Römer 7,25
Andachten
Ich danke Gott durch Jesum Christum unsern HErrn.
Paulus hatte Röm. 7. beschrieben, was ein Mensch erfahre, der unter das Gesetz gekommen ist, welches nicht nur die groben Ausbrüche der Sünde, sondern auch die böse Lust verbietet, und wie er über seine Gefangenschaft unter der Sünde und über sein Unvermögen, Gutes zu tun, klage. Er hatte aber auch gezeigt, wie der Mensch nach und nach unter einem anhaltenden Ringen Hoffnung bekomme, dass sein Zustand werde verbessert werden, und er als Einer, der in ein tiefes Wasser gefallen ist, ans Land kommen werde, wie denn die Ausdrücke des Paulus gegen das Ende des Kapitels milder werden. Endlich legt er dem Menschen, der unter dem Gesetz ringet, die Worte in den Mund: ich danke Gott durch Jesum Christum unsern HErrn. Nun erscheint ihm also gleichsam Jesus Christus sein HErr und Erretter in der Ferne. Nun erinnert ihn der Heilige Geist kräftig, dass er einen Heiland habe, der ihn von dem Gesetz, das ist von der Gewalt der Sünde und des Todes, frei machen könne und wolle. Er dankt Gott durch Jesum Christum, das ist, er dankt Gott bei dem sehnlichen Glaubensblick auf Christum, er dankt Gott wegen der Hoffnung der Errettung, die er durch Jesum Christum gefasst hat; doch kann er diesen Heiland noch nicht mit einem überschwänglichen und siegreichen Glauben fassen. Das Wort Joh. 8,36. ist noch nicht an ihm erfüllt: wen der Sohn frei macht, der ist recht frei. Er steht noch nicht in dem seligen Zustand, worin diejenigen standen, die Paulus Röm. 7,4. Brüder nennt, und von denen er sagt: ihr seid getötet dem Gesetz durch den Leib Christi, dessen Tod ihr euch zueignet, dass ihr eines Anderen seid, nämlich des, der von den Toten auferweckt ist, auf dass ihr Gott Frucht bringet. Dass es noch nicht so weit mit dem Menschen, den Paulus Röm. 7,25. redend einführt, gekommen sei, erhellt daraus, dass er ihn in eben diesem Vers noch sagen lässt: so diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde. Ganz anders lautet die Sprache im folgenden Kapitel, in welchem der eigentliche Gnadenstand eines Christen, der nicht mehr unter dem Gesetz ist, beschrieben wird. So ist nun nichts Verdammliches, sagt Paulus V. 1.2., an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist, denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes; und V. 9.: ihr seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnt.
Wir lernen hieraus, dass ein Mensch bei den unkräftigen Vorsätzen und bei den Anstrengungen seiner durch das Gewissen erregten Seelenkräfte, die Röm. 7. beschrieben werden, nicht stehen bleiben soll, wie er dann, wenn er nicht weiter fortrückte, entweder in die Verzweiflung oder in einen neuen Leichtsinn fiele. Er soll nach dem Gnadenstand streben, der Röm. 8. beschrieben ist. Es soll mit ihm so weit kommen, dass man von ihm sagen könne, die Sünde werde über ihn nicht herrschen können, weil er nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sei. Sind wir aber schuldig, Gott für jeden Glaubensblick auf Jesum Christum zu danken, so sollen wir noch mehr für den völligen evangelischen Gnadenstand danken. (Magnus Friedrich Roos)
Ich danke Gott durch Jesum Christ, meinen HErrn.
O was ist es doch für eine große Gnade, ein Kind Gottes zu sein, in der Huld des treuesten Vaters zu stehen! Wie erhält unter dieser Gewissheit das ganze Leben eine ganz andere höhere Bedeutung! Wie nimmt man das Erfreuliche so gern aus der Hand des Vaters an, und ist in allen Dingen kindlich dankbar! So lange man unter dem Gesetze seufzt, kann man nicht danken, das Herz ist verschlossen, der Mund ist verstummt, man kann nicht mit David sprechen: „Es ist ein köstlich Ding, dem HErrn danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster.“ Nur wenn man den kindlichen Geist empfangen hat, wenn das Abba ertönt im Herzen, dann kann man dem Vater der Barmherzigkeit für das kleine und Geringe ebenso kindlich, ebenso inbrünstig danken wie für das Große. Aber auch die Leiden, wie ganz anders sieht man auch sie an! Gleich nach unsern Textesworten ruft der Apostel Paulus mit großer Glaubensfreudigkeit aus: „Ich halte dafür, dass dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sind, die an uns soll offenbar werden.“ Ein Kind Gottes darf es freudig sich zurufen: Derjenige, der mir den Sohn geschenkt hat, Derjenige, der der rechte Vater ist über Alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, Derjenige, der mich in Christo geliebt hat vor Grundlegung der Welt, er sollte es böse mit mir meinen? Er sollte mir etwas zuschicken, was nicht zur Beförderung meines wahren Heils dient? Er sollte mich verlassen, wenn die Not am größten, seine Hilfe also am notwendigsten ist? Nein, nein, das tut er nicht, ich weiß, dass meine Haare auf meinem Haupte gezählt sind; er ist mein Vater in Christo; zwar bin ichs nicht wert, aber er hat sich doch meiner angenommen aus freiem unergründlichem Erbarmen; er hat, da ich in meiner Sündennot zu ihm schrie, mir die Sonne seiner Gnade und Gerechtigkeit aufgehen lassen und das Verdienst seines Sohnes meinem Glauben zugeeignet; jetzt wird er mich zwar in schwerer, aber doch geringerer Not nicht verlassen noch versäumen; er hat es mir ja beschworen: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.“ (Ludwig Hofacker)