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Römer 12,5

Römer 12,5

Andachten

Wir vielen sind ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des anderen Glied.
Merk auf! Hier wird dir etwas gesagt, was gewaltig in die Höhe steigt! Ein Glied sein heißt ein eigenes Leben haben. Wenn ein Glied nicht mehr seine ganze Funktion nach seinem eigenen Gesetz vollzieht, wird es für den Leib unnütz und zum gefährlichen Herd um sich greifender Erkrankung. Ich darf nirgends nur mitlaufen, nirgends nur nachmachen, nie gegen meinen eigenen Glaubensstand untreu sein. Denn ich bin Glied, und ein Glied muss das besorgen, was ihm als sein Anteil am Leben des Leibes zugewiesen ist. Ich bin Glied, das heißt aber weiter, ich bin in den Leib hineingestellt. Was das Glied an Nahrung und Kräftigung empfängt, das stammt nicht aus ihm selbst, sondern kommt von den anderen, und was es leistet, das dient nicht bloß ihm, sondern den anderen. Gerade dadurch, dass es sein Eigenleben hat, steht es in der empfangenden und gebenden Gemeinschaft mit den anderen. Dies gilt ausnahmslos von uns allen. Jeder, der zum Leib gehört, ist Glied für die anderen. Es gibt keinen, der den Zweck seines Lebens in sich selbst finden könnte, wie es auch keinen gibt, der den Grund seines Lebens in sich selber hat. Es wird uns aber beides schwer, sowohl das Empfangen als auch das Geben. Es ist schwer zu lernen, weil meine eigenen Gedanken mir lieb sind; aber es ist auch schwer zu lehren, das Wort so zu fassen, dass es nicht verwirrt und stört, sondern hilft. Es ist nicht leicht, sich helfen zu lassen; geht nicht jede Arbeit leichter voran, wenn sie nur in einer Hand liegt? Es ist aber auch schwer, den anderen zu helfen und sich so in ihre Arbeit einzuordnen, dass sie von mir gefördert wird. Aber die Frage, ob es schwer oder leicht sei, was ich als Glied zu tun habe, hat gar keine Bedeutung. Christus macht aus uns den einen, zusammengewachsenen Leib. Da gibt es nichts zu ändern und nichts zu wünschen. Durch einander und für einander leben wir, weil wir durch Christus und für Christus leben. Darum ist alles, was den anderen gegeben ist, auch für mich Gewinn, und alles, was mein eigen ist, auch zum Heil der anderen da. Damit endet alles Erwägen, ob die Gemeinschaft schwer oder leicht, mehr Hemmung oder mehr Förderung sei. Sie ist da und ich bin in sie hineingesetzt, so gewiss ich das empfangen habe, was von Christus stammt.
Mit Deiner Hilfe, lieber Herr, weise ich meine eigensüchtigen Wünsche weg, die sich nur um mich selber drehen. Höre ich auf mich, so sollen wohl die anderen mir mancherlei geben, allein keinen Anspruch auf mich haben. Das verstößt gegen Dein gnädiges Werk, durch das Du Deinen Leib bereitest, der Dein eigen ist als von Dir regiert. Glied im Leib, das ist mein Ort, ein herrlicher Ort, das sichtbare Wahrzeichen Deiner Heilandsmacht. Amen. (Adolf Schlatter)


Unter einander ist einer des andern Glied.
Die Selbstsucht ist so groß in dieser Zeit. Jeder denkt nur an sich, arbeitet und sorgt nur für sich; ob der Nächste darüber zu Grunde geht, danach fragt man wenig, wenn man nur selbst vorwärts kommt, der Nächste mag sehen, wo er bleibt. Das kommt aber nicht zum wenigsten daher, dass man vergisst, dass die Menschheit eine große Familie bildet, da eines mit dem andern verbunden ist, eines für das andere einzutreten hat. Es soll vielmehr, so will man's haben, jeder losgelöst vom andern dastehen. Unter Christen aber darf solche Anschauung und eine daraus entspringende Handlungsweise nimmer Platz greifen. Für. Christen gilt die Regel, welche St. Paulus aufstellt: Unter einander ist einer des andern Glied. Die Gleichnisrede ist vom menschlichem Leibe genommen. Hier sind auch viele Glieder mit verschiedenem Dienst und verschiedener Würde; aber die Glieder hangen doch alle zusammen, und eines dient dem andern; das gleiche Herzblut durchströmt sie alle, und ein Wille regiert sie alle. Alle, die an Christum glauben und in ihm leben und sich von ihm, ihrem himmlischen Haupte, regieren lassen, sind ein Leib in Christo. Aber der Gaben sind es mancherlei, sowohl nach dem Maße wie nach der Art. Da hat nun nicht ein Glied hochmütig über das andere sich zu erheben oder selbstsüchtig seine Gabe nur für sich zu gebrauchen, sondern wie die Glieder des menschlichen Leibes, so hat auch ein Christ dem andern zu dienen, zu raten, zu helfen, dass der Leib Christi, seine Christenheit, erbauet werde. Je größer die Gabe, desto mehr bist du Knecht. Wie ganz anders würde unter uns das Leben sein, wie reicher würde die „Einigkeit im Geiste“ blühen und Früchte tragen, wenn wir nach dieser Regel: „unter einander ist einer des andern Glied“ treuer einhergingen! Fleißige sich jedes an seinem Teile von dieser Regel Herz und Wandel sich regieren zu lassen! (unbekannt)

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