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Epheser 2,8

Epheser 2,8

Andachten

Denn aus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben, und dasselbe nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme.

Diese Freude, der Genuss der Seligkeit, ist eine Frucht des Glaubens; aus Gnaden seid ihr selig geworden, heißt es in unserem Text, durch den Glauben. Durch den Glauben verdienen wir nicht die Seligkeit, sie ist uns verdient, als unser Heiland Sein Leiden durch Seinen Tod beschloss; auch wenn wir schwach sind im Glauben und manchmal an unserer Seligkeit zweifeln, so entgeht sie uns dadurch nicht; mit dem Glauben genießen wir nun das uns erworbene Gut, der Glaube ist der Anfang der Seligkeit; wir werden gerechtfertigt durch den Glauben, er bringt das Pfand der Kindschaft, das uns Gott in die Hand gibt, das Zeugnis des heiligen Geistes, durch welchen wir versiegelt sind auf den Tag der Erlösung. Und wenn wir gerecht worden sind durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren HErrn Jesum Christum. Was bestimmt uns also, meine geliebten Freunde, dass wir uns mit Herz und Mund zu der Meinung der Schrift vom Seligwerden bekennen? Nichts anderes, als Gottes Gnade, die uns Erkenntnis, Buße und Glauben schenkt. Wenn wir uns auf etwas anderes zu verlassen hätten, z. B. auf unsere Werke, unsere Treue, so kämen wir armen Sünder nie zur Ruhe. Nun aber ruht unsere Zuversicht auf einem unbeweglichen Felsen, auf dem allmächtigen, ewigen, barmherzigen, treuen Gott, der uns in Christo mit Sich selbst versöhnt hat, nun können wir getrost und mit Freuden singen: „Nichts, als JEsu Christi Gnade, Nichts, als Sein Verdienst allein, Lässt mich arme, sünd'ge Made gut, gerecht und selig sein!“ Amen. (Friedrich Emanuel Kleinschmidt)


Denn aus Gnaden seid ihr selig geworden, durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme.
Es ist nichts Leichteres als selig werden, und doch können die wenigsten Menschen dazu kommen. Wenn ein verschuldeter Mensch im Turm fragt: Wie kann ich Schuld- und Banden-frei werden? und man sagt ihm: „Der Mann, dem du schuldig bist, ist der beste Mann, klage ihm deine Not, beuge dich vor ihm, gib ihm gute Worte, bitte ihn, so schenkt er dir alle deine Schulden, setzt dich in Freiheit und beschenkt dich obendrein mit großen Reichtümern;“ so wird er glauben und das, was er zu tun hat, nicht nur gern tun, sondern sagen: Ist's nur das? das ist ja so viel als nichts, das kann ich ja leicht tun. Und ist es geschehen, und er frei und reich gemacht, so wird ihm ja der unsinnige Gedanke nicht einfallen: Ich habe mir meine Freiheit verdient, sondern er wird ewig bekennen: Ach, mein gnädiger Herr hat mir aus lauter Gnaden und umsonst Alles vergeben und mich noch reichlich dazu beschenkt! Wie kann ich ihm genug danken? So denken, so handeln die Menschen im Zeitlichen. Aber im Geistlichen, mit ihren Sündenschulden und mit Christus wissen sie gar nicht umzugehen. Das leichteste Ding von der Welt wird und ist ihnen das schwerste, wenn sie es tun sollen, und haben sie es getan, so machen sie das größte Werk und Verdienst daraus, als hätten sie die Seligkeit verdient. Nun sagt Paulus in den obigen Worten freilich nicht, dass man nichts zu tun habe um selig zu werden, sondern nur, man soll, wenn man selig geworden ist, es nicht seinen Werken und seinem Tun zuschreiben, sich nicht rühmen, als hätte man es mit seinen Werken verdient. Tun, wirken musst du allerdings Alles, was du mit der zuvorkommenden Gnade kannst: Weinen, beten, seufzen, flehen, harren, ringen und was dich der gute Geist, der dich zur Buße und zum Glauben leitet, lehrt; aber wenn du es getan hast, es so wenig achten und rühmen, als wenn du nichts getan hättest, und dir die Seligkeit nicht um dieser Werke willen, sondern lauter umsonst und aus Gnaden geschenkt sei; denn was du getan hast, ist auch seine Gnade und sein Werk in dir. So ist ja Alles sein, und dir bleibt - Nichts als Gnade. (Johannes Evangelista Gossner)


Und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es.
Nicht wenige haben das Bedürfnis, Gottes Kinder zu sein, aber sie begehen den Fehler, dass sie sich selber zu solchen machen wollen. Unruhe hat ihr Herz befallen, sie befürchten stark, einst als törichte Jungfrauen dazustehen. Und dennoch wollen sie sich der Wahrheit nicht öffnen. Ihr ganzes Wesen sträubt sich vor dem Wege Gottes, sie wollen nicht aus Gnaden durch Jesu Blut allein selig werden. Gottes Kinder möchten sie sein, deshalb bessern sie sich, tun manches Weltwesen ab, entsagen Dingen, die sie früher noch entschuldigten; durch tägliche Selbstbeherrschung wollen sie fromm werden. Das ist aber ein Irrweg, der nie zur Kindschaft und nie zum Frieden führen kann. Warum nicht? Weil du auf solche Weise dich selbst betrügst, und weil du Gott zum Lügner machst! Er bezeugt es dir, dass du einem gefallenen Geschlechte angehörst, dass das ganze Herz verdorben, dass deine Natur irdisch und fleischlich und ungöttlich ist. Du wirst durch eigene Anstrengung nicht von Grund aus erneuert, nicht göttlicher Natur teilhaftig, nicht hineingebildet in Gottes Bild. Wenn du dich auch fort und fort besserst, So bist du schließlich doch noch der alte Mensch, der nicht in das Reich Gottes eingehen kann. Du bedarfst des vergossenen Blutes Jesu Christi zur Abwaschung deiner Sünden. Und dann bedarfst du des Heiligen Geistes, der dich allein erneuern und umgestalten kann. Lies still, nachdenkend und mit ernstlichem Gebet das Neue Testament, so wird dir diese Erkenntnis gewiss zuteil werden. Lass ab vom vergeblichen Ringen und betritt den Weg, den alle gegangen sind, die sich jetzt der Kindschaft freuen, so kommst du zum Ziel. (Markus Hauser)


Denn aus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben; und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es.
Selig sind die Menschen, zu denen Gott redet in der Weise eines rechten Vaters, die Gottes Wort hören und die wiederum zu Gott reden in dem Ton: Abba, lieber Vater; hier auf Erden haben wir den Anfang der Seligkeit, wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung, dort im Himmel werden wir die vollkommene Seligkeit haben. Es wird uns nun durch das vorstehende Schriftwort in Erinnerung gebracht das Hauptstück unseres evangelischen Bekenntnisses: aus Gnaden seid ihr selig geworden; die uns zugeeignete, sündenvergebende Gnade Gottes ist die alleinige Ursache unserer Seligkeit. Damit man nur nicht glaube, dass nebenbei der Mensch doch auch etwas leisten müsste zu seiner Seligkeit, fügt der Apostel zu den Anfangsworten noch eine ausdrückliche Verneinung alles menschlichen Verdienstes hinzu, indem er schreibt: und desselbige nicht aus euch; es ist Gottes Gabe. Seligkeit ist beschlossen in der großen Weihnachtsgabe; Gott hat seinen Sohn, unseren Heiland, uns gegeben; wer ihn hat, an ihm hängt, mit ihm in Gemeinschaft steht, der hat Vergebung, hat Gott selbst, ist selig und wird selig. Wie kann doch dieses Evangelium nimmer zu oft verkündigt werden, den leichtfertigen Sündern als ein Mahnruf: Mensch, du hast einen Heiland und stürzt dich selbst ins Verderben; den verzagten Gemütern als ein Trostruf: was quälst du dich ab, siehe zu deiner Seligkeit ist schon alles vollbracht! Der Überzeugung von der Wahrheit dieses Evangeliums steht nun scheinbar entgegen die Überzeugung, die auch durch Gottes Wort durchaus bestätigt wird, dass der Mensch ein freies Wesen sei, dass er auch zur Gemeinschaft mit Gott nur in Freiheit gelangen könne, dass er also doch seinerseits irgendwie seine Freiheit betätigen, irgend etwas tun müsse, wenn er selig werden soll. Auch das obige Bibelwort bestätigt diese letztere Überzeugung, indem Paulus schreibt „durch den Glauben“, das Seligwerden vom Glauben abhängig macht; nun scheint aber doch dieser Glaube eine Leistung, ein inneres Herzenswerk des Menschen zu sein und gerade indem er von Paulus unter die Grundbedingungen der Seligkeit gerechnet wird, jenes „aus Gnaden“ einzuschränken. Dies letztere ist aber eben nur ein Schein; sagt's doch die Schrift (2. Thess. 3, 2) und bestätigt es doch die Erfahrung, dass der Glaube nicht Jedermanns Ding sei, dass es also gar nicht ohne Weiteres in die Freiheit des Menschen gestellt sei, zu glauben oder nicht. Es muss doch zuerst die Gnade Gottes ein Herz erfassen, es muss Christus ihm sich in seiner Herrlichkeit offenbaren, es muss die Kraft des heiligen Geistes in das Herz gegeben werden, ehe dasselbe Vertrauen fasst, den Heiland ergreift, schmeckt und fühlt, wie freundlich der Herr ist, ehe es zum Glauben gelangt.

