Matthäus 3,16
Andachten
Und da Jesus getauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser; und siehe, da tat sich der Himmel auf über ihm. Und er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren, und über ihn kommen.
Jedes Wort in diesem Bericht ist hier ein güldenes Kleinod. Zuerst heißt es: „Siehe da tat sich der Himmel auf.“ Wer will sich dies vorstellen? Wenn wir sagen: „Eine heilige, leuchtende Kluft ward in das Dunkel da oben gerissen, o so reden wir doch nur mit armen menschlichen Worten. Aber fest und klar können wir sagen: „Der Himmel ist offen geblieben.“ Er ist offen, denn der Sohn Gottes ist vom Himmel ausgegangen und gekommen in die Welt. Und wie über dem erstgeborenen von vielen Brüdern, so ist er auch über diesen Brüdern offen. Auch dir ist er offen, wenn du ein Kind Gottes bist und Glauben hast. Zum Anderen hören wir, „und Johannes sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen.“ Jetzt noch allein über ihn. Bald sollten die Tage kommen, wo er ausgegossen wurde über Alle, die an ihn glaubten. Warum aber erscheint der Geist dem Auge des gläubigen Täufers wie eine Taube? Darin soll sein schnelles Kommen abgebildet werden, denn er ist an den Pforten des Menschenherzens, man weiß nicht wie. Damit soll aber auch die Sanftmut und Lauterkeit des heiligen Geistes im Gegensatz zum Geist der Welt und des Fleisches abgebildet werden. Der Geist der Welt und des Fleisches schwingt sich auch schnell dahin. Aber wenn er einmal eine Gestalt gewönne vor unseren Augen, dann möchte er wohl wie Raben und Raubvögel dahinfahren.
Lieber himmlischer Vater! In der heiligen Taufe hast du auch uns den Himmel erschlossen, wir danken dir, dass du ihn uns um deines Sohnes willen nicht wieder zugeschlossen hast. Ob wir es auch nicht verdient haben, du hältst in deiner Gnade uns doch allezeit den Zugang zu dir offen und segnest uns aus deinem Himmel mit unverdienter Barmherzigkeit. Du willst ihn offen halten, damit wir als reuige Kinder dich immer wieder finden, wenn uns die Erde lieber geworden als der Himmel. O lass ihn uns offen finden, so oft wir dich suchen. Und wenn einst die Welt uns die Türe zuschließt, dann führe uns in den offenen Himmel, dass wir allezeit darin bleiben. Dazu stärke aber auch in uns deinen Geist, der ja auch in der Taufe uns geschenkt ist. Lass ihn die Taube sein, die das Ölblatt des Friedens uns reicht, wenn die Fluten des Verderbens hoch gehen und das Herz nach Erbarmung sich sehnt. Seiner Leitung befehlen wir uns heute und allezeit. Amen. (Fr. Ahlfeld)
“Und Johannes sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren.“
Gleichwie der Geist Gottes herabfuhr auf den Herrn Jesum, das Haupt, so fährt Er herab auf die Glieder des Leibes der Gemeine, nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seinem Maße. Seine Herabkunft zu uns erfolgt in ähnlicher Weise, wie Er herabkam auf den Herrn. Es geschieht dies oft mit auffallender Schnelligkeit; kaum sind wir es gewahr geworden, so werden wir aufwärts und himmelwärts geführt über alle Erwartung. Und doch ist nichts betäubend Unruhiges dabei, wie bei irdischer Eile, denn die Flügel der Taube sind eben so sanft als schnell. Ruhe scheint bei manchen Wirkungen des Geistes eine wesentliche Eigenschaft zu sein; der Herr spricht noch immer sanft und freundlich, und wie der Tau trieft Seine Gnade still hernieder. Die Taube war stets das auserwählte Vorbild der Reinheit, und der heilige Geist ist die Heiligkeit selber. Wo Er hinkommt, ist alles, was rein und lieblich und löblich ist, überschwänglich vorhanden und Sünde und Unreinheit müssen weichen. Friede herrscht gleicherweise, wo die heilige Taube mit Macht einkehrt; sie trägt den Ölzweig, zum Zeichen, dass die Fluten des göttlichen Zornes sich verlaufen haben. Sanftheit ist eine gewisse Wirkung der umwandelnden Macht der heiligen Taube: Herzen, die von ihrem segensreichen Einfluss berührt wurden, sind fortan und allezeit sanft und demütig. Harmlosigkeit ist die notwendige Folge davon: Adler und Raben verfolgen ihre Beute, die Turteltaube dagegen kann wohl Unrecht ertragen, aber sie fügt kein Unrecht zu. Wir müssen harmlos sein wie die Tauben. Die Taube ist ein treffliches Bild der Liebe; die Stimme der Turteltaube ist voller Zärtlichkeit; und so überströmt eine Seele, die vom göttlichen Geist heimgesucht wird, von Liebe zu Gott, von Liebe zu den Brüdern und von Liebe zu den Sündern, vor allem aber von Liebe zu Jesu. Das Schweben und Weben des Geistes Gottes über den Wassern der Tiefe rief zuerst Ordnung und Leben hervor, und in unsern Herzen erweckt und pflegt Er das neue Licht und Leben. O hochgelobter heiliger Geist, gleichwie du ruhtest auf unserm teuern Heiland und Erlöser, so ruhe nun auch auf uns, und stärke in uns durch Dein Licht das neue Leben von nun an bis in Ewigkeit. (Charles Haddon Spurgeon)
Und da Jesus getauft war, stieg Er bald herauf aus dem Wasser; und siehe, da tat sich der Himmel auf über ihm. Und Johannes sah den Geist Gottes, gleich als eine Taube herabfahren, und über ihn kommen. V. 17: Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.
