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Epheser 6,10

Epheser 6,10

Andachten

Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.
Er, der Herr, ist selbst und bietet dar die rechte Schutz- und Trugwaffe, er ist selbst und bietet dar Licht und Leben, er gibt Kraft zur Überwindung jeglichen Feindes zur Rechten und zur Linken, nicht durch Aufstellung großer, geübter Heereshausen, nicht durch Ross und Reisige, nicht durch neue Waffenerfindungen und deren Gebrauch, o nein, sondern durch ein Schauen nach ihm, durch ein Schöpfen aus ihm, durch ein Hängen an ihm. Er soll erkannt, an ihn soll geglaubt, durch ihn soll gekämpft werden der gute Kampf, um das himmlische Kleinod, die Seligkeit der Seele zu erlangen. Er ist die Quelle unserer Kraft. - Und ist diese Quelle fern von uns und uns unzugänglich? Bin ich nicht ein Gott, der nahe ist? spricht der Herr durch den Propheten (Jer. 23,21); er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns! (Apg. 17,27). Oder ist diese Gottesquelle inmitten der Welt, ihrer Forderungen, ihrer Reize, ihrer Güter und Genüsse für uns entbehrlich? Ach, wie sollte sie wohl entbehrlich sein! Wie liegt doch die Welt im Argen! Wie schwach und ohnmächtig ist der Mensch, wie hinkend nach beiden Seiten, in seinem Tun und Lassen, in seinem Hoffen und Wünschen, in seinem Zug nach Oben, in seinem Kampf mit Fleisch und Blut! In dem Herrn, in dem dreieinigen Gott, da ruht die Quelle und Wurzel unserer Kraft. Der lebendige persönliche Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der König und Reichsfürst, der ewige Hohepriester und ruhmgekrönte Herr der Herrlichkeit, der bietet Würde und Kraft, der ist deines Lebens Leben, der hilft deiner Schwachheit auf. Keine Befriedigung im Sichtbaren und Zeitlichen, keine Festigkeit und Sicherheit in Prüfungen und Nöten Leibes und der Seele, kein Verlass auf Menschen, ihren Rat, ihre Sorge, ihre Anstrengungen und Opfer. Da heben wir unsere Augen auf zu den Bergen, von welchen allein uns Hilfe kommt, da sehen wir unser Vertrauen auf den, der uns den rechten Halt und die wahre Durchhülfe bietet, da sind wir eingewurzelt im Glauben an den, der da war und ist und sein wird, dessen Jahre kein Ende nehmen, und dessen Güte alle Morgen über uns neu ist. Das ist der gute Baum, und das sind die guten Früchte, welche das Evangelium preiset, das sind diejenigen, welche sich nicht mit dem Herr, Herr-Sagen genügen lassen, sondern welche den Willen tun des Vaters im Himmel.

So wissen wir denn, wohin wir gewiesen, auf welchen Leuchter wir gestellt sind, wenn wir auf unserer Lebensreise die apostolische Forderung vernehmen: stark zu sein in dem Herrn. Nicht in unserm eigenen Ich, nicht in unserm irrenden und sündigen Wesen, nicht in andern Menschen und Verhältnissen, nicht in der ganzen Welt, sondern in dem Herrn haben wir Gnade um Gnade, in ihm sind verborgen die Schätze der Weisheit und Erkenntnis, in ihm sind die Wurzeln unserer Kraft, in ihm führen wir das Steuerruder unseres Lebens sicher, in ihm winket uns der Sieg. Darum zu ihm hinaufgeschaut, aus diesem ewigen, unversiegbaren Brunnquell im Glauben geschöpft und siehe! wir werden nicht müde und matt im Kampfe als Christen; denn die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jes. 40,31.) (Scheffer.)


