Offenbarung 21,1

Andachten

Johannes schildert uns hier das himmlische Jerusalem. War der erste Himmel schön, wie viel herrlicher wird der neue Himmel und die neue Erde sein! Dort ist ja Alles entfernt, was uns hier unselig macht oder doch den vollkommenen Genuss der Seligkeit beeinträchtigt, Tod, Leid, Geschrei und Schmerzen, die Folgen der Sünde, und Alles wieder hergestellt und verklärt, was die Sünde entstellt und zerstört hat: neuer Himmel, neue Erde, neue Herzen, neue verklärte Leiber. Für die auferstandenen Leiber gehört aber auch eine leibliche Wohnung, und je geistiger und verklärter jene sind, desto geistiger und verklärter wird auch diese sein. Wie groß ist das himmlische Jerusalem: darum heißt sie eine Stadt; wie eng und vertraulich leben ihre Bewohner unter einander: darum heißt sie das Haus Gottes! Wie hell, wie sicher, wie bequem ihr Eingang! Wie unermesslich ihre Höhe, Breite und Länge! Welcher Glanz, gleich dem Golde, welche Durchsichtigkeit gleich dem Glase! Welche Mannichfaltigkeit und welche Einheit! Und die ganze Stadt – ein Tempel; jeder Einzelne seiner Bewohner ein Heiligtum des Herrn! Es gibt dort noch Völker und noch Könige; nur von Kirchenparteien, Sekten und Konfessionen ist keine Rede mehr. Wie einst David im irdischen Jerusalem alles Wahre, Schöne und Gute vereinigte, so wird im himmlischen Jerusalem ein herrlicher Chorgesang der mannichfachsten Gaben, Kräfte, Zungen und Volkstümlichkeiten Statt finden, zusammenstimmend im Preise Gottes. Wallfahrtete das alte Israel so gern nach seinem Jerusalem zu seinen großen Festen: wehe, wenn wir nicht Pilger sein wollten alle Tage nach der himmlischen Gottesstadt! wenn es bei uns nicht auch hieße: „Vergesse ich Dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen!“ Was uns auch auf Erden schwindet und stirbt: dies Jerusalem bleibt. Herr, gib uns Sehnsucht, glühende Augen und brennende Herzen nach der Stadt der Liebe und des Friedens! Wir haben hier keine bleibende Statt, stärke uns, um so mehr die zukünftige zu suchen! Amen. (Friedrich Arndt)


“Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.“

Da möchte ich mit Jung-Stilling sprechen: „Selig sind, die da Heimweh haben, denn sie sollen nach Hause kommen.“ Denn was Johannes sah, ist unsere eigentliche Heimat und das Ziel unserer Sehnsucht. Nur sind wir noch nicht genug gereinigt, noch zu sehr der irdischen Luft zugeneigt. Es muss jetzt in unserem Erdenleben die Sinnlichkeit so weit vom Geist beherrscht werden, dass sie ihm an keiner Stelle eine unüberwindbare Gelegenheit zum Sündigen entgegenstellt. Dann kann erst einst der andere Vorgang in die Hand genommen werden, die neuen Erdenverhältnisse nach unsern reinen und starken Persönlichkeiten zu bilden und zu ordnen. Jetzt gilt's den sittlichen Sieg - einst in allen sichtbaren Verhältnissen auf der neuen Erde die Verteilung der Siegesbeute und die Einrichtung des Friedensreiches. Es steht den Kindern Gottes noch Großes bevor. Möchten wir endlich uns von der Kleinigkeit und Narrheit erlösen lassen, im jetzigen Schulstaube unser Glück suchen zu wollen. Wir lernen hier und werden hier nicht für dieses Leben, sondern für jenes. Darum stimmt so manches Erdenmaß nicht mit den Maßstäben, die wir Ewigkeitsmenschen schon in der Brust tragen.

Herr, unser Gott, lass uns die Unstimmigkeiten hienieden als Boten der Ewigkeit ansehen. Hier Dissonanzen, dort die Harmonie, aber nicht ohne dass wir dazu erzogen werden, für jenes Ziel uns hinzugeben. Nimm uns und bilde uns nach deinem Plan. Amen. (Samuel Keller)

Predigten

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nt/66/offenbarung_21_1.txt · Zuletzt geändert: von aj
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