Jesaja 40,27
Andachten
„Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott über! Weißt du nicht? hast du nicht gehört? der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, Sein Verstand ist unausforschlich.“
Hier finden wir die Gedanken eines verzagten Menschenherzens im Widerspruch mit dem Gedanken Gottes. Und noch mehr: es sind undankbare Gedanken von Kindern Gottes, es sind Jakob und Israel, welche sich dieser unwürdigen Klagen schuldig machen - sie zweifeln an der Gerechtigkeit seiner Wege. „Gewiss,“ so denken sie in ihrem verzagten Sinn, „gewiss kennt Er gar nicht unsre Lage, unsere Versuchungen, unsere Verlegenheiten, sonst würde Er uns längst zu Hilfe gekommen sein - gewiss, unser Weg ist Ihm verborgen, und unser Recht geht vor Ihm über!“
So dachte Gideon in der Stunde seiner ungläubigen Mutlosigkeit, als Israel sieben Jahre lang unter dem Joch der Midianiter geseufzt hatte: „Ist der Herr mit uns, warum ist uns denn solches alles widerfahren?“
So dachte David in der Wüste Gilead, als er, ein gebeugter Flüchtling, mit bittern Tränen die Herausforderung seiner Feinde wiederholte, die beständig zu ihm sprachen: „Wo ist nun dein Gott.“ Ps. 42,11. So dachte Assaph in den Stunden des Unglaubens, wenn er sehen musste, dass es den Gottlosen so wohl ging, und dass sie die Frommen unterdrückten. Da hätte er schier gestrauchelt mit seinen Füßen, und sein Tritt hätte beinah geglitten, denn er konnte die göttliche Führung nicht verstehen und in seiner Trostlosigkeit rief er aus: „Hat denn Gott vergessen, gnädig zu sein und Seine Barmherzigkeit vor Zorn verschlossen? ist's denn ganz aus mit Seiner Güte? und hat die Verheißung ein Ende?“ Ps. 77,8.9.
So dachten auch Martha und Maria in ihren großen Schmerz, als ihr Bitten vergeblich gewesen war, und keine Hilfe erschien. Sie hatten so fest gebaut auf die zärtliche Liebe dieses großen Heilandes - wie konnten sie aber jetzt, in der Stunde der Verzagtheit, Ihm noch vertrauen! wenn Er sie und den Verstorbenen in der Tat geliebt hätte, wie hätte Er denn noch zwei Tage an dem Ort bleiben können, da Er war, und nicht vielmehr zu ihnen eilen? Das war kein Zeichen der Freundschaft, sondern ein Beweis, dass Er ihrer vergessen hatte. Ja, das war ihr rasches und misstrauisches Urteil; ja gewiss, unser Weg ist vor Ihm verborgen! Er ist vorbeigegangen und hat uns vergessen! Joh. 11.
Aber hört nun, ihr Verzagten! „Meine Gedanken sind nicht Eure Gedanken.“ Ich bin der Herr, und bleibe, wie ich bin. Ihr seid müde geworden und verzagt, aber ich, der ewige Gott, der Herr, ich werde niemals müde und matt. Gehe weiter auf deiner Heldenbahn, du Gideon! verlasse dich auf Mein Wort, gehe hin in deiner kleinen Kraft, und werde stark und mächtig im Streit, dass die Feinde vor dir fliehen müssen. Geh hin, du müder Pilger von Gilead, nimm deine Harfe von den Weiden und singe dem Herrn ein Lied im fremden Land, denn Er wird bald dein Weinen in Freude verkehren, sei getrost und fürchte dich nicht. Gehe hin, du trauernder Sänger des alten Tempels, „gedenke der alten Zeit, rede mit deinem Herzen,“ und stille dein Murren: „ich muss das leiden, aber ich will Seiner ewigen Wunder gedenken, an die Taten des Herrn, an die vorigen Zeiten.“ Ps. 77. - Ihr traurigen Schwestern in Bethanien, auf, geht dem Heiland entgegen, trocknet eure Tränen. Er hat Seine weisen, aber Euch und Seiner Kirche noch verborgenen Gründe für sein langes Ausbleiben. Nur das denkt nicht von ihn: mein Gott hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen!“
Lasst uns, auch wenn unser Weg im Dunkeln geht, auf Gottes Treue und Liebe vertrauen, der allmächtige Gott, der unser Bruder geworden ist, hat gesagt: „Siehe, Ich bin bei euch alle Tage.“ Er lebt und liebt in Ewigkeit, und wenn Alles uns verlässt, und wenn Alles um uns her, auch was uns das Liebste ist, hinfällig und schwach wird, so wird doch Er niemals „müde und matt!“
Das Leben ist in Dir
Und alles Licht des Lebens,
An mir lass Deinen Glanz,
Mein Gott, sein nicht vergebens;
Weil Du das Licht der Welt,
So sei mein Lebenslicht,
O Jesu! bis mir dort
Dein Sonnenlicht anbricht. (John Ross MacDuff)
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott über?
Ist denn je unser Weg dem Herrn verborgen? Wohl verstehen wir oft des Herrn Wege nicht. Was vor ihm Heil und Gnade ist, erscheint uns als Gericht und Schrecken. Sein Verstand ist ja unausforschlich. Aber keiner unsrer Wege ist ihm verborgen; kein einziges Opfer und Gebet, das nicht sein Herz erreichte. Denn der ewige Gott wird nicht müde noch matt. Hebt eure Augen in die Höhe und seht die Sterne. Sein ist die Macht. Hebt eure Augen auf und seht Gottes Sohn am Kreuz. Sein ist die Liebe. Und seine Macht und Liebe hat keine Schranke und kein Ende. Sie ist immer auch für uns da. Aber Gott sendet Zeiten, wo wir nichts fühlen von seiner Macht und Liebe; Zeiten innerer Einsamkeit und Dürre und Öde. Gott braucht diese Zeiten, uns zu demütigen, dass wir völliger allem Eignen entsagen, völliger uns dem Herrn öffnen, damit ungehemmt seine Kraft in uns einströmt. Die auf den Herrn harren, die durch alle Schwierigkeiten und Anfechtungen hindurch die Hand nach oben strecken: „Dennoch bleibe ich stets an dir“, die empfangen Kraft aus unversiegbarer Quelle. Das eigne Tun und Sorgen schafft und nimmer Heil. Die eignen Vorsätze wanken. Aber der Glaube hebt uns empor, dass wir auffahren mit Flügeln wie Adler: unter uns Wolken und Dunkel, über uns die Sonne göttlicher Liebe und Erbarmung. Über allem Altern und Zerfallen eigner Kraft schafft uns der Glaube eine innere Verjüngung. Lobe den Herrn, meine Seele, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, dass du wieder jung wirst, wie ein Adler. (Adolf Clemen)
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagest: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott über? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt; sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.
Barmherziger, getreuer Gott, du ewiger Vater unsers Herrn Jesu Christi, wir sagen dir Lob und Dank für alle Wohltaten, die wir ohne Unterlass von deiner milden band empfangen, dass du uns die ganze Zeit unsres Lebens so väterlich behütet und uns den heutigen Tag hast gesund erleben lassen. Insbesondere danken wir dir, dass du uns dein heiliges Wort gegeben, daraus wir dich und deinen heiligen Willen erkennen und Lernen können, wie wir christlich leben und selig sterben sollen. Wir bitten dich, gütiger Gott, erhalte uns bei deinem Wort, dass wir darin leben und wandeln, immer und ewiglich. Bewahre uns vor Unglauben und Sünde.
Bewahre uns auch an diesem Tage vor jedem Unrecht. Erhalte rein unsre Hände und Sippen und bergen. Breuer Gott, deinem Schutz befehlen wir uns und Alles, was uns am Herzen liegt. Behüte uns heute vor allem Übel, und was du nach deinem ewigen Rate über uns verhängst, das lass zu unserm Besten dienen. Halte uns mit deiner starken Hand in allen Versuchungen und Anfechtungen, dass wir nicht zu Schanden werden. Mache uns Alle fest im Glauben, aufrichtig in der Liebe untereinander, unbeweglich in der Hoffnung, stark im Kampf wider die Sünde, und in der Gottseligkeit treu bis ans Ende. Amen. (Adolf Clemen)