Solches musste nun freilich geschehen, damit es kund und offenbar werde, dass dieser Jesus nicht wie andere Sünder, um seiner eigenen, sondern um fremder Schuld willen, die Seine Liebe zur eigenen gemacht, sich habe taufen lassen von Johanne. Solches musste auch geschehen um des Täufers willen, weil ihm gesagt war von Gott, auf welchen Du sehen wirst den Geist herabfahren wie eine Taube, Der ist's! und endlich, es musste auch geschehen um Seinetwillen, auf dass Er, der sich selbst entäußert hatte der göttlichen Gestalt, nun zu Seinem großen Erlöser-Amt und schweren Heilands-Arbeit ausgerüstet werde mit dem heil. Geist und mit Kraft ohne Maß. Ja, einen solchen Herrn müssen wir haben, der sich uns aller Dinge gleich gemacht und gänzlich in unsern Sünder-Orden eingetreten ist, um deswillen aber von Gott geehrt und so hoch erhoben ist, als der liebe Sohn Seines Wohlgefallens. Denn dadurch ist Er nun ein wahrhaftiger Mittler geworden zwischen Gott und den Sündern, umfängt und trägt uns aufwärts mit der einen Hand, und liegt mit der andern am Herzen Gottes und bringt also zusammen, was sonst ewig geschieden geblieben wäre. Nun ist denn auch der Himmel, welcher damals sich über Jesum aufgetan, nicht wieder verschlossen worden, sondern steht offen über einem Jeglichen unter uns; und der Geist, welcher damals herabgekommen wie eine Taube, der ist bei uns, unter uns, in uns, und welche derselbige Geist treibt, die sind Gottes Kinder; und die Stimme, welche damals sprach: Dies ist mein lieber Sohn! die lässt sich noch hören, wo man das weiße Taufkleid wieder helle gemacht hat mit Lammesblut. O, welch eine Tiefe des Reichtums! o dass sie Alle kämen von nahe und fern, den Himmel offen zu sehen und den Geist zu empfangen und die Stimme zu hören, das wäre dann die Erscheinung Seiner Herrlichkeit voll Gnade und Wahrheit! (Nikolaus Fries)
Und da Jesus getauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser; und siehe, da tat sich der Himmel auf über ihm. Und Johannes sah den Geist Gottes, gleich als eine Taube, herabfahren und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.
Mit den Worten: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe“ bekennt Gott sich feierlich zu dem Werke, welches dieser eingeborene Sohn vor hat: dem Werke der Versöhnung, das er durch seinen unschuldigen heiligen Wandel und durch sein bitteres Leiden und Sterben, seinen Opfertod am Kreuz, zu Stande bringen wollte. Dass er unter die Sünder tritt, dass er die Last von ihnen hinweghebt und auf sich nimmt, dass er alle Gerechtigkeit erfüllt, und seine Gerechtigkeit den Sündern zur Gerechtigkeit gerechnet wird hiervon gibt Gott die feierliche Versicherung, dass das nach seinem Rat und Willen geschehe. Was geht diese Versicherung uns an? Wie viele unserer getauft sind, die haben Christum angezogen, sie stehen nicht mehr vor Gott in ihrer Armut und Blöße, sie sind gekleidet in Christi Gerechtigkeit, sind also auch Gott angenehm in dem Geliebten, und wie an seinem Sohne, so hat er auch an ihnen sein Wohlgefallen. Welch ein Trost für uns! Wie viel Schwachheit und Sünde hat auch der immer noch an sich, der durch Gottes Gnade ein neues Herz und einen neuen Geist bekommen hat! Was ist's für ein Ruhm, wenn wir durch die Kraft des Heiligen Geistes eine Versuchung überwunden haben, während wir aus einer anderen hervorgehen wie das Kind, das in die Dornen geraten ist; was ist's für ein Ruhm, wenn wir einmal uns freuen können, dass Gottes Gnade an uns nicht vergebens gewesen ist, wenn wir wieder aus unserm Himmel gestürzt werden, wenn nach der Freude wieder Schmerzen kommen und die Traurigkeit eines Petrus, wenn ein Fall, den wir nimmer erwartet hätten, uns wieder beschämt und demütigt und zu dem Bekenntnis uns bringt: „das Gute, das ich will, das tue ich nicht, und das Böse, das ich nicht will, das tue ich“! Wir bleiben Sünder auch mit unsern besten Werken. Das Kleid unserer eigenen Gerechtigkeit ist ein zerrissenes und beflecktes Gewand, mit welchem wir uns in Gottes Reich nicht wagen dürfen; aber die auf den Sohn getauft sind und an den Sohn glauben, an dem er Wohlgefallen hat, treten ja nicht in ihrem Gewande vor ihn; sie sprechen:
Christi Blut und Gerechtigkeit, Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, Damit will ich vor Gott besteh'n, Wenn sich zum Himmel werd' eingeh'n! Welch ein Trost auch für die, welche aus ihrer Taufgnade gefallen sind, die gepeinigt werden von dem bitteren Gedanken, dass sie selbst gewählte Wege gegangen, und die beschämt in dem eigenen Kleide ihrer Schmach einhergehen: ihnen kann doch auch noch geholfen werden. Wer das Verdienst des Sohnes anzieht, wer den Sohn zum Fürbitter nimmt, der braucht das Wort nicht zu fürchten: „Es ist zu spät“! den sieht Gott auch jetzt, wie bei seiner Taufe, um Christi willen gnädig an, dem hält er sein Wort: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer“. (Caspari.)