Römer 8,38
Andachten
„Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andre Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm HErrn.“
Mit diesem prächtig tönenden Spruch will Paulus sagen, dass wir durch nichts, was vorkommen mag - sei es noch so betrübend, erschütternd und rätselhaft -, den Gedanken in uns aufkommen lassen dürften, als habe uns Gott nicht mehr lieb. Die Liebe Gottes, wie sie in Christus bewiesen ist und um Seinetwillen uns zugehört, ist felsenfest und unerschütterlich. Und der rechte Glaube besteht eben darin, dass er sich durch nichts stören lässt, sondern immer wieder sagt: „Dennoch bin ich der Liebe meines Gottes in Christus Jesus gewiss!“ Halbgläubige, zaghafte Menschen kommen gleich mit der Redensart: „Gott hat mich nicht mehr lieb, Gott hat mich verlassen und verworfen! Gott fragt nicht mehr nach mir!“ Das sind die, die sich wirklich scheiden lassen von der Liebe Gottes, obwohl sie vorgegeben hatten, sie in Seinem Sohne erfasst zu haben. Und die sollten sich wahrlich schämen angesichts eines solchen Spruchs, da Paulus im Namen aller Gläubigen sagt: „Ich bin's gewiss, dass nichts uns scheiden kann von der Liebe Gottes!“ Vorher hatte er gesagt: „Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Fährlichkeit oder Schwert?“ und hatte hinzugesetzt: „Aber in dem allen überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat.“ Und jene - O würden sie sich doch schämen! - sind im Nu bei der Hand zu sagen, jetzt sei's mit der Liebe Gottes gegen sie aus, weil sie durch irgendwelche Trübsal oder Anfechtung gehen müssen, die sie unfest und verdrossen macht!
Es liegt also der Nerv unsres Spruchs in dem Wort: „Ich bin gewiss.“ Er steckt im Glauben, in der felsenfesten Zuversicht, die man zu Gott um Christi willen hat und die man sich nicht nehmen lässt. Diese Gewissheit kommt auch aus der Überlegung, dass man hinfort - weil mans durch Christus gewiss wird - durch gar nichts verursacht sein könnte, an der Liebe Gottes zu zweifeln. Denn diese ist durch das, was Er mit Seinem Sohne Jesus Christus getan hat, zu fest gegründet. Wer freilich diese Seine in Christus erschienene und bewiesene Liebe nicht recht erkennt, in ihrer Wirklichkeit nicht gläubig erfasst, der hat kein Fundament für seine Zuversicht und baut auf Sand. Dann werfen Stürme und Ungewitter ihm leicht alles über den Haufen - auch wenn er meint und behauptet, gläubig zu sein.
In welche Tiefen des Jammers hat nicht auch Christus hineinmüssen! Und wie herrlich ist Er aus ihnen herausgeführt worden! Alles das aber geschah doch uns zulieb! Aber wie Er mitten unter den Qualen des Kreuzes doch der Geliebte Gottes, das Kind des Vaters verblieb, so bleiben auch wir die Geliebten des HErrn, - Seine Kinder. Und wenn auch noch so viele Trübsal über uns herfallen mag: Wir bleiben um so mehr Gottes geliebte Kinder, wenn wir gleich Christus leiden! Dessen gewiss werden: das heißt glauben! Und wer's nicht so kann, der soll nur nicht sagen, dass er Glauben habe! Und wir andern - aber freilich wer sind die? - sollen uns nur nicht verwundern, wenn es solcherlei halben Leuten so ergeht, dass sie sich von der Liebe Gottes scheiden lassen, also Verzweiflungsgedanken bekommen.
Freilich hat's der Arge in unsern Tagen besonders darauf angelegt, gerade die Tiefe der Erkenntnis der Liebe Gottes, wie sie in Christus ist und sich dargestellt hat, in den Seelen nicht aufkommen zu lassen.