Seid stark in dem HErrn und in der Macht Seiner Stärke.
Wer Goliaths Harnisch anziehen, und seine Waffen gebrauchen sollte, müsste eine innerliche Stärke dazu haben: und so verhält es sich auch mit dem Harnisch Gottes, der Eph. 6,13-17. stückweis beschrieben wird. Paulus setzt nämlich, da er davon handeln wollte, die Ermahnung voraus: seid stark in dem HErrn und in der Macht Seiner Stärke. Man soll nämlich gegen die listigen Anläufe des Teufels bestehen, V. 11., man hat nicht (nur) mit Fleisch und Blut, das ist mit Menschen als Menschen, sondern mit argen Geistern zu kämpfen, unter denen es Fürsten und Gewaltige gibt, und die mit einander als Herren der Welt in der Finsternis dieser Welt herrschen. V. 12. Diese argen Geister können unmittelbar in einen Menschen wirken, sie können aber auch, wenn sie dieses bei einem Menschen tun, denselben als ein Werkzeug brauchen, Andere zu versuchen und zu plagen. Ein Christ, der dieses liest, sehe auf seinen Lauf zurück. Wie viele Versuchungen zur Wollust, zum Stolz, Zorn, Neid, Hass, Rachgier, zur Ungeduld, Kleinmütigkeit, Trägheit, Erhebung seiner selbst, zum Geiz usw. sind ihm schon aufgestoßen, und daraus kann er den Schluss machen, dass ihm noch mehrere derselben, so lange er in dieser Welt leben wird, aufstoßen werden. Welchen Druck kann auch noch die letzte Krankheit auf die Seele tun? Wer kann nun überall bestehen? Wer kann an einem jeden bösen Tag Alles wohl ausrichten und das Feld behalten? Niemand, als wer stark in dem HErrn ist und in der Macht Seiner Stärke, und als ein solcher die Waffenrüstung Gottes angezogen hat. Was die Stärke in dem HErrn anbelangt, so ist sie freilich nicht die Stärke der sogenannten starken Geister, nicht der natürliche Mut, Scharfsinn und Eigensinn, sondern sie ist die Kraft eines Christen, welche er deswegen hat, weil er in Christo Jesu ist. Er ist alsdann stark in der Macht der Stärke Christi. Christus nämlich, der die unermeßliche Stärke oder Kraft des göttlichen Wesens in Sich selbst hat, und deswegen nicht nur nicht überwältigt werden kann, sondern auch mächtig genug ist, Alles was sich Ihm entgegen setzt, zu überwinden, teilt der Seele etwas von der Macht Seiner Stärke mit, und kann ihr desto mehr mittheilen, je mehr sie ausgeleert ist von dem Vertrauen auf sich selbst und auf andere Geschöpfe. Ein Christ sei und fühle sich nur schwach in sich selbst; denn die Kraft Christi wird in der Schwachheit vollendet, oder völlig offenbart. Ein Christ werde leer, damit ihn Jesus mit dem Geist der Kraft füllen könne. Er lasse sich alle falschen Stützen nehmen, damit er allein an dem HErrn bange. Er werde misstrauisch gegen alle eitlen Dinge, und vertraue sich zuversichlich der Hand Jesu Christi und Seines himmlischen Vaters, der größer ist als Alles. Ach dass wir viele starke Christen hätten, damit der ärgerlichen Fälle, der schädlichen Verwirrungen und verderblichen Rückfälle unter den Erweckten weniger würde! Der himmlische Vater gebe uns Kraft nach dem Reichtum Seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch Seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in unsern Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden. Eph. 3,16.17. Er stärke und bewahre uns vor dem Argen. 2 Thess. 3,3. (Magnus Friedrich Roos)


