Matthäus 26,47
Andachten
Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfen einer, und mit ihm eine große Schaar, mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volks.
Jesus wird gebunden und gefangen weggeführt. Judas steht an der Spitze der Feindesschaar, und diese besteht aus Soldaten, aus Dienern der Hohenpriester und Pharisäer, und zugleich aus einigen Abgesandten der jüdischen Geistlichkeit. Wenn es auf Christum und seine Sache los, geht, so geben Pfaffen und Soldaten sich die Hände, und an der Spitze steht auch oft ein Verräter. Wie hatte der unglückliche Judas so tief sinken können? An äußern und innern Stimmen hatte es ihm in der ganzen Zeit, während welcher er den Herrn begleitete, nicht gefehlt, aber er war nie aufrichtig gewesen gegen seinen Meister, und wer sich dem Herrn nie recht zeigen will, wird auch zuletzt ein Judas. Und je mehr wir Gnade genossen haben, je schwerer wird die Rechenschaft. Jesus wird gebunden. Die Bande Jesu sind unsere Sündenbande und auch alle geistigen Gebundenheiten, von denen wir selber uns nicht hätten losmachen können. Es gibt keinen trostreichern An blick für ein gequältes und in Sünden verstricktes Gewissen, als der Anblick der Bande Jesu. Alle unsere Bande hat er auf sich genommen, um uns zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes zu verhelfen. Man zerplage sich nicht in der eignen Kraft, wenn man von einer Sünde nicht loskommen kann; glaube fest und freudig, du bist schon davon losgekommen, schaue nur auf deinen Stellvertreter; seine Bande sind ja die deinen, und schon vor achtzehnhundert Jahren hat er dir sie abgenommen. Der Feindestrupp hat Schwerter und Stangen und Laternen; Christus hat nur sein Wort, aber das schlägt (Joh. 18, 6) die ganze Schaar zu Boden. Die Welt kämpft gegen Christum mit fleischlichen Waffen; sie hat nur rohe Gewalt, und je mehr man auf so plumpe Weise Christum verfolgt, je mehr gewinnt man ihm Anhänger. Aus der Asche eines Märtyrers steigen zehn andere auf, und die Schlagkraft des göttlichen Worts bewährt sich nie herrlicher als in Zeiten der Verfolgung. (Friedrich Lobstein)