Harren wir der neuen Zeit einer reichlicheren Ausgießung des Heiligen Geistes! Wer aber nun richtig in der Erkenntnis Christi steht, der kann mit Paulus sagen: Ob ich sterbe oder lebe - Gott hat mich lieb! Ob Engel des Satans, ob Fürstentümer oder Gewalten der Finsternis wider mich sind - Gott hat mich lieb! Ob alles, was wider Gott steht, mich anficht und wo man denken könnte: Warum schlägt sie Gott nicht besser uns und den Seinigen zulieb tot? - Gott hat mich lieb! Und Er wird die Bösen schon noch beseitigen, wenn's Zeit ist! Ob ich in der Gegenwart Trübsal habe oder sie erst in der Zukunft erwarte, ob von oben oder von unten Gewalten über mich fallen - Gott hat mich lieb! Ob andere Kreaturen, welche es auch sein mögen, mir schaden wollen oder scheinbar wirklich schaden - ich bleibe dabei: Gott hat mich lieb!
Denn in dem allen liegen keine Beweise, dass es mit der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, nichts sei! (Christoph Blumhardt)
Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Liebe eint. Wie stark ist das Band, das sie zwischen Gott und mir knüpft? Paulus sagt mir: von Gottes Liebe wird dich nichts scheiden. Wer wird Gottes Willen brechen, wer das Band zerreißen, das er wob, und die Gemeinschaft zersprengen, die er stiftete? Menschlicher Wille ist wankelmütig und launisch, greift jetzt nach dem Nächsten und lässt ihn bald wieder fahren. Menschlicher Wille kann entwurzelt werden, wenn sich ein starker Gegenstoß ihm widersetzt. Der göttliche Wille wechselt aber sein Ziel nicht und weicht vor keinem gegen ihn gerichteten Druck. Gilt es nicht aber auch von meiner Liebe zu Gott, dass sie beweglich sei? Darf ich von ihr sagen, dass sie mich mit einem unüberwindlichen Griff an Gott binde? Meine Gemeinschaft mit Gott beruht aber nicht auf meiner Liebe zu ihm, sondern auf der, die er mir gewährt. Nicht das ist die Frage, ob meine Liebe stärker sei als alle Widerstände, sondern ob seine Liebe bezwungen werden kann. Kann nicht meine Schuld mich aus Gottes Liebe reißen? Gerade dadurch ist mir ja seine Liebe zuteil geworden, dass ich gerechtfertigt bin. Ich könnte nicht von Gottes Liebe zu mir reden, wenn ich nicht den kennte, der für uns gestorben und auferstanden ist und uns in Gott regiert. Durch ihn kam die Liebe Gottes zu mir, Wie steht es aber mit dem Tod? Reißt er nicht jede Liebe entzwei? Wie sollte er aber Gottes Liebe vereiteln, da er ja nach Gottes Willen zu mir kommt? Sein Wort macht lebendig und Sein Wort ordnet mir den Tod. Ebensowenig als der Tod trennt mich sein Leben von Gottes Liebe, als macht es mich in mir selber reich und satt und Gottes nicht mehr bedürftig. Gabe ist es, von Ihm empfangen und die Gabe kann mich nicht von der Liebe scheiden, die sie mir gibt. Das Gegenwärtige und das Zukünftige sind voneinander geschieden durch einen gründlichen, völligen Gegensatz. Was jetzt besteht, wird nicht auch künftig sein und die ewige Welt gleicht nicht der zeitlichen. Aber das Gegenwärtige und das Zukünftige ist alles unter Gottes Herrschaft gestellt und ich lebe hier und dort in seinem Reich. Unerforschte Höhen und Tiefen gibt es in Gottes Schöpfung, Mächte, die wir nicht sehen, auch wenn wir ihren Einfluss spüren. Zwischen mich und Gott treten sie aber nicht; sie sind ja Kreatur und keine Kreatur widersteht seinem Willen und keine Kreatur zerreißt, was Gott in seiner Liebe eint, und trennt den von Gott, dem er seine Liebe gegeben hat.
Erster und Letzter, Anfänger und Vollender bist Du, Herr, Gott; darum nennen wir Dich den Ewigen. An Deiner Macht und Stärke hat alles teil, was Du uns gibst. Sie ist das Merkmal Deiner Liebe. Sie legt uns die süße Pflicht, Dir zu glauben, Dir zu danken, Dir zu dienen jetzt und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Adolf Schlatter)
Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur, mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn.