Seid stark in dem HErrn und in der Macht Seiner Stärke.
Pharao, der König in Ägypten, verstockte sein Herz, und wurde dadurch so fest und stark in seinem Mut, dass er alle Befehle Gottes, die durch Moses an ihn ergingen, mit Verachtung abweisen konnte, ob sie schon durch große und schreckliche Wunder bestätigt waren. Von dem König Antiochus dem Edlen, von dessen Übeltaten die Bücher der Maccabäer zeugen, wird Dan. 8,23. geweissagt, dass er stark von Angesicht sein werde, weil sein Angesicht bei keiner Schandtat eine Scham, und bei keiner Grausamkeit ein Mitleiden zeigen werde, wie denn diese Redensart Spr. Sal. 7,13. von einer unverschämten Hure, und 5 Mos. 28,50. von unbarmherzigen und grausamen Leuten gebraucht wird. Auch wird in der heiligen Schrift oft von Leuten geredet, die kein Arges scheuen, Ps. 36,5., und nach ihres Herzens steifem Gutdünken oder Willen wandeln, und entweder denken oder auch sprechen, was die Juden zu dem Jeremias Kap. 44,16.17. gesagt haben: nach dem Wort, das du im Namen des HErrn uns sagest, wollen wir dir nicht gehorchen, sondern wir wollen tun nach allem dem Wort, das aus unserem Munde geht. Gibt es nicht auch unter uns Leute, zu denen Gott den ganzen Tag Seine Hände ausstreckt, die sich aber nicht sagen lassen, und widersprechen? Röm. 10,21. Solche Leute kann man starke Geister in einem bösen Verstand nennen. Hingegen wird in der heiligen Schrift ein zerknirschtes und zerschlagenes Herz, ein zerbrochener Geist, ein fleischernes oder weiches Herz, ein Herz, das gegen Gottes Wort zart oder empfindsam ist, dergleichen eines Josia hatte, 2 Chron. 34,27., gepriesen. Dabei kann man in dem HErrn stark sein und in der Macht Seiner Stärke. Man widersetzt sich hier nicht dem Geist Gottes, sondern dem Satan und allem Bösen, das er in der Welt angerichtet hat. Dieses Böse ist entweder drückend oder reizend; wer aber in dem HErrn stark ist, bleibt unter dem Druck fest und unbeweglich, ja er bleibt heiter, und lässt sich den anhaltenden Druck in keine verdrießliche Mattigkeit hineintreiben; dennoch bleib’ ich stets an Dir, sagt ein solcher Mensch, wie der geplagte Assaph; den Reizungen aber widersteht er durch die Erkenntnis der Wahrheit, welche ihm die damit verbundene Gefahr entdeckt, und mit einem Glauben, welcher nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare sieht. Beide Äußerungen der geistlichen Stärke konnte man an Mose sehr deutlich wahrnehmen, Hebr. 11,24. u.ff. Alle irdischen Dinge unter der Sonne werden im Fortgang der Zeit matt, und durch eine zerstörende Kraft aufgerieben; aber die Stärke in dem HErrn ist über die Eitelkeit erhaben und in ihr selbst unvergänglich. Wenn solche Stärke gleich alt werden, sollen sie doch im Geist fruchtbar und frisch sein, dass sie verkündigen, dass der HErr so fromm ist, ihr Hort, und ist kein Unrecht an Ihm, Ps. 92,15.16. Nach dieser Geistesstärke sollen alle Kinder Gottes streben, und die Ermahnung Pauli, 1 Kor. 16,13: wacht, steht im Glauben, seid männlich und seid stark, auf sich deuten. Die höchste Nothwendigkeit erfordert diese Stärke, weil man ohne dieselbe durch die vielen aufstoßenden Versuchungen nicht durchdringt. Wo findet man sie aber? In dem HErrn Jesu, in dem eine Seele bleiben muss wie eine Rebe am Weinstock, und in der Macht Seiner Stärke, womit Er die Seele festhält, ja womit Er in ihr lebt. (Magnus Friedrich Roos)


Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.
Das Christenleben ist ein Kampf; nicht bloß mit der Not des Lebens, mit der Angst der Welt, sondern vor Allem mit dem Feind, der uns um unsrer Seelen Seligkeit bringen will. Zu diesem Kampfe ruft der Apostel uns auf. Zu diesem Kampfe zeigt er uns aber auch die rechte Rüstung und die Waffen, mit denen wir den Sieg behalten: Zieht an den Harnisch Gottes. Vor allen Dins gen ergreift den Schild des Glaubens. Des Glaubens an Gottes Gnade in Christo, des Glaubens: Ich bin Gottes Kind. Mit diesem Schilde deckt euch gegen die feurigen Pfeile des Bösewichts, gegen die bösen Gedanken, die pfeilschnell durch die Seele fliegen, sie mit unheiligem Feuer zu entzünden; wider die Zweifel und Fragen der Gewissensangst; wider die Pfeile des Todes und der Hölle. Wider sie alle lasst uns ergreifen den Schild des Glaubens, und lasst uns ihn halten bis in die letzte Stunde, dass wir auf diesem Schilde im Tode noch liegen. Und nehmet den Helm des Heils. Die gewisse Hoffnung unsrer ewigen Erlösung, unseres himmlischen Erbes, das ist der strahlende Helm, mit dem bedeckt wir mutig unsre Häupter aufheben, dem Feinde zum Trotz. Und ergreift das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes! Mit dem Worte stärkt eure Seele in jeder Versuchung. Wie der Heiland in der Wüste, weist den Feind zurück mit dem: Es steht geschrieben! Wie manche Seele ist schon durch so einen Bibelspruch vor tiefem Falle bewahrt! Dieses Schwert in der Hand, könnt ihr das Feld behalten. So wird der Kampf zum Siege. (Adolf Clemen)


Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem HErrn und in der Macht seiner Stärke.
Das Wort Gottes, welches ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und durchdringt, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens, dieses Wort Gottes hat, seitdem es gepredigt wird, seine Feinde gehabt und wird sie auch behalten, bis der HErr selbst kommen und die Widerwärtigen verzehren wird mit dem Geist seines Mundes. So haben sie gehasst die Propheten, die vor Christo gewesen sind, und haben sie getötet; so haben sie den Sohn Gottes selbst umgebracht, weil seine Werke gut waren, und er ihre bösen Werke, ihre Werke der Finsternis strafte; so haben sie verfolgt die Apostel und alle jene treuen Blutzeugen des HErrn, die für sein Bekenntnis sich jeglicher Marter und jeglichem Tode unterzogen, die Spott und Geißeln, Bande und Gefängnis erlitten, die gesteinigt, zerhackt, zerstochen und durchs Feuer getötet wurden, deren die Welt nicht wert war. Und wissen wir, ob nicht diese Auftritte sich auch in unsern Tagen erneuern werden? was lässt sich von unserer Christusarmen Zeit, wo das Wort vom Kreuz zwar viele hungrige Seelen, aber ebenso viele offenbare oder heimliche Feinde, Spötter und Lästerer antrifft, was lässt sich von unserer Christusarmen Zeit Gutes erwarten? Der Teufel hat einen großen Zorn. Zwar der HErr wird ihn unter seine Füße treten, wenn seine Zeit vollendet ist; aber bis jener Tag anbricht, dessen Morgenröte wir vielleicht jetzt schon sehen, da tut es not, recht fest zu stehen auf dem starken Felsen, auf welchen wir erbauet sind, auf Jesus Christus. Uns vorzüglich gilt das Wort des Heilandes: lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen, und seid gleich den Menschen, die auf ihren HErrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, ihr ihm bald auftut!

Wie nötig ist es gerade jetzt, sich recht in die Waffenrüstung Gottes zu werfen, zu ergreifen den Harnisch Gottes, den Schild des Glaubens, den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes, auf dass wir an dem bösen Tage Widerstand tun, die feurigen Pfeile des Teufels auslöschen, Alles wohl ausrichten und das Feld behalten mögen! (Ludwig Hofacker)


Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.
Man kann vom Christentume wunderbarer Weise sagen, dass zu keiner Sache weniger Mut, Kraft und Klugheit erforderlich sei, als zu dieser. Die Kundschafter, welche das Land Kanaan erkundschaftet hatten, sagten: Wir sind wie Ameisen gegen diese Einwohner, und nachgehends sagt Gott selbst: es verhält sich wirklich so. Josua widersprach dem auch nicht, behauptet aber, dessen ungeachtet wollten sie wie wir Brot essen. In geistlicher Beziehung sagte der nämliche teure Mann nachher: Ihr könnt dem Herrn nicht dienen, wiewohl er von sich und seinem Hause sagt: Wir wollen dem Herrn dienen. Es musste also keine Kraft dazu erforderlich sein. Wie wäre es auch sonst wohl dem Paulus gegangen, der nicht tüchtig war, etwas zu denken; dem David, der so ohnmächtig war, dass er nicht reden konnte; dem Agur, der nicht wusste, was heilig ist; den Römern, die nicht wussten, was sie beten sollten. Aber wenn wir sagen, zu keinem Unternehmen sei weniger Kraft erforderlich, so verstehen wir darunter eine solche Kraft, Herzhaftigkeit und Klugheit, welche man schon vorab besitzen und wie ein Kapital mit in den Handel niederlegen musste, also sie nicht bei Jesu zu suchen oder ihn dazu anzunehmen brauchte. Mein Rat und Kraft muss vielmehr ganz verschwinden, dann steht mir die Allmacht bei. Seid stark, sagt Paulus, setzt aber auch hinzu: In dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Der Herr ist mit dir, sagte der Engel zu Maria. Und das macht's eben aus; da sagt der Apostel: Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. (Gottfried Daniel Krummacher)


Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem HErrn, und in der Macht Seiner Stärke. Zieht an den Harnisch GOttes, das ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um des willen, so ergreift den Harnisch GOttes, auf dass ihr an dem bösen Tage Widerstand tun, und Alles wohl ausrichten, und das Feld behaltet mögt. So steht nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gestiefelt, als fertig, zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichts. Und nehmt den Helm des Heils, und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort GOttes. Und betet stets in allem Anliegen, mit Bitten und Flehen im Geist, und wacht dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen.
Wir stehen jetzt in einer Zeit, darinnen Alles nach Reformation schreit, ja Reformation an Haupt und Gliedern, denn die Kirche ist wieder so in Verfall geraten, wie sie es kaum in der katholischen Zeit war. Wir haben eine christliche Volkskirche, aber kein christliches Volk. Ein verschwindend kleiner Teil beteiligt sich noch am Gottesdienste und am heiligen Abendmahle. Aus dem häuslichen Leben, aus der Sitte des Volkes ist die Religion so sehr geschwunden, dass die Juden und Muhamedaner, die Heiden und Katholiken die Lutheraner beschämen. Kein Heide, kein Katholik, kein Jude, kein Muhamedaner schämt sich, öffentlich zu seinem GOtt zu beten, wenn gleich noch so viele Leute umherstehen; aber ein lutherischer Christ bringt es fertig, an den Tisch zu gehen wie das Tier an die Krippe und sich seines Christentums zu schämen. Seht, liebe Christen, so herrlich weit haben wir es gebracht, dass wir ein Heidentum führen, da wir uns doch Christen nennen lassen. So weit war die Kirche in der katholischen Zeit nicht verfallen. Da wurde Gottesdienst täglich gehalten und dieser täglich von Scharen Andächtiger besucht. Und wie sieht es aus auf den Kanzeln unserer lutherischen Kirche? Ihr wisst, dass Pastoren jetzt das Wort führen, welche offen und ungestraft die Grundlehren des Christentums leugnen, trotzdem sie geschworen haben, bei der Lehre des Wortes GOttes, wie sie in der ungeänderten Augsburgischen Confession zusammengefasst ist, treulich verbleiben und dieselbe unverfälscht vortragen zu wollen. So stehen also solche Diener am Altar als Lügner und Meineidige und reichen dem Volke Gift statt gesunder Speise. Es kann nun nimmer in einer Kirche Lüge und Wahrheit gleichberechtigt sein. Eine Kirche, welche ihren Dienern solches hingehen lässt und damit ein Christentum ohne einen Christus und eine Kirche ohne den Grund der Auferstehung, auf welcher die ganze Kirche ruht, durch ihr Schweigen als zulässig erklärt, hört auf, eine christliche Kirche zu sein, und führt die ihr anvertrauten Seelen in die Hölle, nicht in den Himmel. Wir sehen nun auch, wie teilweise das christliche Volk sich gegen die Duldung solcher Geister erhebt und eine Reformation verlangt, damit wir wieder eine Kirche haben, darinnen die reine Lehre nicht nur geduldet wird, sondern worin sie allein Geltung hat. Aber bedenken wir, meine Lieben, was einst ein Cardinal einem Papste antwortete, als er vor der Reformation in die Reihen der Kardinäle hineinrief: Reform! Reform!, da sagte der Cardinal: Ja, fangen wir bei uns selber an, aber dazu hatte freilich Niemand Lust. Mein lieber Christ, es wird heut zu Tage von allen Seiten Resort gerufen, aber auch heute muss man sagen, Schreien ist wohlfeil; fangen wir bei uns selber an! Wenn die Christen, welche im Glauben stehen, wie Lichter leuchten, dann werden sie die Finsternis bald durchdringen, denn sie haben die Verheißung, dass sie die Welt überwinden sollen. Aber wo sind die Gläubigen, welche allezeit in der Uniform ihres GOttes einhergehen und durch ihren Wandel bezeugen, dass sie Christen sind? Wo sind die wahrhaft evangelischen Familien, in denen der Glaube und die Liebe das Regiment führen? Wo sind denn die Bekenner des HErrn, deren Wandel so von der Liebe durchdrungen ist, dass man auf ihrem Gesichte den Schein ihrer Glückseligkeit liest, so dass Jeder, der sie sieht, sich sagt, so glücklich möchtest du auch sein!? Ja, liebe Christen, machen wir erst selber Ernst mit dem Christentum, sorgen wir erst dafür, dass das Christentum bei uns selbst zu Fleisch und Blut wird, so dass unser eigenes Leben vom Christentum durchdrungen ist, dann werden wir des HErrn Zeugen sein, auch wenn wir den Mund nicht austun. Hast du den Opfermut, welcher bewiesen, dass dir dein HEiland über Alles steht, oder gehörst du nur zu den Leuten, welche wohl ein Christentum wollen, aber ein möglichst billiges. Eine Sache, welche keine Opfer wert ist, ist eine verlorene Sache. Wenn das Christentum wirklich in Fleisch und Blut eingedrungen, dann werden die Christen hundertfach größere Opfer bringen, als sie jetzt bringen, und sie werden sie bringen können, denn „wer da gibt, dem wird gegeben!“ Liebe Christen, lasst uns daher uns einmal fragen, ob wir nicht an der Schande Teil haben, dass so viele christliche Anstalten heut zu Tage immer jammern über den Mangel an Geldmitteln, und dass dieselben auf allerlei Abwege sinnen müssen, um die notwendigsten Bedürfnisse zu bestreiten. Wahrlich, das war in der katholischen Zeit anders und ist noch jetzt bei den Katholiken anders. Denkt man an die zahllosen Klöster, an die Menge der Geistlichen, an die prachtvollen Gotteshäuser und die kostspieligen Gottesdienste und dann schäme sich Jeder, welcher Reformationsfest feiern will, wenn er nicht bisher regelmäßig einen Teil seiner Einnahme hergegeben hat zum Bau des Reiches GOttes. Ja, ihr lutherischen Hausväter und Hausmütter, Reform bei euch! Wie wollt ihr vor GOttes Angesicht bestehen, wenn ihr nicht die christliche Hausordnung in eurem Hause habt, wenn nicht bei euch GOttes Wort den Tag anfängt und ihn beschließt! Reform bei euch, ihr lutherischen Christen, die ihr noch meint, leben zu können ohne ein regelmäßiges Christentum; die ihr noch meint, es sei nicht nötig, an jedem Sonntage in die Kirche zu gehen und an jedem Gottesdienste Teil zu nehmen! Schande über jeden Christen, der auch nur einen Sonntag mutwillig vom Hause GOttes fern bleibt! Schande über jeden Christen, der auch nur einen Tag hingehen lässt, an welchem er nicht in dem Worte GOttes liest! Schande über jeden Christen, welchem es auf einen Taler nicht ankommt, wenn er unter lustigen Freunden sitzt, aber welcher das Markstück bekneift, wenn er es zum Dienste des HErrn ausgeben soll!

