Psalm 119,1
Andachten
Wohl denen, die ohne Wandel (unsträflich) leben, die seine Zeugnisse halten.
Wohl sein, froh sein, wollen und suchen alle Menschen, nur gewöhnlich da nicht, wo es zu finden ist. Ehe ein Mensch Vergebung der Sünden, von Gott in Christo, durch seinen Geist bezeuget und verpfändet, erhalten hat, kann ihm nirgend wahrhaft wohl, er kann nicht selig sein. Vergebung, Gnade erlangen, ist die Türe, der Anfang des wahren Wohlseins. Geht er in der Gnade fort, lässt er sich von seinem Erbarmer auch heilen von allen Gebrechen, auch stärken in aller Schwachheit, erleuchten in dunklen Wegen, reinigen, heiligen durch seinen Geist - gewöhnt er sich an Ihn, lernt in ihm bleiben, in ihm wandeln ohne Wandel, untadelig; so zeigt ihm der gute freundliche Heiland seine Gnadenschätze, seine Heilsgüter, und macht ihn trunken von den reichen Gütern seines Hauses; lässt ihn täglich mehr schmecken seine Freundlichkeit, schenkt ihm die göttliche Natur, den reinen heiligen Sinn, macht ihn seinem Ebenbilde gleichförmig an Gerechtigkeit, Seligkeit und Herrlichkeit. Und nun hat die Seele das wahre Wohlsein, die Freude und Seligkeit gefunden, die ihr nicht wird genommen werden. Sie ruht in Jesu Armen. Wer will sie daraus reißen? wer ihr die Freude nehmen? Wenn sie nicht selbst will, darf sie niemand aufwecken, niemand stören. Hohelied 2,7. (Johannes Evangelista Gossner)
Wohl denen, die ohne Wandel leben, die im Gesetze des Herrn wandeln. Wohl denen, die seine Zeugnisse halten, die ihn von ganzem Herzen suchen. Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle. O dass mein Leben deine Rechte mit ganzem Ernst hielte!
O allmächtiger, barmherziger Gott und Vater, in dessen Willen wir all unser Tun und Lassen, Anfang und Ende setzen, du wollest uns an deiner treuen Hand führen und all unser Dichten und Trachten, Herz, Sinn, Mut und Gedanken, und alle unsere Worte und Werke mit deinem heiligen Geiste regieren. Hilf uns in dieser Welt heute und alle Tage also wandeln, dass wir nach dem himmlischen Vaterland, welches uns Christus erkauft hat, ein herzliches Verlangen tragen und dasselbe nicht durch ein böses Leben verscherzen. Beige uns, o Gott, das Vorbild deines lieben Sohnes, ihm treulich zu folgen. Gib uns ein neues Leben durch die Kraft seines Todes und seiner Auferstehung, ein Leben in Gerechtigkeit und Heiligung, samt einer lebendigen Hoffnung. Dein guter Geist führe einen Jeden von uns in seinem Stand und Beruf, dass wir das Unsre verrichten mit aller Treue. Mehre und heilige in unsern Herzen die Liebe, dass wir mit Denen, die du uns als die Nächsten gegeben hast, in Eintracht und Frieden leben, tragen Einer des Andern Last, mit aller Geduld und Sanftmut. Dein guter Engel führe uns und bewahre uns auf allen unsern Wegen. Siehe, o Herr, unsern Leib und unsere Seele, und Alles, was deine Gnadenhand uns gegeben hat, befehlen wir in deine treue Obhut. Lass Alles wohl gelingen. Hilf uns zu unserm täglichen Brot, hilf uns zur Arbeit und Gesundheit; hilf uns zu allem Guten; hilf uns zur Seligkeit, um Jesu willen. Amen. (Adolf Clemen)
Wohl denen, die ohne Wandel leben, die im Gesetz des HErrn wandeln.
Der 119. Psalm ist ein Spiegel eines geistlichen, christlichen Lebens, und eine herzliche Vermahnung zur Liebe des göttlichen Worts - also eine rechtschaffene Richtschnur des Lebens, darinnen alles zusammengefasst ist, was zu einem christlichen Leben gehört; ist auch ein ausbündiges Exempel der himmlischen und geistlichen Redekunst, dass ich es dafür halte, dass dergleichen nirgends, weder in geistlichen noch weltlichen Schriften zu finden sei; denn die Hauptlehre dieses Psalms ist: Selig sind die, so Gottes Wort fleißig lernen, und ihr ganzes Leben danach richten! Es hat aber der liebe David diesen Psalm ausgeteilt und unterschieden nach den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets, und einem jeden Buchstaben acht Verse zugeeignet, da ein jeder Vers mit einerlei (hebräischen) Buchstaben anfängt. Damit er uns lehren will, dass, so wenig als einer der lesen kann, die Buchstaben vergisst, so wenig sollen wir auch des göttlichen Worts in allem unserm Tun vergessen; sondern wie aus den Buchstaben ein verständliches Wort wird, und aus den Worten eine verständliche Rede; also soll aus dem Wort Gottes ein heiliges und gottseliges Leh wachsen, als eine gute Frucht aus einem edlen Samen. (Johann Arnd)