zu viel reden von dem leichten Sterben des Christen. Selbst ein Paulus bekennt, er möchte lieber nicht entkleidet werden, auf dass das Sterbliche verschlungen würde vom Leben wie viel mehr muss ich immer wieder beten: „Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut.“ Und dann, was nach dem Tode kommt! Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhle Jesu Christi!
O wie viele eitle Hoffnungen und Seligkeitsträume werden durch dies eine Wort zunichte: Wir müssen alle offenbar werden! Wo ist der, der nun noch ohne alles Bangen, mit völliger Freude beten kann: Komm, Herr Jesu? Aber weil ich das weiß, darum will ich inbrünstiger Christum ergreifen, so lange es heute heißt, damit ich einst nicht bloß erfunden werde, sondern gekleidet in seine Gerechtigkeit vor dem Richter bestehen kann. Darum wollen wir uns fleißigen, wir sind daheim oder. wallen, dass wir dem Herrn wohlgefallen; wollen hier: himmlisch gesinnt werden durch Buße und Glauben, damit wir einst droben im Himmel keine Fremdlinge sind. Ich höre eine Stimme, die spricht: Ich bin der Erste und der Beste, der lebendige. Selig sind, die zu dem Abendmahl des Lammes berufen sind. Wer überwindet, der wird dies Alles ererben. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buche des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. (Adolf Clemen)