Ja, ich höre wohl, dass ihr bei euch sagt, das wäre ja Alles recht schön, wenn wir es nur fertig bringen könnten, aber die Menge unserer Gegner ist groß, und unsere Zahl ist klein, woher nehmen wir den Mut zum entschiedenen Christentum, woher die Kraft zur Durchführung dessen, was auch wir für Recht erkennen? Darauf antwortet nun einfach unser Text: Unsere Stärke ruht in der Macht JEsu Christi, in dem HErrn können wir stark sein. Mit unserer Kraft ist's freilich nicht getan, wir sind gar bald verloren; aber wir haben einen Heerführer, der uns im Kampfe mächtig zur Seite steht. Seid stark in dem HErrn! Ja, liebe Christen, dass unser HErr der Stärke genug hat, wissen wir Alle, aber wie fangen wir es an, Seine Stärke uns anzueignen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Glaube. Der Glaube ist der Kanal, durch welchen die Kraft Christi in unsere Adern fließt. Ei, sprichst du, an dem Glauben mangelt es wahrhaft nicht bei mir, und dennoch fühl ich mich so schwach. Das macht, du hast nur einen papiernen Glauben, du hast Nichts dagegen, dass das Alles wahr ist, was in der Heiligen Schrift steht, aber diesen Glauben haben die Teufel auch und können doch dabei Nichts weiter tun als lästern.

Lasst uns ruhig einmal damit beginnen, dass wir wirklich mit dem Glauben Ernst machen und das tun, was GOttes Wort uns sagt. Dann werden wir vor allen Dingen tätig sein müssen im Reiche GOttes, wir werden nicht mehr zusehen, wie andere Leute arbeiten, sondern wir werden vor allen Dingen selber Hand aus Werk legen und werden Steine zum Bau des Reiches GOttes zusammentragen. Amen. (Johannes Paulsen)

Predigten

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