Zunächst also wird dieses „durch den Glauben“ nur ausdrücken, wie Gottes Gnade nicht allein für uns den eingeborenen Sohn dahingegeben hat, sondern durch denselben auch in uns schafft, wessen es zur Seligkeit bedarf: und somit wird es besiegeln und bestätigen die Verkündigung: aus Gnaden seid ihr selig geworden. Aber freilich andererseits fühlen wir mit Recht, dass im Glauben auch eine Äußerung der menschlichen Freiheit liegt, und das eben erwähnte Wort aus dem Thessalonicherbrief deutet darauf hin, dass es doch in der verschiedenen, selbstgewirkten Beschaffenheit der Menschenherzen begründet sein muss, wenn die einen zum Glauben kommen, die anderen nicht. Auch der natürliche, sündige, dem Verderben verfallene Mensch hat doch als einen Rest des göttlichen Ebenbildes eine Sehnsucht im Herzen behalten nach dem lebendigen Gott, die bald deutlicher hervortritt, bald verhüllt in dem Verlangen, zum Frieden des Gewissens zu kommen, nach dem ins Herz geschriebenen Gesetz zu tun, zu leben; und dieses Trachten findet im Christenstande selbstverständlich nicht sein Ende, wo die Losung in sittlicher und religiöser Beziehung erst recht zur Geltung kommt: näher mein Gott zu dir, näher zu dir. Hier bildet nun die Freiheit der Entscheidung den tiefgreifenden Unterschied unter den Menschen, dass die einen jenes Verlangen ihrer Seele in leichtsinnigem oder hochmütigem, selbstgerechtem Sündendienst ertöten, die anderen demselben nachgeben, die Fragen des Gewissens, die Fragen nach Gut und Böse im Herzen bewegen, ein Streben nach Gerechtigkeit irgendwie betätigen. Diese letzteren erwerben freilich mit ihrem Streben, ihren Werken keinen Ruhm vor Gott, sie bleiben in Hinsicht ihrer Leistungen verdammlich, wie sie waren, sie können ihre Seligkeit nicht verdienen, aber wenn nun Gott einmal seinen wunderbaren Gnadenratschluss in Christo Jesu gefasst hat, so kann der Keim des Glaubens nur in solche Seelen gesenkt werden und weiterhin gedeihen, entsprechend dem Wort Jesu, Joh. 7, 17. Nur solche, die, wenn auch in noch so verborgener Weise, im Herzen das Wollen tragen, des Vaters Willen zu tun, können zur Erkenntnis ihrer Sünden gebracht werden, nur für solche haben Worte wie „Gnade, Seligkeit, Himmelreich“ einen Sinn und einen Wert; darum wendet sich die Predigt des Gesetzes mit der Forderung an die Menschen: tut Buße, darum ergeht auch an die Gläubigen die Mahnung: schafft eure Seligkeit mit Furcht und Zittern, darum treibt das Wort Gottes zum Heiligungskampf, obwohl die Heiligung ganz und gar ein Werk der Gottesgnade ist. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; aber all' dieses Trachten und Ringen soll nimmermehr die Gewissheit erschüttern, vielmehr dieselbe immer tiefer ins Herz senken; aus Gnaden allein, aus Gnaden seid ihr selig geworden. (Thomas Girgensohn)

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nt/49/epheser_2_8.txt · Zuletzt geändert: von aj
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