Sie befinden sich hier: Andachtsbibel » nt » Johannesevangelium » Johannes 2,3
Zuletzt angesehen: Markus 12,43 Markus 16,19 Johannes 2,5 Epheser 6,13 Markus 14,29 Johannes 2,3

Johannes 2,3

Johannes 2,3

Andachten

Und da es an Wein gebrach, sprach die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben nicht Wein.“ Jesus spricht zu ihr: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“
Wer wäre denn wohl, der nicht in seinen Hausstand Friede und Freude, ja man könnte wohl sagen, ein Stückchen Paradies hineinmalen möchte? Die Zukunft ist ja ein weißes Blatt, es leidet noch alle Farben. Aber die dunklen Farben mischen sich oft auch schon in den Hochzeitstag hinein; und dies geschah dort in Kana in ganz eigener Weise: es gebrach an Wein. Es gibt schwerere Wolken, die über einem jungen Paare aufsteigen können, als solche Verlegenheit. Und was dort der Herr tat, das hat gewiss auch seine Bedeutung für alle Sorgen, die mit nach der Kirche gehen und vor den Altar treten, oder die im Hause sich regen. Er der dort die Not kannte, die über dem jungen Paar schwebte, der kennt und fühlt auch deine Not. Mag sie einen jungen oder alten Hausstand drücken, mag sie heißen wie sie wolle, er hat sie eher gefühlt als wir. Und der die Wasserkrüge zu Wunderquellen verwandelte, hat überall seine Gefäße stehen, durch welche und aus welchen auch dir zu seiner Stunde Hilfe zufließen muss. Beachte es wohl, zu seiner Stunde, nicht zu deiner. Da lässt er sich nicht hineinreden. Durfte es seine Mutter nicht tun, wie viel weniger du.

Herr Jesu Christe, du weißt auch für uns die rechte Zeit und Stunde der Hilfe; und wir wissen, dass du die Stunde besser kennst als wir. So hilf uns doch, dass wir dir still vertrauen, auch wenn die Hilfe lange ausbleibt. Gib uns Demut und Geduld zu warten. Wir wollen so oft den Zeiger deiner Uhr vorwärts schieben mit ungeduldiger Hand, und dir vorschreiben, wann und wie du helfen sollst. Willst du uns doch mit dem Warten nur immer sehnsüchtiger und bedürftiger machen nach dir und deinem Heil, dass unser Herz sich unverrückt an dich als den einigen Helfer wende. Dann wirst du es auch so führen, dass es bei uns wahr werde: harre nur auf Gott; du wirst ihm noch danken, dass er deines Angesichts Hilfe und dein Gott ist. Amen. (Fr. Ahlfeld)


Da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben nicht Wein.“
Johannes führt uns in seinem Bericht über Jesus sogleich zu den Festen, auf die Höhe des Lebens, zuerst zu einer Hochzeitsfeier, dem Höhepunkt des natürlichen Lebens. In Palästina war für den Jüngling und das Mädchen mit den sieben Tagen ihrer Hochzeit der Gipfel des Lebens erreicht. Nun kam aber damals in die Feier ein peinlicher Misston hinein. Der Wein ging aus. Man musste die Gäste zum Essen einladen ohne den festlichen Becher, der mit der Segnung geweiht wurde und dann bei allen eine Runde machte. Im Kreis der Frauen ging das Geflüster von Mund zu Mund: sie haben keinen Wein. Hoffentlich hat es das junge Ehepaar noch nicht gehört; sonst würde es rot vor Scham. So steht es mit unserem Vermögen, Feste zu feiern. Beständig drängen sich peinliche Störungen ein und um diese Gipfel unseres Lebens sammeln sich dunkle Wolken. Der Evangelist sagt uns: ihr könnt nicht feiern; Jesus aber konnte es und er bereitet das Fest auch euch. Was der Evangelist sagt, ist eine tiefe Wahrheit; wir bringen in der Tat bloß mit den natürlichen Mitteln kein ungestörtes Fest zustande.
In unserer Zeit wehrt sich die Christenheit gegen das Elend, das sich unser Volk durch den Trunk bereitet. In diesem Elend wird derselbe Tatbestand sichtbar, auf den Johannes uns achten heißt. Unser Volk kann nicht feiern, nicht so feiern, dass eine reine ungestörte Freude aus der Feier wird. Damals kam die Störung daher, dass sie keinen Wein hatten. Heute haben wir Wein genug und die Störung kommt daher, dass wir ihn haben. Bei ihm wird die festliche Freude gesucht, die Entspannung von der Anstrengung der Arbeit, die Erhebung über die Leerheit unserer Tage und daraus entsteht statt der Freude ein tiefer Jammer. Ich muss das, was mein Leben festlich macht, aus der Hand Jesu empfangen, aus Gottes schaffender Macht; sonst verwandelt sich jedes Fest in sein Gegenteil. Wenn mir die natürliche Gabe ungeheiligt bleibt, so hat dies seinen Grund in der Verwüstung meines inwendigen Lebens. Darin wird sichtbar, dass ich noch in der Irre schweife und meinen Platz vor Gott nicht gefunden habe. Diesen Platz weist mir Jesus an, und wenn ich ihn gefunden habe und weiß, wie Gott sich zu mir stellt, dann kann ich feiern, einerlei mit oder ohne Wein.
Ich empfange aus Deiner Hand, Vater, täglich, was ich bedarf, und mehr als ich bedarf, viel Anlass zur Freude, manches, was mir Genuss gewährt. Ohne Dich befleckt und verdirbt es mich. Aber in Deiner Hand wird auch das Natürliche zum Lebensbrot, für das ich Dir Dank schulde und Dank sage. Amen. (Adolf Schlatter)

Predigten

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
nt/43/johannes_2_3.txt · Zuletzt geändert: von aj
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain