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Philipper 3,20

Philipper 3,20

Andachten

Unser Wandel ist im Himmel.
Weil unser Wandel oder unser bürgerliches Heimwesen im Himmel ist, so sind wir Fremdlinge und Pilgrime auf der Erde, wie schon Jakob gegen den König Pharao bekannt ist, da er seine Lebenszeit die Zeit seiner Wallfahrt nannte. Es zeigen aber diese Ausdrücke nicht nur dieses an, dass wir auf der Erde keine bleibende Stätte haben, und eine zukünftige und himmlische suchen müssen, sondern auch, dass wir durch die Wiedergeburt recht eigentlich zur Aufnahme in den Himmel, und zum Genuss dessen, was himmlisch ist, gebildet werden. Auch auf Erden fühlt ein Jeder, dass er zu seinem Vaterland einen besonderen Hang habe, und da am liebsten sei, gesetzt auch, dass dieses Vaterland eine raue und für Andere unangenehme Gegend wäre. Allein der Mensch, der diesen Hang hat ist schon so gebildet, dass ihm die Sitten und Gebräuche seines Vaterlands, und die Dinge, die man in demselben sieht und hört, hat und genießt, am besten behagen; da hingegen die Sachen, welche ihm in der Fremde vorkommen, seinem Gemüt leichtlich ungereimt scheinen, und widerlich sein können. Auf diese Weise ist nun auch ein Christ in Ansehung der himmlischen Dinge gebildet und gesinnt, aber freilich nicht nach seiner Natur, die er durch die leibliche Geburt empfangen hat. Es muss durch eine andere Geburt eine Veränderung in dem Menschen vorgehen, und diese ist die Geburt aus Gott, durch welche eine geistliche Natur in dem Menschen entsteht, welche mit den himmlischen Dingen eine Ähnlichkeit hat, und sich allein zu denselben schickt; denn was himmlisch ist, heißt auch geistlich, wie aus 1 Kor. 15,45-49. erhellt. Nach dem Geist, der aus dem ewigen Geist Gottes geboren ist, sucht ein Christ, was droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes, Kol. 3,1. ein geistlicher Mensch hat Lust, außer dem Leibe zu wallen, und daheim zu sein bei dem HErrn, 2 Kor. 5,8. Er hat Lust abzuscheiden, und bei Christo zu sein. Phil. 1,23. Weil er aber auch weiß, dass Fleisch und Blut, das ist der irdische Leib, wie er aus Fleisch und Blut besteht, das himmlische Reich Gottes nicht ererben könne, so legt er diesen Leib gern ab, und gibt ihn gern in die Verwesung hin, damit er als ein geistlicher Leib auferstehen, und als ein solcher die himmlischen Dinge auch genießen möge. Je völliger nun das geistliche Leben in ihm ist, mit einem desto völligeren Glauben und mit einer desto gewisseren Hoffnung kann er sagen: mein bürgerliches Heimwesen ist im Himmel. Mit dem Wachstum seines geistlichen Lebens wächst auch sein Verlangen nach diesem Heimwesen und sein Eckel an den irdischen Dingen. Welch‘ ein Unterschied ist zwischen einer Menschen-Seele, die nichts hat, als ihre zu dem irdischen Leben eingerichteten, und von der Sünde überdies geschwächten, zerrütteten und befleckten Kräfte und Sinne, und zwischen einer wiedergeborenen Seele, die geistlich worden ist, und den Geist Dessen, der Jesum von den Toten auferweckt, in sich hat! Wir wollen also den Sinn der Pilgrime und Fremdlinge auf der Erde behaupten, Alles, was unter der Sonne ist, nach Salomos Anweisung als eitel ansehen, an nichts, was sichtbar ist, uns vergaffen, unser Gutes nicht begehren in diesem Leben zu empfangen, der Stunde, worin wir alles Irdische verlassen werden, uns oft erinnern, indessen aber nüchtern und mäßig sein, wachen und beten, und dem HErrn leben. Lasst uns bei den Beschwerden des irdischen Lebens, die uns oft lange zu währen scheinen, nicht mutlos werden, denn das himmlische Vaterland wird alle unsere Wünsche nicht nur erfüllen, sondern auch überschwänglich übertreffen. Halleluja! (Magnus Friedrich Roos)


Unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi des Herrn.
Dies Bekenntnis können die Christen nur ablegen auf Grund der Himmelfahrt ihres Heilandes; ein liebliches Sein und ein seliges Warten, wie es sich in vorstehenden Worten ausspricht, ist der Jünger Jesu Teil, seit der Herr aufgefahren ist gen Himmel. Durch die Himmelfahrt erfüllt Christus sein Wort an die Seinen: siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende; jetzt dürfen sie sich an jedem Orte, zu jeder Zeit seines Naheseins, seiner Gnade und seines Lichtes getrösten. Dem Herrn nahe zu sein bildet aber doch der beste Teil von jenem Zustande, der uns im Himmel beschieden; darum kann man in der Gemeinschaft mit Christo bezeugen: unser Wandel ist im Himmel. Bei seiner Himmelfahrt aber hat der Herr auch verhießen, dass er nun senden werde den Heiligen Geist und als der zum Himmel Erhöhte hat er den Geist gesandt, der in den Jüngern wirken sollte einen himmlischen Sinn, in ihnen ausgestalten sollte das Abbild des himmlischen Urbildes. Wo nun die Frucht des Geistes in Liebe, Freude, Friede, Geduld, Sanftmut, Keuschheit nach Gal. 5, 22 zu Tage tritt, da kann man den Herrn preisend für seine Himmelfahrt bekennen: unser Wandel ist im Himmel. Endlich ist der Herr gen Himmel gefahren, um sich zur Rechten des Vaters zu sehen, um zu herrschen über alle Dinge im Himmel und auf Erden; seine Jünger aber empfangen damit einen Segen, welcher Ähnlichkeit hat mit dem ihnen im Himmel zugedachten Lose. Wie sie dort mit Christo über alle Kreaturen herrschen sollen, so gewinnen sie schon hier durch Christi Himmelfahrt die Glaubenszuversicht, dass ihnen alles zum Besten dienen muss; dass der Herr ihr Hirt sie immer auf grüner Aue weidet und auf rechter Straße leitet und darum dürfen sie mit dem Apostel sprechen: unser Wandel ist im Himmel. Dieses liebliche Sein der Christen ist aber auf Erden vielfach getrübt, gestört und gehindert, weil sie noch das Gesetz der Sünde in sich tragen, weil sie des Kreuzes und der Züchtigung bedürfen, weil sie im Feuer der Auferstehung geläutert und bewährt werden müssen; darum verbindet sich mit dem Sein ein Warten, und wiederum ist es die Himmelfahrt des Herrn, die die Jünger zuversichtlich hoffen lässt: von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn. Wenn der Herr unser Haupt durch die Himmelfahrt zu seiner Herrlichkeit eingegangen ist, so liegt darin die Bürgschaft, dass er wiederkommen werde, um seine Glieder nach sich zu ziehen in die Herrlichkeit. Obgleich die Jünger Jesu auch auf Erden mit ihrem Herrn verbunden sind, so sind sie von demselben doch in vieler Hinsicht getrennt, er ist im Himmel, sie im Leibe des Todes, er in der Vollkommenheit, sie im Stückwerk, sie wandeln im Glauben und nicht im Schauen; darum wallen sie nach 2. Kor. 5, 6, dieweil sie im Leibe wandeln, dem Herrn; wenn sie aber dennoch hinzufügen können: wir sind aber getrost allezeit, so gründet sich diese Zuversicht auf die Himmelfahrt des Herrn, durch welche er uns nahe getreten ist, begonnen hat uns zu sich zu ziehen und uns daher auch die Bürgschaft gibt, dass er das gute Werk, das er angefangen, vollenden werde. Das aber wird geschehen, wenn der Herr in Herrlichkeit erscheinen wird, so dass die Seinen von da an ihn sehen, ihm gleich sein, eines neuen Himmels und einer neuen Erde sich freuen werden. Ein Himmelfahrtssegen ist's demnach, dass wir vom Himmel warten dürfen des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, dass wir dem Herrn außer dem Dankgebet dafür, dass er gekommen ist, immer aufs Neue die hoffnungsvolle Bitte darbringen können: ja, komm Herr Jesu. (Thomas Girgensohn)


Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, dass er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm untertänig machen.
„Unser Wandel ist im Himmel“. Unsere Heimat, der Ort, da wo wir ewig bleiben sollen, das Ziel unserer Hoffnung, das Land unserer Sehnsucht ist dort; dahin gehören wir zu Hause. Darum ist unser ganzer Wandel darauf eingerichtet, wie es für Himmelsbürger, wie es für Einwohner und Erben der Stadt Gottes sich geziemt. Möglich, dass die Welt einen Christen, seiner Gäste und Pilgrime einen, glücklich zu nennen Ursache hat, weil ihm alles nach Wunsch geraten ist, und Gott ihm seinen Weg durchs Leben zu einem Freudenwege umgeschaffen hat. Er nimmt das Glück an, das ihm sein Gott beschert als einer, der zu gering ist aller Barmherzigkeit und Treue, die sein Gott an ihm getan hat; er nimmts an mit Dank, so wie ein Wanderer mit Dank den Sonnenschein hinnimmt, unter dem er seiner Heimat entgegengeht, während es ja auch regnen und stürmen könnte. Aber um dieses irdischen Glückes willen fühlt er sich nicht glücklich, sondern um der Heimat willen, die dort ihm bereitet ist. Fröhlich ist er nicht um des Sonnenscheins willen, der auf seinen Pfad fällt, denn der kann bald weichen, sondern um der Heimat willen, der er entgegengeht, und um des Pfades willen, der ihn endlich zur Heimat bringen muss. Mag sein, dass ein Christ von der Welt unglücklich genannt werden kann. Er geht, mit andern verglichen, seinen Weg zur Heimat unter Sturm und trübem Wetter. Das mag ihm beschwerlich sein, mag den Fuß müde und dem Gang ihm schwer machen; es mag auch das Herz ihm angreifen und das Gemüt betrüben. Aber bis in die innere Seligkeit des Herzens reicht das doch nicht, was die Welt Unglück nennt. Seine Seele ist stille zu Gott; drinnen ist die Heimatsfreude vollkommen und ungetrübt von jenen äußern Stürmen. Darum sagt der Apostel an einem andern Ort von dem Christen, der ein wahrer Freund des Kreuzes Christi ist, dass er weine, als weine er nicht, sich freue, als freue er sich nicht, habe, als hätte er nicht. Irdischer Reichtum, irdische Armut, irdische Freude und irdisches Leid kann sein Herz nicht gefangen nehmen, dafür ist sein Herz zu groß und ruht zu fest im himmlischen Wesen - sein Wandel ist im Himmel. (Caspari)

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nt/50/philipper_3_20.txt · Zuletzt geändert: von aj
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