Hebräer 12,22
Andachten
Ihr seid gekommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem - und zu dem Mittler des neuen Testaments: Jesu.
Wer Jesum erkannt hat, der hat ein neues wahre Vaterland gefunden, der ist nicht mehr Bürger hienieden, sondern Bürger der oberen Stadt; dem ist ein Lichtstrahl von neuen Jerusalem in die Seele gefallen; der kann sich nicht mehr hienieden als wie zu Hause betragen, sondern die Sehnsucht geht nach Oben, geht dahin, wo Christus das Haupt ist, in die himmlischen Wohnungen. Und diese Gesinnung senkt sich in die Tiefe des Herzensgrundes; aus diesem neuen, durch den Geist Gottes gepflanzten Grundgedanken heraus redet, denkt, handelt, betet, seufzt und sehnt man sich. Dieser Grundgedanke gebiert das, was die Offenbarung Johannis als den Seufzer der Gemeinde Jesu Christi ankündigt, die da spricht: „o komm, HErr Jesu!“ Man kann sich nicht mehr in die Dinge der Welt hinein vertiefen; man sucht anderswo seine Schätze, anderswo seine Freuden, anderswo seine Wünsche, anderswo seine Hoffnungen, anderswo seinen Heiland: man führt seinen Wandel im Himmel mitten in einer argen Welt unter einem verkehrten ehebrecherischen Geschlecht; man ist in Absicht auf diese Welt ein Fremdling; die Welt und die Weltmenschen kennen einen nicht, man ist nicht ihrer Art, gehört zu einem anderen Geschlecht; man ist ein Pilgrim, der da weiß, dass er fort muss, der darum Alles, was er genießt, auf seinem Wege zwar mitnimmt, und aus der Hand seines himmlischen Führers dankbar empfängt, aber doch sich nicht darein vertieft, sondern seinen Weg fortsetzt und sein Angesicht immer stracks nach Jerusalem wendet, bis er dort eingehen darf. Schon bei den Vätern des alten Bundes war diese Gesinnung vorherrschend, wenigstens sagt der Apostel (Hebr. 11,13.): „alle diese Glaubensleute haben bekannt, dass sie Fremdlinge und Gäste seien auf dieser Welt.“ So war auch David ein Pilgrim, denn er sagt (Psalm 33.): „ich bin dein Pilgrim und dein Bürger,“ ein Pilgrim in dieser Welt, ein Bürger in der oberen Stadt Gottes, so waren auch die Apostel Pilgrime; man lese nur Hebr. 13, 14. 2 Tim. 4, 18. 2 Kor. 5, 8. Philipp. 1, 23. 3, 20. (Ludwig Hofacker)
Ihr seid gekommen zu dem himmlischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind.
Obschon noch hier auf Erden streitend und leidend, stehen die Gerechten doch in der genauesten Verbindung mit der obersten Gemeine. Denn sie sind gekommen zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben ist, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Sie sind mit denselben die Auserwählten, deren Namen geschrieben sind in dem lebendigen Buche des Lammes, und in Christo Gottes Eingeborne, seiner Natur teilhaftig, und deshalb Erstlinge seiner Kreatur, so sie anders fliehen die vergängliche Lust der Welt. Jak. 1. Sie sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamme. Offenb. 14, 4. Sie sind Könige und Priester, Erben Gottes und Miterben Christi. Sie sind gerecht, doch noch nicht in der Wirklichkeit, dem Besitz und Genuss nach, vollendet. Ein Teil ist auch dies, aber er ist im Himmel. Mit diesem sind sie genau verbrädert,, und was jene vollendet und erreicht haben, sollen sie auch so gewiss erreichen, als ob sie schon wirklich dort angelangt wären, wie sie's auch in Christo Jesu sind; das Vollbereiten ist ebenso gewiss, als das Stärken, Kräftigen, Gründen; mögen sie hienieden auch, wo es sein soll, eine kleine Zeit leiden, und traurig sein in mancherlei Anfechtungen. (Gottfried Daniel Krummacher)
Ihr seid gekommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten.
Gottes Welt ist eine. Himmel und Erde sind nicht so fern von einander, wie der Unglaube meint. Wie der Herr nur eine Familie hat, eingeschrieben in ein Buch, erlöst durch ein Blut, belebt durch einen Geist, so wohnt auch diese ganze Familie in einem Haus. Wir, die wir noch im Leibe sind, wohnen im unteren Stockwerk, das freilich oft dunkel und kalt ist, aber sich doch als ein Teil von Gottes Haus erweist; denn unser Glaubensauge sieht es oft erleuchtet durch himmlischen Glanz und wir, ja wir, solange wir noch hienieden sind, haben schon einen Vorschmack von dem Erbteil der Heiligen im Licht. Unsere seligen Mitbrüder wohnen im oberen Stock, wo die Sonne immer scheint und keine kalten Winde oder giftigen Dünste hingelangen können. Doch ist eine Ähnlichkeit zwischen den oberen und den unteren Räumen; denn ein Kind Gottes empfindet manchmal schon auf der Erde etwas von der Seligkeit des Himmels, und wie das Wesen der Heiligen droben ist, so sollte auch das Wesen der Heiligen hier unten sein. Wir dürfen uns die Seligen getrost zum Vorbild nehmen, ohne Furcht, dadurch auf Abwege zu geraten. Sie sind vor dem Thron Gottes, und auch wir sollen vor dem Thron Gottes sein und sind es auch in dem Maße, als wir benutzen, was uns geschenkt ist. (Charles Haddon Spurgeon)