2. Korinther 12,10
Andachten
“Darum bin ich guten Mutes in Schwachheiten.“
Nietzsche sagt: „Alles, was aus der Schwachheit stammt, ist schlecht.“ Und wenn man es nicht so versteht, wie er es meint, dann hat er recht. Was aus meiner natürlichen Stärke stammte, war das Schlechteste meines Lebens. Denn da wollte ich ohne Gott mit dem Kopf durch die Wand und richtete mir und andern eitel Herzeleid an. Als aber Jesus mich in seine Armenschule des Geistes aufnahm, lernte ich das umgekehrte Stadium des Reiches Gottes kennen: hier besteht man das Examen in die höhere Klasse, wenn man wieder ein Stück weniger leistet als früher in eigener Kraft, und sich vom Lehrer mehr vorsagen lässt. Wenn man ganz schwach und hilflos geworden, dass man nur noch singt: „Ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt; wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.“ - dann kommt man in die Klasse der Meisterschüler. Jetzt hat seine Stärke Raum und Möglichkeit, sich auszuwirken - und darum bin ich guten Mutes in Schwachheiten. Meine Schwachheit ist auch an sich schlecht, nutzlos, leer, ein unbeschriebenes Blatt; was nur aus ihr stammt, wäre auch verloren - aber sie ist der Rahmen, die Schale, die Hand geworden, die Jesu Stärke füllt.
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, da er dir alle deine Stärke zerbrach und dich erst so ganz schwach machte, dass du ihm dich ganz überlassen konntest. Meine Seele, Herr Jesus, preist deine Stärke. Halleluja! (Samuel Keller)