Johannes 4,13
Andachten
Wer dieses Wasser trinket, den wird wieder dürsten.
Jesus meint hier zuerst nur das Wasser aus dem Jakobsbrunnen. Er spricht dann aber von allen irdischen Brunnen. Das Weib von Samaria kennt bis jetzt nur den Brunnen, den ihre Augen sehen. Der ist ihr genug. Was Jakob getrunken und seine Kinder und sein Weib, das ist ihr genug. Sie begehrt nichts Besseres und Höheres. Und wie Viele, die ihr gleichen! Sie lassen sich genügen an der Arbeit der Erde und an der Lust der Erde. Tausende vor ihnen haben auch daran genug gehabt, und sie haben ja doch auch gelebt. Warum nicht auch sie? Aber Jesus will in ihnen den Durst nach etwas Besserem erwecken. Darum spricht er: Wer dieses Wasser trinkt, den wird wieder dürsten. Er sagt es von allen irdischen Brunnen. Wo sind Die, die von den irdischen Genüssen und Gütern im innersten Herz satt und befriedigt heimkehren? Wann kämen sie je dahin, zu sprechen: So, jetzt bin ich satt. Jetzt hab ich genug für Leben und Sterben?
Es bleibt die innere Leere. Und sie muss bleiben. Denn Jesus, der das Menschenherz kennt, hat gesagt: „Wer dieses Wasser trinkt, den wird wieder dürsten.“ Er hat es gesagt von allen Erdendingen, von Freundschaft und Liebe, von Geld und Glanz, von Ehre und Macht. Sie sind nicht Sünde, sind rein und gut, denn Gott gibt sie. Sie sind so rein und gut, wie die Perlen und Edelsteine, mit denen in der Hand der Wandrer doch verschmachten muss in der Wüste. Sie können wohl reich machen, können erfreuen und beglücken. Aber sie können den Durst nicht stillen Dem, der verschmachten muss in der Wüste. (Adolf Clemen)
Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.
Das Wasser des Lebens ist vorhanden; Christus gibt es allen Dürstenden; es stillt den Durst ewiglich, denn wem es gegeben wird zu trinken, in dem wird es eine ins ewige Leben sprudelnde Quelle. Hast du nun getrunken von diesem Wasser? Hast du in dir das Leben, welches aus Gott stammt und zu Gott wallt, des Wassers Quell, welches ewig lebendig ist und deshalb ins ewige Leben quillt? Wenn du glaubst, so sprich: Ja! Doch glaubst du auch recht, wie wir glauben sollen nach Gottes gnädiger Ordnung? Christus gibt das lebendige Wasser mit freigiebiger Freude jedem Durstigen, doch er gibt es nicht anders, als mittelst der Kanäle des heiligen Geistes, welche Himmel und Erde miteinander verbinden, nämlich durch das Wort und die Sakramente. Im Wort und im Sakrament ist Christus, welcher wohl da ist überall im Himmel und auf Erden, für uns da, und will sich daselbst von uns finden, fassen und halten lassen. Dass er aber mit seinem Leben in uns einkehrt und ein sprudelnder Friedensund Gnadenquell in uns wird: wie anders mag solches geschehen, als durch dasselbige Wort, welches seinen Geist zum Geiste unsers Lebens macht, und durch dieselbigen Sakramente, welche seine gottmenschliche. Person hineinbilden in unsere Person und Leib und Seele verklären in sein Bild? Gar schön sagt ein alter Lehrer: „Das lebendige Wasser was ist es anders als das Leben in der Kindschaft Gottes, so wir in der Taufe empfangen? Was ist es anders als das Leben Christi, welches uns nährt in Leib und Blut des Abendmahls? Was ist es anders als das Leben des heiligen Geistes, welches im Evangelio uns geschenkt wird? Ja, das Wasser ist es, welches in dem Herzen Gottes des Vaters als Brunnenquell, in allen Engeln als Bach der Herrlichkeit, in den Auserwählten als Wellenschlag des Lebens sich erzeigt, und welches Alle, die daraus trinken, mit sich fort führt in seinen ewigen Mutterschoß, in der Gottheit unergründliches Meer, zu dem es zurückflutet.“
Drum gib mir zu trinken, wie's dein Wort verheißt, Lass gänzlich versinken den sehnenden Geist Im Meer deiner Liebe. Lass heilige Triebe Mich immerfort treiben zum Himmlischen hin, Es werde mein Herze ganz trunken darin. (Friedrich Besser)