Römer 4,5
Andachten
„Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an Den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.“
Da will der Apostel darauf hinweisen, dass wir als Gottlose keinen andern Weg zur Seligkeit wissen, als den des Glaubens, weil dieser gerecht macht, also durchbringt ohne des Gesetzes Werke. Wer mit Werken umgeht, d. h. durch Werke sich erretten will, die er doch nicht getan hat und tun kann, dem fehlt's. Er kann's nicht erschwingen und bleibt weit unter dem, was gerecht macht, ist um solcher Eigenliebe willen nicht einmal auf der Bahn dazu. Jeder muss dann an sich verzweifeln, als an einem Gottlosen, und muss seine Hand nach Dem ausstrecken, der aus Gnaden zu helfen gekommen ist, wenn er nicht unter den Verlorenen bleiben will, die nichts mehr retten kann.
Kommt's dir seltsam vor, dass es so zugeht? Aber bedenke, wie viel Selbstverblendung, wie viel Sicherheit, wie viel Abkehr von Gott, wie viel Herzenshärte und Verstocktheit unter Umständen dazu gehört, nicht erkennen, wie wenig man taugt, was selbst einem Kinde fühlbar ist, oder es erkennen und doch etwas sein wollen, und in beiden Fällen die von Gott dargebotene Rettungshand verschmähen! Wer das klare Evangelium, das so ganz an das Gemüt des Menschen spricht, wenn's ihm wirklich nahe kommt, von sich weisen kann, der ist ein harter Mensch. Das prophetische Wort nennt Solchen einen halsstarrigen Menschen, wie deutlich Habakuk (2,4) zu erkennen gibt, wenn er sagt: „Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben; denn der Gerechte wird seines Glaubens leben.“
Aber merke, wie gerade den Gottlosen der Weg zur Gerechtigkeit durch Christum eröffnet ist. Es ist nicht so böse gemeint, wenn wir Alle Gottlose genannt werden; denn eben diesen soll ja geholfen werden. Für sie schlägt das Herz Gottes, dass sie doch noch gerettet werden möchten. Ihnen wird Gnade angeboten, die sie haben, wenn sie nur glauben, gläubig trauen. Ginge es durch Werke, so wären mindestens solche Gottlose, die auch du so nennst, wenn du ja dich nicht willst also nennen, unwiederbringlich verloren, selbst die gottlos Gewesenen, weil die begangenen Sünden immer noch wider sie zeugten. Gott aber hat's so eingerichtet, dass den Gottlosen geholfen werden kann, eben auch denen, die so recht Ursache haben, sich gottlos zu nennen, weil sie in frecher Weise Gottes Gebote übertreten haben. Darum nimm's nicht übel, wenn die Schrift dich gottlos heißt, wenn sie nur dich gerecht machen will. Aber gerecht können sie Alle werden, wenn sie durch Buße und Glauben zu Christo kommen, aus lauter Gnade. Was du denn auch auf deinem Gewissen haben magst, dir kann geholfen werden; du kannst doch noch unter die Zahl der Gerechten kommen, da aller deiner Sünde nicht mehr gedacht wird, wenn du mit lauterem Sinn unter Buße und Glauben die Gnade Gottes durch Christum ergreifst. Da sollte doch kein Sünder mehr zagen, wenn's so deutlich uns gesagt wird. O, du gottloser Mensch, verzweifle nicht. Höre und glaube; und dein Glaube wird dir zur Gerechtigkeit gerechnet. (Christoph Blumhardt)
Dem aber, der nicht mit Werten umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.
Komm in deinem Hauskleid! Ich meine, komm zu deinem himmlischen Vater in all deiner Sünde und Sündigkeit! Komm zu JEsus grade wie du bist, aussätzig, schmutzig, nackt, weder zum Leben noch zum Sterben tauglich! Komm, du, der du der wahre Auswurf der Schöpfung bist; komm, obgleich du kaum irgend etwas anderes als den Tod zu hoffen wagst! Komm, obgleich die Verzweiflung sich über dich gelagert hat und wie ein schrecklicher Alp deine Brust bedrückt! Komm und bitte den HErrn, noch einen Gottlosen mehr gerecht zu machen! Warum sollt Er's nicht? Komm nur her; denn diese große Gnade Gottes ist für solche, wie du bist, bestimmt. Ich drücke es in den Worten des Textes aus und ich kann es nicht stärker ausdrücken: der HErr Gott selber nimmt diesen gnädigen Titel an: „Den, der Gottlose gerecht macht.“ Er macht die, welche von Natur gottlos sind, gerecht und lässt sie als gerecht behandelt werden. Ist das nicht ein wundervolles Wort für dich? Leser, stehe nicht von deinem Sitze auf, bis du diese Sache wohl überlegt hast! Amen. (Charles Haddon Spurgeon)