Matthäus 4,23

Andachten

Und Jesus ging umher im ganzen galiläischen Lande, lehrte in ihren Schulen und predigte das Evangelium von dem Reiche, und heilte allerlei Seuche und Krankheit im Volke. Und sein Gerücht erscholl in das ganze Syrierland. Und sie brachten zu ihm allerlei Kranke, mit mancherlei Seuchen und Qual behaftet, die Besessenen, die Mondsüchtigen, und die Gichtbrüchigen; und er machte sie alle gesund.
Es ist etwas auf Erden, vor dem alle menschliche Größe verschwindet, vor dem alle menschliche Hoheit sich beugen muss, ja wo man sagen muss: Wie gar nichts sind doch alle Menschen! Das ist das menschliche Elend. Ihm gegenüber sind die Größten, Mächtigsten und Weisesten der Erde gar nichts. Sie können sich nicht selbst davor schützen und können niemand daraus erretten. Es kehrt in die Paläste so gut ein wie in die Hütten. Es gibt Könige, die blind sind, und es gibt Millionäre, die lahm sind, und es gibt niemand, der sein Haus dem Tode verschließen kann. Der reiche Mann stirbt sowohl wie der arme Lazarus. Aber so hat nie ein Mensch dem menschlichen Elend gegenübergestanden, als Jesus von Nazareth. Er steht über ihm in göttlicher Macht und Majestät in der Weise eines Menschen, der in der Höhe Gott der Herr ist. Es begegnet ihm in jeglicher Gestalt, und er gebietet ihm, und es weicht vor ihm hinweg wie die Schatten der Nacht vor der aufgehenden Sonne, und mitten in dem Elend der Menschen erscheint auf einmal die Majestät, die die Schrift schildert in den Worten: „So er spricht, so geschieht's; so er gebeut, so steht es da.“ Was sind alle Taten der Mächtigen und Gewaltigen der Welt gegen die Taten des Herrn Jesus; ja was sind selbst alle Taten der Propheten und der größten unter den Gesandten und Menschen Gottes gegen seine Taten! Auch Moses, der Mittler des alten Bundes, hat Zeichen und Taten und Wunder verrichtet, vor der die königliche Macht sich beugen musste, aber wie verschwinden seine Taten gegen die seines Herrn. Seine Taten waren Taten des Schreckens; es waren Plagen, es waren Gerichte. Aber die Taten des Herrn sind lauter Wohltaten, lauter Liebestaten; aus jeder leuchtet nicht nur die Herrlichkeit der Macht, der Majestät Gottes, sondern zugleich mit ihr die Herrlichkeit der Liebe Gottes, die Offenbarung seiner großen Barmherzigkeit. Die Taten Moses verbreiten Schrecken und Entsetzen, die Taten des Herrn verbreiten Freude und Wonne. Moses durchzieht mit seinen Taten Ägypten wie eine Gewitterwolfe, die alles überschattet und Schrecken und Entsetzen verbreitet. Der Herr geht mit seinen Taten wie eine Sonne auf, die das ganze Land überstrahlt und überall den Fluch in Segen verwandelt. Seine Taten rufen es laut in die Welt hinein: Er ist der Verheißene, er ist der Heiland, der da hilft, er ist der Herr, der auch vom Tode errettet! Zu ihm darf man kommen, wie man ist, mit allen seinen Sünden, mit allem seinen Elend; er nimmt uns an und hilft uns! Man braucht ihm nichts zu bringen, kein Geschenk, keine Gabe; er fordert nichts von uns um es zu vergelten, er macht auch Keine Bedingung; er fordert nicht etwa vorher eine Besserung und nachher einen Dank; er verlangt gar nichts, als dass man zu ihm kommt und zu ihm sagt: Ich habe deine Gnade, deine Hilfe nötig; ich bin so elend; wenn du mir nicht hilfst, dann kann mir niemand helfen, dann muss ich sterben in meinen Sünden, dann muss ich umkommen in meinem Jammer. Er verlangt nichts, als dass wir seiner Liebe vertrauen sollen, dass wir an seine Macht glauben sollen. So hat er sich dargestellt allen Menschen gegenüber; so haben ihn erfahren alle, die sich so an ihn gewandt haben, ohne eine einzige Ausnahme. So war er, und so ist er auch heute noch. Selig sind die Armen, selig sind die Leidtragenden, selig sind die Hungernden und Dürstenden nach Gerechtigkeit, selig sind die Elenden, selig die Menschen, die unter der Last der Sünde und des Todes weinen; denn für sie ist er da, ihre Traurigkeit in Freude zu verwandeln. Wo die Menschen reich sind, wo sie sagen: ich habe genug und bedarf nichts, wo sie keine andern Tränen kennen als die der Leidenschaft und der weltlichen Traurigkeit: da ist er nicht, und da wird es nicht erfahren, was er ist, und was er den Menschen sein kann und sein will. Aber wo die Menschen sich arm und elend fühlen, wo sie es erkennen, dass sie einen barmherzigen Heiland und einen allmächtigen Helfer nötig haben: da ist er und da offenbart er sich, und da muss endlich jede tiefe Klage sich verwandeln in den Freudenruf: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes meines Heilandes; denn er hat große Dinge an mir getan!“ (Friedrich Mallet.)

Predigten

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
nt/40/matthaeus_4_23.txt · Zuletzt geändert: von aj
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain