Römer 8,17
Andachten
Sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, und zwar Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlichet werden. Denn ich halte dafür, dass die Leiden dieser Zeit nicht wert sind der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
Wenn nur das Erste seine Richtigkeit hat, dann wird es an allem Übrigen ganz und gar nicht fehlen. Bist du ein wahres Kind Gottes, aus Gott geboren, mit seinem Geiste beseelt und versiegelt, von seinem Geiste getrieben, von seiner Liebe voll, kindlich gehorsam deinem Vater, so dass man dir die Eigenschaften eines Kindes Gottes nicht streitig machen kann, dass dir der Geist Gottes selbst Zeugnis davon gibt: so bist du auch Erbe Gottes und Miterbe Christi, und eine Herrlichkeit wartet auf dich, mit der alle Leiden dieser Welt nicht zu vergleichen sind; der man, wenn man alle Schmerzen der Märtyrer und alle Pein der Verdammten litte, doch nicht wert wäre, die man durch keine Leiden verdienen, um keinen Preis kaufen kann; die Gott nur seinen Kindern schenkt, denen, die an den Namen seines Sohnes von ganzem Herzen glauben, und durch Glauben und Liebe seinem Ebenbilde ähnlich werden. Damit tröste dich, wenn du hier als Kind Gottes verfolgt und geplagt wirst, wenn die Welt dich hasst, weil du nicht ihr Kind bist. Hinaus mit deinem Blicke in jene Welt, wenn dir diese Welt zu enge wird! Jene ist dein, diese nicht. Verlange, erwarte daher hier nichts von der Welt, als den freien Durchzug in dein Vaterland. Und wenn dir auch dieser erschwert wird, wie es denn zu geschehen pflegt, so tröste dich damit, dass selbst all dies, was du auf dieser Welt in deinem Durchzuge erfahren muss, deine Herrlichkeit dort erhöhen wird. (Johannes Evangelista Gossner)
Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi.
Zuerst werde Gottes Kind, dann wirst du Gottes Erbe. Kehre die göttliche Ordnung nicht um und lass dich nicht verführen, nach dem zu greifen, was Gottes ist, ohne dass du ihn selber suchst und hast. Möchtest du das, was Gottes ist, ohne Gott zu deinem Eigentum zu machen, so wäre dies dein Fall. Die Kindschaft Gottes gibt mir die inwendige Verbundenheit mit Gott und dies ist das höchste Gut, das eine Notwendige, ohne das ich sterben muss. Gottes Werk in mir, dass er mir den Glauben und die Liebe gibt, ist das Köstlichste, was er mir schenkt. Darauf richte deinen Fleiß, dass sein Wort dir deine Gedanken und sein Wille dir dein Handeln geben. Nun aber fahre mit Paulus fort und sei nicht zaghaft. Weil ich Kind bin, bin ich auch Erbe. Das Kind wird zum Mitbesitzer dessen, was des Vaters ist. Was ist Gottes Eigentum? Einmal die Natur. Weil ich sein Kind bin, wird sie mein Erbe, mein Besitz, den ich verwalte und regiere, so dass sie mir nicht mehr die wilde Eigensucht in die Seele legt, an der ich sterbe, sondern mir zum Lebensmittel wird. Nun wird es wahr, dass alles mir gehört und dient, sei es das Leben, sei es der Tod. Was gehört Gott weiter? Die Welt; denn all das, was die Menschheit mit ihrer regsamen Arbeit zustande bringt, wird von ihr mit dem hergestellt, was Gott ihr gab, und geschieht unter seiner Regierung. All dies gehört nun auch mir und wird mir zum Arbeitsmittel. Nun kann die Welt mich nicht mehr knechten und ich muss sie nicht mehr fürchten und mich nicht aus ihr flüchten. Als Gottes Kind stehe ich mit ihr im freien Verkehr, der für beide heilsam ist. Was ist weiter Gottes Eigentum? Seine Kinder gehören ihm. Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, alles, sagt mir Paulus, ist dein. Die ganze mannigfach begabte und verschieden geführte Schar, die auf Gottes Wegen geht, hat das, was sie empfing, auch für mich empfangen und fördert in der Weise, wie sie Gott dient, auch meinem Dienst. Aber nicht nur die auf der Erde Stehenden, sondern auch die Himmlischen sind Gottes Eigentum. Sein ist auch die kommende Welt, die das Himmlische und Irdische vereint, und ich darf wieder sagen: sei es das Gegenwärtige oder das Künftige, alles ist mein. Auch in Gottes ewiger Welt ist ein Platz mir zugeteilt; denn ich bin Gottes Kind. Erbe Gottes bin ich aber als Miterbe des Christus. Ich bin es nicht durch mich, sondern deshalb, weil er mir die Vollmacht gab, Gottes Kind zu werden. Weil ich des Christus bin, darum ist alles mein und Gottes Reichtum wird deshalb mein Besitz, weil ich dem Christus gehöre.
Du bist, Vater, der reiche Gott und machst deine Kinder reich. Darum treibt mich alles, was ich habe, zum Danken, und alles, was ich tue, darf und soll damit enden, dass es deine Herrlichkeit bezeugt. Amen. (Adolf Schlatter)
“Miterben Christi.“
Christo gehören die unendlichen Reiche im Weltall seines Vaters als Eigentum an durch rechtskräftige Einsetzung. Als „Erbe über alles“ ist Er der einzige Eigentümer der weiten Weltschöpfung Gottes, und Er hat uns gestattet, das alles als unser Eigentum anzusehen und in Anspruch zu nehmen, und hat uns dazu ermächtigt durch seine Einsetzung zu Miterben, welche der Herr bestätigt hat allen seinen Auserwählten. Die goldenen Gassen des Paradieses, die Perlentore, der Strom des Lebens, die überschwängliche Seligkeit und die unaussprechliche Herrlichkeit sind uns durch unsern hochgelobten Herrn übergeben zum ewigen Eigentum. Alles, was Er hat, teilt Er mit seinem Volk. Er hat seine Königskrone seiner Braut und auserwählten Gemeinde aufs Haupt gesetzt, und hat ihr ein Reich gestiftet und ihre Söhne ein königliches Priestertum genannt, ein auserwähltes Geschlecht, ein Volk von Priestern und Königen. Er hat sich selber seiner Krone entäußert, damit wir könnten gekrönt werden mit Herrlichkeit; Er wollte nicht sitzen auf seinem Stuhl, bis dass Er selbst Raum gemacht hätte für alle, die, die da überwinden durch sein Blut. Siehe, das ist der Lohn eines jeden gläubigen Überwinders! Christi Thron, Krone, Zepter, Palast, Schatz, Kleid, Erbteil, - alles ist euer. Weit erhaben über alle Eifersucht, Selbstsucht und Habsucht, die nicht leiden wollen, dass irgendein anderer ihres Besitzes teilhaftig werde, schätzt sich Christus nur umso glücklicher und herrlicher, wenn sein Volk an seiner Herrlichkeit teil hat. „Ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die Du mir gegeben hast.“ „Solches rede ich zu euch, auf dass meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.“ Das Lächeln des Wohlgefallens seines Vaters ist Ihm umso lieblicher, weil auch die Seinen daran teilhaben. Die Majestät und die Würde seiner Herrschaft ist Ihm umso wertvoller, weil auch sein Volk mit Ihm im Glanz der Herrlichkeit strahlt. Seine Siege sind Ihm umso willkommener, weil auch seine Auserwählten dadurch überwinden lernen. Er schaut mit Wonne auf seinen Thron, weil Er auch Raum beut für sie. Er hat Wohlgefallen an seinem Kleid der Herrlichkeit, weil seines Gewandes Saum auch über sie gebreitet ist. Er ist umso seliger in seiner Freude, weil Er sie kann eingehen heißen zu seiner ewigen Freude und Wonne. (Charles Haddon Spurgeon)