Das stürmische Leben Pauli, welch ein seliges Leben war es doch im Grunde! Zu welch einer Unabhängigkeit gelangt man, wenn man in treuer Liebe Jesu anhangt! Ist unsere Hingabe an ihn endlich eine volle geworden, wie unendlich reich macht er dann ein armes Menschenherz! Es gibt gewaltige Stürme, die auf uns eindringen können, aber wer im Glauben steht, der braucht sich nicht zu fürchten. Heute kann das Leben uns Angst machen, morgen der Tod; heute haben wir es mit den Engeln des Abgrunds zu tun, morgen mit Gewaltigen und Zwingherren der Erde; bald ist es die Gegenwart, die uns zu schaffen gibt, bald die Zukunft; oder es ist eine hohe Stellung und bald wieder ein tiefes Leiden, das uns hinnimmt; auch die Kreatur-Liebe kann uns wieder zum Götzen werden; - und doch sind wir in allen diesen Zuständen geborgen! Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Es gibt ein diamantenes Band, an dem wir gehalten werden und das keine Erden- noch Höllenmächte zerstören können. Der uns seinen Sohn gegeben hat, sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? Oder hat er uns seinen Sohn nur für die guten Tage gegeben und nicht für die bösen? Als Paulus gestäupt, gesteinigt wurde, als er Schiffbruch litt und Tag und Nacht zubrachte in der Tiefe des Meeres, in seinen Gefahren zu Wasser, unter den Mördern, unter den Juden und Heiden, in Städten und in der Wüste, war er da allein? lag er nicht in seines Herrn Armen und war ihm nicht selig wohl? Wenn Jesus sieht, dass wir ganz auf ihn geworfen sind, wird er uns da im Stich lassen? Wenn auch wir uns von ihm scheiden könnten, er kann sich nicht von uns scheiden, denn seine Liebe ist stärker, als unsere. Hat er sich für uns in den Tod gegeben, so hat er uns am mächtigsten gezeigt, wie er es meint mit seiner Liebe. Auch das bedrohteste Leben steht in guten Händen, wenn man es Jesu übergeben hat. Mag das Wasser uns bis an die Seele gehen, wir sind erkauft, erlöst, und Gott vergisst es nicht. Der Glaube wird ein Triumphgesang, wenn der Geist Gottes ihn erfüllt mit der Zuversicht: Nichts kann mir schaden, nichts kann mir meine Krone rauben, denn nichts kann mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. (Friedrich Lobstein)
Ich bin dessen gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Höhe noch Tiefe noch irgendein Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserm Herrn.
Lieber himmlischer Vater, lobend und dankend erhebt dich unser Herz und Mund am Schlusse dieses Tages. Vom Morgen bis zum Abend hat deine Hand uns behütet und dein Aufsehen bewahrte unsern Odem. Unsern Leib hast du genährt mit den Gaben deiner Güte und unsere Seelen ermuntert durch die unsichtbare Wirkung deines Geistes. Glücklich hast du uns unser Tagewerk vollenden lassen und uns jetzt nach verschiedenen Wegen wieder zusammengeführt, dass wir uns in dieser stillen Abendstunde noch einmal gemeinsam freuen sollen in deiner Liebe. Herr, wir sind zu gering der Treue und Barmherzigkeit, die du an uns getan hast. Ja, wir bekennen unsere Unwürdigkeit und Schwäche, welche auch am heutigen Tag offenbar geworden ist. Ach! wir vergessen so leicht unter den Geschäften und Zerstreuungen des Tages, dass wir deine Kinder sind. Der Geist der Freude und der Zuversicht wird so oft verschlungen von Kleinmut und Missmut, der Geist der Liebe von Ungeduld und Bitterkeit. Wir wachen immer noch zu wenig über unser Herz und lassen uns hinreißen zu lieblosen Worten und Handlungen. Vater, verzeih uns unsere Sünden, verzeih uns auch die Sünden des heutigen Tages. Schau mit Nachsicht herab auf deine Kinder. Lass uns auch fernerhin deiner Geduld und Langmut empfohlen sein. Bewahre uns auch in der kommenden Nacht. Bewahre uns vor Unglück, vor Feuersgefahr und vor den Anschlägen böser Menschen. Wo du, o Herr, nicht die Stadt behütest, da wachet der Wächter umsonst; wo du aber deine Hand ausstreckest, da ist eine starke Mauer, und keine Gefahr kann unserer Hütte sich nahen. Darum sprechen wir: Herr, ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du hilfst mir, dass ich sicher wohne. Amen. (Robert Grubenmann)
Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder gegenwärtiges noch zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur, mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserem Herrn.
Ist das nicht imposant, mit welch einer Ruhe und Sicherheit die Apostel von den höchsten und tiefsten Dingen reden? Wie oft sagen sie: „Wir wissen“ „wir sind gewiss“, wo alle Gewissheit der Welt aufhört, wo sie lauter Fragezeichen und Gedankenstriche setzt! Ja, man findet's allgemein, dass die Menschen, die sich so sehr ihres Wissens rühmen und die über alle weltlichen Dinge reden, als ob sie die Weisheit gepachtet hätten, die aber von Jesu nichts wissen wollen, dass die stumm und still werden, wenn es sich grade um das handelt, was doch das Wichtigste von Allem ist, - wenn es sich handelt um die Fragen: „Wie stehen wir zu Gott und wie steht Gott zu uns? Wie wird es mit uns sein, wenn wir einmal nicht mehr auf dieser Erde wandeln werden? Gibt es ein ewiges Ziel, dafür wir geschaffen sind, ein Leben und eine Herrlichkeit nach dem Tode, oder nicht?“ Hier verstummt die Weisheit der Welt, die an Christi Kreuz wie an einem verdorrten Baum stolz vorüberschreitet. Dagegen die einfältigen Leute, die da sagen können: „Wir haben nichts unter euch gewusst wie Christum und zwar den gekreuzigten, - diese Leute, die von sich selbst und ihrer Tugend und Gerechtigkeit nichts wissen wollen, die singen einen hellen Lobgesang, grade wenn's auf die Artikel kommt, wo die Welt nichts mehr sagen kann. Mit der größten Bestimmtheit schreibt Paulus: „Wir wissen, wenn das irdische Haus dieser Hütte zerbrochen ist, dass wir dann einen himmlischen Bau haben, von Gott erbaut“. - Dieser Mann, der Mühsale und Trübsale vor sich sah, wie kein Anderer, schreibt dennoch: „Wir überwinden weit durch Den, der uns geliebt hat“. „ Trübsal schafft eitel Herrlichkeit. Die Leiden der Zeit sind nicht wert der Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden; ja, wir sind schon aus dem Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ So trostvoll und siegesgewiss sind sie über ihren Weg und über ihr Ziel. Das sind sie aber deswegen, weil sie wissen, dass sie durch Jesum Gottes Kinder sind, dass sie mit Gott Frieden, dass sie Vergebung ihrer Sünden haben, dass, (wie Paulus in unserem Texte schreibt,) nichts im Himmel und auf Erden und in der Hölle sie scheiden kann von seiner Liebe. Alle diese Dinge sprechen sie mit einer Seelenruhe aus, wie man sonst nur über Dinge spricht, die man mit den Händen greifen und mit den Augen sehen kann. Und in der Tat: sie konnten ihren Kopf hergeben für diese Überzeugungen und sie haben ihn in der Tat dafür hergegeben, und nach ihnen Unzählige, und du, der du dieses liest, würdest es hoffentlich auch können.
