Hebräer 9,15
Andachten
Christus ist ein Mittler des Neuen Testaments, auf dass durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen.
Wenn in der heiligen Schrift von einem göttlichen Testament oder Bund die Rede ist, so werden Verheißungen gemeint, welche eine feierliche Bestätigung erlangt haben. Die Verheißung, dass keine Sündflut mehr entstehen sollte, war ein Bund, weil sie durch den Regenbogen bestätigt wurde; die Verheißungen, welche Gott dem Abraham gegeben hatte, hießen nicht bälder ein Bund, als damals, da sie durch das Zeichen der Beschneidung bestätigt wurden. Die Verheißung, dass Gott Israels Gott sein wollte, wurde ein Bund, da Mose das Volk mit Opferblut besprengte, da der Sabbat mit einer größeren Pünktlichkeit als vorher befohlen, und das ganze Gesetz, welches Israel als das Volk Gottes von den Heiden unterschied, demselben aufgelegt wurde. Bei allen diesen Fällen wurden die göttlichen Verheißungen nur durch Zeichen bestätigt, die an sich selbst kraftlos und nicht selber die Ursachen waren, um derentwillen Gott die Verheißung erfüllte. Diejenigen, mit denen Gott den Bund machte, waren schuldig, die Verheißung zu glauben, und das Bestätigungszeichen für ein solches zu halten, oder auch, wenn die menschliche Wirksamkeit dabei nötig war, dasjenige mit redlicher Ehrfurcht und Liebe zu tun, was Gott befohlen hatte. Der Bund, den Gott mit Israel bei seinem Auszug aus Ägypten machte, wird der alte Bund oder das Alte Testament genannt, Jer. 31,32. Hebr. 8,9.13. Dieser Bund enthielt die allergrößte Verheißung, dass Gott Israels Gott sein wolle, war aber mit vielen beschwerlichen Bestätigungszeichen verknüpft und fasste die wirkliche Erscheinung des Messias und der Mitteilung des Geistes der Kindschaft nicht in sich, sondern zeigte beides nur in der Ferne. Die Israeliten blieben nicht in diesem Bund, weil sie die Verheißungen nicht glaubten, und die Gebote Gottes freventlich übertraten. Von Christo und durch Christum wurde ein Neuer Bund gemacht, Jer. 31,31., das ist, alle göttlichen Verheißungen (welche nun von gegenwärtigen Gütern handelten) bekamen eine neue Bestätigung, und zwar durch Seinen Tod, und weil sie durch Seinen Tod bestätigt wurden, so bekamen sie mehr die Form eines Testamentes als eines Bundes. Auch dieses veredelte dieses Neue Testament, dass der Tod Jesu es nicht nur als ein Zeichen bestätigte, sondern dass dieser Tod die eigentliche verdienstliche Ursache war, um derentwillen Gott Seine Verheißungen erfüllte. Christus war hierbei der Mittler, weil Er es mit Gott in Seinem Leiden und Tod zu tun hatte, und den Menschen die Gnade verkündigte und durch Seinen Tod erwarb. Weil unter dem ersten Testament oder Bund die Übertretungen den Gläubigen zwar vergeben, aber durch keine gültige Versühnung getilgt waren, so starb Er auch noch zur Erlösung von denselben. Und weil die Verheißungen durch Seinen Tod die Form eines Testamentes bekamen, so konnte man recht eigentlich auch von einem Erbe sagen, und zwar von einem ewigen Erbe. Diejenigen, welche von Anbeginn der Welt an berufen sind, und den Beruf angenommen haben, sollen vermöge des Neuen Testamentes das verheißene ewige Erbe empfangen. HErr Jesu, lass auch uns dieses Erbe empfangen! (Magnus Friedrich Roos)