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Johannes 4,6

Johannes 4,6

Andachten

Da Jesus müde war von der Reise, setzte Er sich also auf den Brunnen.
Der HErr Jesus hat in den Tagen Seiner Erniedrigung alle Schwachheiten der menschlichen Natur, die nicht sündlich waren, gefühlt, und ist also auch hungrig und durstig worden, hat Traurigkeit und schmerzen empfunden, und ist auch müde worden. Da Er nach Ostern, folglich zur heißen Jahreszeit, über Berge und Täler zu Fuß bei einer geringen Kost aus Judäa, wo Ihn die Pharisäer beneideten, nach Galiläa reiste, und unterwegs auf dem Feld bei einem samaritischen Städtlein einen Schöpfbrunnen antraf, der eine hölzerne oder steinerne Einfassung hatte, war Er müde von der Reise, und setzte Sich also auf den Brunnen, nämlich auf die Einfassung desselben. Er setzte Sich so hin, wie müde Leute zu tun pflegen, die bei dem Sitzen sich an etwas lehnen, oder den Leib wenigstens ein wenig krümmen. Er schämte Sich nicht, Seine Müdigkeit auch durch die Richtung Seines Leibes bei dem Sitzen zu offenbaren. Seine Seele ruhte dabei in dem Wohlgefallen Seines Vaters, und Er dachte vielleicht an kein Werk, das Er hier ausrichten werde; unversehens aber kam ein samaritisches Weib daher, da Er dann schnell die Gelegenheit benützte, sie und durch sie viele Leute von Sichar zu gewinnen, wie Joh. 4. erzählt wird.

Lasst uns hierbei bedenken, wie Jesus in dem bergigen und heißen Land Israel oft bis zur Ermüdung gereist sei. Da wo Abraham, Isaak und Jakob ihre Herden geweidet hatte, in dem Land, das Moses von dem Berg Nebo mit heiligen Betrachtungen beschauet hat, und in den Gegenden, wo Samuel, David und alle Propheten gewohnt und gewandelt hatten, reiste nun der Sohn umher. Dieses Land wurde nun gewürdigt, von den heiligen Füßen des Sohnes Gottes betreten zu werden. Er hätte Sich irgendwo, und zwar in einer angenehmen Gegend eine Wohnung ausersehen, und da mit Gemächlichkeit warten können, bis die Leute zu Ihm kommen, etwas von Ihm begehren und Ihn hören würden. Er hätte durch Seine Jünger, oder auch durch Seine Engel, die Leute aus der Nähe und Ferne zusammen rufen und treiben können. Allein diese Weise zu handeln, wäre für den Stand Seiner Erniedrigung zu vornehm gewesen. Auch wären manche kranke, blöde, arme Personen, die doch von Gott erwählt waren, von Ihm entfernt geblieben. Er reiste also selber von einem Ort zum andern, um die Menschen aufzusuchen. Er tat weite Reisen. Er ermüdete Sich dabei, Er schonte Seines Leibes nicht. Er setzte ihn der Sonnenhitze aus, Er wurde unterwegs hungrig und durstig, und hatte nicht immer eine gute Herberge. Wenn Er aber irgendwo nach dem Willen Seines Vaters eine Seele gewinnen konnte, so war dieses Seine Speise, Sein Labsal, Seine Erquickung. Nun sitzt Er freilich zur Rechten des Vaters auf dem Thron der göttlichen Majestät, und wird nimmer müde: aber das Herz, welches Er als ein müder Wandersmann bei dem Brunnen zu Sichar gehabt hat, hat Er noch; Er hat noch die Menschen lieb, sucht das Verlorene, bestraft heilsam, gibt und vergibt gerne, und hilft den Elenden herrlich. Wer sollte sich nicht gern mit Ihm einlassen? (Magnus Friedrich Roos)

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nt/43/johannes_4_6.txt · Zuletzt geändert: von aj
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