Wer es nicht versteht, der meint, die Leute, die so sprechen, müssten sehr hochmütige, von sich selbst eingenommene und beglückte Menschen sein, dass sie sich so hoher Dinge rühmen. So hört man auch oft in der Welt sagen: „Diese Quäker, diese Frommen bilden sich ein, besser zu sein wie andere Leute“. Wer aber nicht mit den Schwätzern, sondern mit den wahrhast Frommen zusammen kommt und Augen hat, um zu sehen, der findet grade das Gegenteil; - dass nämlich diese Leute von sich selbst gar nichts halten, ihre Naturart aufs schärfste richten und mit Paulo sprechen: „Ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, wohnet nichts Gutes“. Er findet weiter, dass sie das Gute, was in ihnen ist, schlechterdings nicht sich selbst zuschreiben, sondern ganz und gar aus der Gnade, die in Jesu ist, herleiten. Ja er wird finden, dass sie grade deswegen Frieden und Gewissheit des ewigen Lebens haben, weil sie von sich selbst los und in Christum eingeankert sind, weil sie sich selbst richten und verdammen, Christum aber anbeten und verherrlichen. Freudige Gewissheit des Heiles in Christo ist nur da, wo eine volle Klarheit über das Unheil ist, über das unheilbare Unheil, das in uns selber ist. Umgekehrt wird's auch stimmen, dass, wo Einer von diesem inneren Unheil nichts wissen will oder sich tüchtig erachtet, dass mans wohl selber heilen könne, da bleibt in ihm, von ihm und über ihm eitel Finsternis. O du, der du dich streckest und sehnest nach diesem entzückenden, beneidenswerten: „Ich bin gewiss“ - nach dieser Gewissheit des ewigen Lebens in Jesu, - 0, schone dich nicht, schaue dich an und schaue die Welt an, bi du irre wirst an dir und aller Kreatur, so wirst du dann auch Macht gewinnen, Jesum zu ergreifen, - wirst auch in Betreff der höchsten und seligsten Dinge in Gegenwart und Zukunft sprechen lernen: „Ich bin gewiss“. (Otto Funcke)
Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürsten, noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein Geschöpf, uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
Unsere Tage eilen schnell dahin, und mit ihnen entflieht auch das Leben selbst; aber Eines bleibt fest und unbeweglich
stehen im Wechsel der Zeiten, das ist dein ewiges Erbarmen, du treuer Vater im Himmel. Du wirst nicht müde, deine Kinder auf Erden immer aufs Neue zu segnen, sie mit Langmut und Geduld zu tragen, ihre Schmerzen zu stillen, ihre Sünden zu verzeihen. Auch heute, himmlischer Vater, hast du uns deine Treue wieder erfahren lassen, hast uns behütet und gesegnet und uns bei all' unserer Schwachheit in Langmut getragen. Und wenn wir auch irgendein Ungemach zu tragen haben, wenn mancher unserer Wünsche unerfüllt bleibt, wenn uns auch einmal etwas Bitteres widerfährt, wenn auch in unserm Leben und in unserm Hause das Kreuz nicht fehlt: wir wissen, auch darin offenbarst du uns deine ewig treue Vaterliebe. Was würde wohl aus uns werden, wenn wir immer nur gute Tage hätten? Bedürfen wir es nicht Alle gar sehr, von dir gemahnt zu werden an den Ernst des Lebens, von der äußern, vergänglichen Welt hineingeführt zu werden in die stillen Gründe des Geisteslebens und der Gemeinschaft mit dir? Bedürfen wir es nicht Alle gar sehr, in der Demut gehalten und geläutert zu werden durch die Schule des Kreuzes? ja, wenn deine Züchtigung da ist, dann dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, aber danach gibt sie eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die sich darin üben lassen, und ob auch der äußerliche Mensch abnimmt und vergehet, so wird doch der inwendige von Tag zu Tag erneuert zu der Herrlichkeit Jesu Christi. wenn wir das immer recht bedächten im Ungemach des Lebens, wie viel zufriedener und geduldiger könnten wir es ertragen, wie viel weniger würden wir mit Klagen die Welt erfüllen, sondern in der Freudigkeit der Kinder Gottes auch unter dem Kreuz dahingehen! verleihe uns etwas von diesem Geist der Freudigkeit auch unter den Sorgen und Leiden des Lebens; ob uns auch gar nichts gewiss ist von dem, was dieser Erde angehört, von dem, was diese Nacht, was der morgende Tag uns bringen mag, das Eine lass uns immer mehr zur Gewissheit werden, dass denen, die dich lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Und wie wir jetzt, geborgen im Schoß deiner Liebe, uns ruhig und getrost niederlegen, in die Arme des Schlummers, ohne Grauer: vor dem Dunkel der Nacht und seinen Gefahren, so gib, dass wir uns einst auch ruhig und getrost zum letzten Schlummer niederlegen, indem wir es mit der Zuversicht des Apostels bezeugen: Ich bin dessen gewiss, dass weder Hohes noch Tiefes, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Leben noch Tod uns scheiden mag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Amen. (Robert Grubenmann)